Verein kritisiert Land SKM in Meppen stellt Beratung bei häuslicher Gewalt ein

Ärgern sich über die Einstellung der Beratung bei häuslicher Gewalt: (v. li.) Klaus Sojka, Hermann Abeln, Günter Göken, Arnold Esters, Heinz Kappel, Hans Berentzen und Werner Schmit. Foto: Daniel Gonzalez-TepperÄrgern sich über die Einstellung der Beratung bei häuslicher Gewalt: (v. li.) Klaus Sojka, Hermann Abeln, Günter Göken, Arnold Esters, Heinz Kappel, Hans Berentzen und Werner Schmit. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Meppen. Seit 2005 hat der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Emsland Mitte in Meppen sich um Täter gekümmert, die im Bereich häusliche Gewalt auffällig geworden sind. Das Angebot lief hervorragend, etwa 350 Männer wurden in den vergangenen elf Jahren durch ehrenamtliche Kräfte beraten. Trotzdem hat der Verein das Angebot zum Jahresende 2015 eingestellt.

„Das ist eine sehr bedauerliche Entwicklung, die Entscheidung haben wir alles andere als gerne getroffen“, sagen SKM-Geschäftsführer Arnold Esters und der Vorsitzende des Vereins, Günter Göken, mit einer Stimme. Die Schuld für die Entscheidung geben beide der niedersächsischen Landesregierung. „Hier wurde eine gute Einrichtung ohne Not kaputt gemacht“, sagt Göken. Besonders bedauerlich sei auch, dass mit der Einstellung des Angebots auch die Zusammenarbeit mit Schulen oder dem Präventionsrat bei der Beratung im Themenfeld häusliche Gewalt beendet wird.

Grund für eine stark rückläufige Tendenz bei den Beratungsgesprächen ist ein Erlass des niedersächsischen Innenministeriums vom 29. August 2013. Darin wurde den Polizeidienststellen verboten, Daten von Tätern an Einrichtungen wie dem SKM weiterzugeben. Nur noch an vom Land Niedersachsen geförderte (professionelle) Beratungsstellen dürfen seitdem Namen und Kontaktdaten von Personen, die zum Beispiel gewalttätig gegenüber Frauen geworden sind, gesendet werden.

„Seitdem hat sich bei uns die Zahl der Fälle mehr als halbiert“, berichtet Esters. Außerdem habe sich der Zugang zu den Tätern erheblich erschwert, weil den SKM oft nur noch Extremfälle erreichen, und das mit großer Verzögerung.

Zwei Jahre um Anerkennung gekämpft

Mehr als zwei Jahre hat sich der SKM um einen anerkannten Status bemüht. Doch weder über die Ministerien noch über die Politik war der Verein erfolgreich. „Dabei hätte eine symbolische Förderung von einem Euro gereicht. Wir wären bereit gewesen, die wegen der Ehrenamtler ohnehin schon sehr geringen Kosten als Verein selber zu tragen“, sagt Göken. Vor allem sei die schroffe und sehr knapp gehaltene Art, die den Verantwortlichen bei den Bemühungen entgegengebracht worden sei, enttäuschend gewesen. „Das hat zu einer Demotivation aller geführt“, so Esters.

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Dabei konnten die sechs Ehrenamtler sowie Esters und Göken bei einem Pressegespräch in den SKM-Räumen an der Margaretenstraße auf zahlreiche Erfolge in den vergangenen elf Jahren verweisen. „Wir konnten mit sehr kompetenten Helfern und Unterstützung aller Polizeidienststellen im Altkreis Meppen loslegen, was sich die gesamte Zeit nicht geändert hat“, sagt Geschäftsführer Esters. Ehemalige Polizeibeamte und Lehrer fanden sich unter den Ehrenamtlern genauso wieder wie Kaufleute. Als entscheidend beim Erfolg der Arbeit habe sich die schnelle Reaktionszeit erwiesen. „Weil uns die Polizei unmittelbar nach Anzeige der häuslichen Gewalt informiert hat und wir einen 24-stündigen Bereitschaftsdienst aufgebaut haben, konnten wir sofort loslegen“, erläutert Vereinsvorsitzender Göken.

Vermittlung in andere Hilfsangebote

Per Telefon, Brief oder persönlichem Besuch bot der SKM den Tätern, aber auch den Opfern, also meist Frauen und Kinder, Hilfe an. „Nicht selten ist uns eine große Dankbarkeit entgegengebracht worden. Dass die Menschen mit jemanden, der nicht von einer Justiz oder einem Amt stammt, sprechen konnten, war vielen bereits eine große Hilfe“, sagt Hermann Abeln, einer der Ehrenamtler.

Dabei kamen die Täter aus allen sozialen Schichten, vom Arzt bis zum Hartz-IV-Empfänger. Mehr als die Hälfte der Täter, die die Hilfe der SKM annahmen, ließ sich in weitere Hilfsangebote weitervermitteln, zum Beispiel Suchtberatung, Schuldnerhilfe, Unterstützung in Scheidungsfragen oder psychosoziale Behandlung. „Dieser ganzheitliche Absatz, den wir 2005 als einer der ersten in Deutschland angewendet haben und der mehrfach als mustergültig bezeichnet wurde, ist aber offensichtlich vom Land Niedersachsen nicht gewünscht“, stellt Arnold Esters fest.

Den Datenschutz gelte es zu respektieren, das sähen alle ein, dennoch hätte es nach Ansicht des SKM eine Lösung geben können. Man wäre in vielfältiger Hinsicht kompromissbereit gewesen, heißt es. Eine allgemeine soziale Beratung werde es auf Wunsch der Menschen natürlich weiterhin geben, betont Esters, nur eben nicht mehr die aufsuchende Sozialarbeit.

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