Irrwitzige Story Theater AG des Marianums Meppen glänzt mit Stück von Woody Allen

Von Heiner Harnack

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Meppen. Die Theater AG des Gymnasiums Marianum in Meppen hat sich Woody Allens Erstlingswerk (von 1966) „Vorsicht, Trinkwasser!“ angenommen und bei der Premiere einen Begeisterungssturm der Zuschauer entfacht.

Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. Im Hintergrund eine übergroße „Stars and Stripes“ Fahne, davor ein eher unbequem anmutendes Sofa und ein Sessel, typisch für die 1960er Jahre. Etwas weiter rechts haben die Bühnenbildner einen Schreibtisch mit einem alten Bakelit-Telefon aufgebaut, wie es vor rund einem halben Jahrhundert mit Wählscheibe benutzt wurde. Genau hinschauen sollte man bei einigen Groß-Fotos. Wen die wohl zeigen?

Spielort der Komödie ist eine US-Botschaft in einem fiktiven Staat, der irgendwo hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang liegt. Hier versteckt sich der Priester Vater Drobney (Pia Preuß beweist, dass auch Frauen prima in ein Priestergewand passen) seit sechs Jahren, was, so auch der Pressetext, eher für eine Tragödie passen könnte. Aber wer Woody Allen kennt, der weiß, dass alles anders kommt.

Typische Allen Geschichte

Der Botschafter Magee (Ida Berentzen) verreist und überlässt seinem Sohn Axel, der übrigens ein völliger Chaot ist, die Amtsgeschäfte der Botschaft. Was Sarah Sieber an hinreißendem Komödiantentum hier abliefert, ist schon erste Schauspielkategorie für ein Amateurtheater. Dann folgt eine Geschichte, wie sie wohl nur ein Woody Allen aushecken kann: Der prollige amerikanische Tourist Hollander (absolut glaubwürdig von Lennart Jansen gemimt) flüchtet mit Ehefrau Marion (Merle Bruno, die gekonnt die typisch amerikanische Ehefrau vieler Spielfilme der 1960er rüberbringt, irgendwie naiv, aber superkomisch) und Tochter Susan (Nena Arents), in die sich der Chaot Axel verguckt.

Prompt wird der US-Bürger der Spionage verdächtigt und der fiese Geheimdienstler Krojak jagt mit seinen dunklen Kumpanen die arme Touristenfamilie. Richtig fies und eine prima Domina abgebend spielt Sophie Engelmann den Schurken Krojak und Isabell Weiss versucht als Sekretärin Kilroy ihr Bestes, damit die US-Botschaft nicht komplett unterzugehen droht.

Nicht minder komisch die beiden Küchenchefinnen (Theresa Dycker und Samina Gimbel), die selbstverständlich schon im Hotel Schmidt am Markt am Kochtopf standen. Und John Kerry, amtierender US-Außenminister, war dort auch schon zu Besuch. Wer genau hin hört, findet dabei einige aktuelle Ansätze der Weltpolitik des Jahres 2016.

Das Gute siegt

Zu allem Überfluss taucht in all den chaotisch-amüsanten Situationen noch ein Ölscheich auf, für den eine Party abgehalten werden soll, die selbstverständlich weiteres Chaos heraufbeschwört. Natürlich kommt dieser Sultan von Bashir (Tom Scheve könnte glatt als kleiner Sultan auf die Welt gekommen sein), so wie es jeder im Abendland glaubt, gleich mit drei Frauen zur Party.

Axel tritt in noch manches Fettnäpfchen, die völlig genervte Touristenfamilie Hollander kann getarnt die Botschaft verlassen und, man wird es geahnt haben, auch bei Woody Allen siegen letztlich das Gute und die Liebe.

Dieses Stück ist von Hermann Breer und Ruppert May so gekonnt inszeniert, dass die Zuschauer nicht nur am Ende begeistert lang anhaltenden Applaus spendeten, sondern in vielen Situationen ausgiebig lachten. Da hätte es das Werk mit dieser tollen Spielschar verdient, noch ein paar Mal mehr als lediglich an vier Abenden aufgeführt zu werden.

Noch heute Abend und am Freitag, 19. Februar, zeigt das Ensemble „Vorsicht, Trinkwasser!“ je ab 20 Uhr in der Aula des Marianums.

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