„Das Schreiben kennt Oma vom Handy“ Südhümmlinger Schüler schulen Senioren am Computer

Von Helmut Diers

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Klein Berssen. Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Es macht elf Senioren und zwölf Schüler des zweiten und dritten Schuljahres der Grundschule Süd-Hümmling in Klein Berßen zufrieden und lockert die Stimmung. In einem Klassenraum mit reich gedeckter Kaffeetafel erfahren die Senioren, meist Großeltern der Schüler, von der Lehrerin Maike Berschauer, was sie an zwei Nachmittagen in dem Kurs „Schüler schulen Senioren – Ran an den Computer“ erwartet.

Manch ein skeptischer Blick ist in der Runde auszumachen, wenn Begriffe fallen wie Grundfunktion des Computers, Einführung in ein Textverarbeitungsprogramm, Einführung in das Internet oder E-Mails schreiben und empfangen. Nur die Schüler strahlen Sicherheit und Ruhe aus. Sie sind es, die gleich in die Rolle des Lehrers schlüpfen und den Senioren mit ihrem erstaunlichen Wissen die Welt des Computers und Internets eröffnen werden.

Während die Zweit- und Drittklässler ihre Senioren an die Hand nehmen und in Kleinstgruppen sich einen Arbeitsplatz suchen, erklären Berschauer und Schulleiter Matthias Wraga, was am ersten Kursnachmittag gelaufen ist – das Bedienen des Computers, das Abschreiben eines Textes mit dem Word-Programm und erste Rechercheschritte mit einer Suchmaschine im Internet. Wir spielen dann bei einzelnen Gruppen Mäuschen.

Nachhilfe

Der neunjährige Marcel Geers ist gerade dabei, seiner 65-jährigen Oma Waltraud Perk zu erläutern, wie ein Fragezeichen anstatt eines „ß“ am Satzende gesetzt wird. Auf die Frage, wie viel Kenntnisse seine Oma in den Kurs einbringe, weicht er aus: „Oma ist lieb“. Nach einer Denkpause meint er vorsichtig: „So ́n ganz bisschen Ahnung. Sie wusste, wie man die Maus bewegt“.

Waltraud Perk nimmt ihrem Enkel die Zurückhaltung. „Ich bin hier, weil ich keine Ahnung vom Computer habe“, sagt sie. Sie wolle weiter Nachhilfe zu Hause von ihrem Enkel, der auch gleich zusagt. „Nicht auszuschließen, dass wir uns jetzt einen Computer kaufen“, hat sie einen kleine Hintergedanken. „Dann ist Marcel noch häufiger als jetzt bei uns“, teilt sie ihrem Mann Hermann Perk mit, der vom achtjährigen Leon Keuter geschult wird.

Zwei Stunden reichen nicht

Leon bescheinigt seinem Senior großen Lerneifer und lobt ihn. „Mit meiner Hilfe kriegt er das hin, dass die E-Mail an Frau Berschauer verschickt wird.“ Und Perk klopft seinem „Lehrer“ auf die Schulter. „Es macht Spaß, aber zwei Stunden reichen nicht, damit ich mit dem Ding umgehen kann.“

Platzwechsel: Mit viel Liebe und Geduld erklärt der neunjährige Milan Ficker seiner 71-jährigen Oma Maria Ficker, wie man einen Rechner startet, wie man ins Internet kommt, wie man mit einer Suchmaschine arbeitet. „Oma hat bis hier noch nie an einem Computer gesessen.“ Maria Ficker gibt ehrlich zu: „Es ist schwer, da reinzukommen. Was man da alles drücken muss.“ Gemeinsam mit ihrem Enkel schafft sie es.

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Ein bisschen mehr Kenntnisse hat da schon ihr 76-jähriger Mann Johann. Der besitzt nämlich einen Laptop, mit dem er aber nur im Internet surft. Da sucht er Ersatzteile für seine Oldtimersammlung. Deshalb braucht Tim Chastinet ihm auch nicht alles von Anfang an erzählen. „Herr Ficker hat schon ein bisschen Ahnung vom Computer.“ Auf jeden Fall ist er auf den Geschmack gekommen und will sich doch mehr mit der neuen Technik beschäftigen.

Das hat auch die 68-jährige Annemarie Suren vor, die von ihrem erst siebenjährigen Enkel Jonathan Hinrichs aus dem zweiten Schuljahr in die Welt des PC eingeführt wird. Auch Jonathan beweist große Geduld im Umgang mit seiner „Schülerin“. „Erst hatte Oma nicht so richtig Ahnung, aber jetzt ist es schon viel besser“, lobt er, um seiner Großmutter gleich noch einmal genau zu zeigen, wie man Buchstaben mittels der Hochstelltaste großschreiben kann. „Beim E-Mail schreiben hat sie noch Probleme, aber das biege ich in einer Nachhilfestunde bei ihr schon noch hin.“

Geschenke für Schüler und Lehrer

Die Oma ist wenigstens ganz optimistisch. „Ich glaube jetzt doch, dass ich mir so ein Ding, einen Computer oder einen Laptop, anschaffe“. Auf jeden Fall will sie wieder mitmachen, wenn die Schüler der Grundschule Süd-Hümmling erneut zu einem Computerkurs einladen. „Ich staune nur noch, was die Zweitklässler in der Computerhandhabung schon drauf haben.“

Annemarie Suren hat Glück, im Kurs wird sie auch von einem weiteren Enkel betreut, von dem achtjährigen Henrik Suren-Schmits, der eine große Achtung vor seiner Oma hat. „Die kann sogar Whatsapp mit ihrem Handy“. Henrik und Jonathan werden ab sofort Oma zu Hause weiter schulen.

Der Grundstock zum Eintritt in die digitale Welt ist gelegt. Die Senioren erhalten zum Abschluss von Wraga und Berschauer ein Zertifikat, das ihnen erste PC-Kenntnisse bestätigt. Zur Belohnung gibt es für die „Lehrer“ je einen USB-Stick und für die „Schüler“ einen Kugelschreiber von der Kreissparkasse, die das Projekt finanziell unterstützt.


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