Professor im Emsland aufgewachsen SARS-Entdecker Christian Drosten in Meppen

Von Heiner Harnack



Meppen. Das neue Virus, das derzeit die Menschheit in Angst und Schrecken versetzt, heißt Zika. Fast gleichzeitig mit der Veröffentlichung über die Nachrichtenagenturen referierte der ehemalige Schüler des Meppener Gymnasiums Marianum, Prof. Dr. Christian Drosten, über Viren, deren Ausbreitung und die Gefahren.

Drosten gehört zu den Mitentdeckern des SARS-Virus im Jahre 2003 und konnte zusammen mit seinem Team einen diagnostischen Test entwickeln, der den Erreger nachweist. Neben einem weltweiten Renommee bekam der Forscher zwei Jahre später das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Leistungen überreicht.

In der übervollen Aula des Marianums lobte Schulleiter Leo Pott auch wegen der Unkompliziertheit den Wissenschaftler, der derzeit am Institut für Virologie der Uni-Klinik Bonn tätig ist, und schon den gesamten Tag der Schule zur Verfügung gestanden hatte. Er hielt den Vortrag bewusst locker, damit Wissenschaft erlebbar bleibt.

Drosten sagt sofort, dass er mit dem Vortrag die jungen Menschen, die sich noch in einer Findungsphase befänden, natürlich auch motivieren wolle, sich wissenschaftlichen Themen zuzuwenden. „Woher kommen neue Viren“, stellt er die Frage und zeigt auf, warum Krankheiten, wie Ebola sich in einigen afrikanischen Ländern derart ausbreiten könnten. „Es gibt dort keine niedergelassenen Ärzte und kaum Medizin.“

Börsenabstürze bei großen Epidemien

Dazu hätten die wenigen Mediziner und Pfleger die Krankenhäuser verlassen, als sie gemerkt hätten, dass für sie selbst ebenfalls eine Infektionsgefahr bestünde, so Drosten . Weiter kämen Börsenabstürze in der ganzen Welt, wenn große Epidemien wie SARS (Schweres akutes Atemwegssyndrom) oder auch eine Influenza aufträten. Ein nicht heilbares Virus sei die Tollwuterkrankung, die von Tieren wie Füchsen oder auch Hunden übertragen würden. „Nach sechs Wochen kommt es zu einer Entzündung des Gehirns und bei Zeigen des Symptoms stirbt der Patient“, machte Drosten auf die fatalen Folgen einer der grausamsten Infektionskrankheiten aufmerksam.

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Auch AIDS sei ursprünglich aus dem Tierreich gekommen und von den Schimpansen übertragen worden. Später hätte sich die Krankheit verselbstständigt, so Drosten weiter. Im Gegensatz zur Immunschwächekrankheit AIDS würde die Tollwut aber nicht von Mensch zu Mensch übertragen.

Genauso wie die Influenza-Viren, die ihre ursprünglichen Quellen im Tierreich haben. Die spanische Grippe in den Jahren 1918 bis 1920 habe geschätzte 25 Millionen Todesopfer gefordert und sei nicht mehr kontrollierbar gewesen, zeigt der Wissenschaftler die Grenzen des Machbaren bei einer Pandemie deutlich auf, da diese Viren auch durch die Luft übertragen würden. Damit seien deutlich mehr Menschen durch die Grippe ums Leben gekommen als während des Ersten Weltkriegs.

Seuchenalarm nach SARS-Entdeckung

Als SARS entstanden sei, habe die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Seuchenalarm ausgelöst. Unter anderem in Südchina seien pandemieartige Zustände entstanden. Nur drei Tage später sei ein Passagierflugzeug aus Singapur in Deutschland gelandet, und das Virus sei bei einem Mediziner festgestellt worden, der einen der ersten Patienten behandelte, ohne dies zu wissen. So seien große Tieransammlungen wie die von Wasservögeln oder Flughunden, die nicht mit Fledermäusen zu verwechseln seien, verantwortlich für das Entstehen und die Übertragung.

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„Überhaupt sind die Chancen bei der Massentierhaltung sehr groß, dass Viren zuschlagen, vor allen Dingen, wenn es sich um das Zusammensperren von Wildtieren in engen Sozialverbänden handelt“, sagte der Virologe, der zuerst Biotechnik und Chemie studiert hat und sich später entschloss, Humanmediziner zu werden. Besonders tritt Drosten für das Impfen gegen Masern ein, die man nicht ausrotten könne. Er sagt: „Es ist gefährlich, mit dem Impfen aufzuhören. Dann nehmen wir der Bevölkerung den Immunschutz.“


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