Zuflucht in Bokeloh gefunden Zum Tod von Eva Pankok: Emsland Leben lang verbunden

Von Carola Alge

Im Haus von Bäckermeister Joseph Meyer verbrachte Eva Pankok (links) mit ihrem Vater eine „wunderbare Zeit“. Eine Tafel markiert den ehemaligen Standort. Archivfoto: Gerd MecklenborgIm Haus von Bäckermeister Joseph Meyer verbrachte Eva Pankok (links) mit ihrem Vater eine „wunderbare Zeit“. Eine Tafel markiert den ehemaligen Standort. Archivfoto: Gerd Mecklenborg

cw/pm Meppen. Eva Pankok, Tochter des Malers, Grafikers und Bildhauers Otto Pankok, ist im 91. Lebensjahr in ihrem Haus in Hünxe gestorben. Ihr Schicksalsweg führte sie einst zusammen mit ihren Eltern auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus ins Emsland.

Landrat Reinhard Winter und und Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, würdigen Eva Pankoks Verbundenheit zu unserer Region. Ihr Wirken sei „eine Bereicherung und Freude für den Landkreis Emsland“ gewesen. Die Tochter des bekannten Malers war nicht nur oft zu Gast im Emsland, sondern erfüllte auch hier das künstlerische Vermächtnis ihres Vaters. Noch Ende Oktober 2015 nahm sie an der Ausstellungseröffnung des Bilderzyklus „Die Passion“ von Otto Pankok in der Gedenkstätte Esterwegen teil. Diese Bilder schuf ihr Vater als Fanal gegen den aufziehenden Nationalsozialismus 1933/1934.

Brennende Synagoge

Bei der Ausstellung erzählte Eva Pankok unter anderem, wie sie mit ihrem Vater bei den Sinti auf dem Heinefeld in Düsseldorf war und mit den gleichalten Kindern gespielt hat– den Kindern, die später fast alle in Auschwitz umkommen sollten. Sie erinnerte ebenfalls an die brennende Synagoge in Düsseldorf und an eine befreundete jüdische Familie, die völlig verstört in ihrer verwüsteten Wohnung saß, als Otto und Eva Pankok sie am 9. November 1938 besuchten.

Flucht nach Bokeloh bei Meppen

Otto Pankok verließ mit Frau und Tochter Düsseldorf, nachdem er ab 1937 als „entarteter“ Künstler gebrandmarkt und der Verhaftung durch die Gestapo in Düsseldorf nur mit Glück entgangen war. Die Familie kam bei Bäckermeister Joseph Meyer in Meppen-Bokeloh unter.

Eva Pankok besuchte die einklassige Dorfschule. Otto Pankok malte. Die Kirche Bokeloh auf dem hohen Ufer über der Hase ist ein häufig wiederkehrendes Bildmotiv. Der mehrjährige Aufenthalt ihrer Familie in Bokeloh bei Familie Meyer von 1938 bis 1941 prägte Eva Pankok. Die freundschaftliche Verbindung zwischen Familie Meyer und ihr hatte über Jahrzehnte Bestand. Sie kam immer wieder nach Bokeloh und Hünxe.

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Mit dem Emsland eng verbunden

Auch der Landkreis Emsland kann auf eine Jahrzehnte lange Verbindung zu Eva Pankok zurückblicken, angefangen von Ausstellungen zur 50. Wiederkehr der Reichspogromnacht 1988 in Haselünne, Meppen und Bokeloh zusammen mit dem Meppener Kunstkreis. Im Jahr 2000 überließ Eva Pankok dem Landkreis Emsland treuhänderisch mehr als 200 großformatige Kohlegemälde ihres Vaters aus den Bokeloher Schaffensjahren. „Die Passion“, das „Jüdische Schicksal“, die „Zigeunerbilder“ – in Meppen wurden viele Arbeiten des berühmten Malers gezeigt, die Otto Pankok unter anderem in den Jahren des Nationalsozialismus schuf, aber nicht ausstellen durfte.

Menschlichkeit und Toleranz

Eva Pankok folgte den großen Lebensthemen ihres Vaters und machte sie sich zu eigen: „Toleranz und den Einklang von Mensch, Natur und Kreatur. Sie hat sich ihr Leben lang für Menschlichkeit und Toleranz eingesetzt, für Verfolgte und Diskriminierte. Sie hatte als junges Mädchen Gewalt und Terror erlebt, sie hatte die Entscheidung ihrer Eltern, ein befreundetes jüdisches Ehepaar bei sich zu verstecken und damit das eigene Leben zu riskieren, bewusst mitgetragen“, so Winter und Kaltofen.

Auch Eva Pankok, die eigentlich Ärztin werden wollte, wurde Malerin. Im Gegensatz zu den schwarz-weißen Kohlegemälden ihres Vaters schuf sie ihre Werke in Farbe und Öl. Ihre Motive fand sie in der Provence. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr war sie oft dort und malte.

Museum in ihrem Wohnhaus

Ein Haus der Kunst ist ihr Otto-Pankok-Museum in ihrem Wohnhaus in Hünxe. Viele Menschen kamen dort zusammen. Sie waren, wie Winter und Kaltofen betonen, dort in dem Gedanken vereint, „dass jeder einen kleinen Beitrag für die Wahrung der Menschenrechte leisten kann.“ Das habe Eva Pankok ihr Leben lang getan.