Hermann Liening im Porträt Ein Leben für Mensch und Natur

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Meppen. Den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, das war Hermann Liening immer wichtig. Vor einigen Wochen ist der Meppener Naturschützer 80 Jahre alt geworden und damit an einem Wendepunkt angekommen: Auf dem Naturlehrpfad hat er seine letzte von 300 Führungen absolviert. Ein Blick zurück.

Lienings Engagement für „Gottes schöne Schöpfung“ ist so vielfältig, dass man eigentlich davon ausgehen müsste, er habe für nichts anderes mehr Zeit gehabt in seinem Leben. Aber so war es nicht.

So hat er vor Jahrzehnten gemeinsam mit seiner 1995 verstorbenen Ehefrau Waltraud nicht nur der Natur, sondern auch vielen Menschen durchs Leben geholfen – unter anderem übernahm er die Vormundschaft für fünf Geschwister, die 1985 durch ein Unglück ihre Eltern verloren hatten. Und Lienings nahmen auch ein Waisenkind auf, das neben dem eigenen Sohn Ansgar aufwuchs. Diese Vorbemerkungen sind wichtig, denn sie führen zu einer Erkenntnis, die den Lehrer neben der Ehrfurcht vor allem Leben geleitet hat: „Naturschutz ist Menschenschutz“.

Ehrfurcht vor dem Leben

An Zufälle glaubt Liening nicht, eher an Fügung. So mag es auch gekommen sein, dass er als fünfter von acht Söhnen eines Wietmarschener Bauern nicht den vorgezeichneten Weg in eine handwerkliche Lehre, sondern zur Handelsschule ging. So konnte er der Mutter weiter im Haushalt helfen, was der ganzen Familie zugutekam.

Liening wurde Einzelhandelskaufmann und arbeitete sechs Jahre in diesem Beruf, ehe er mit 23 ein Lehramtsstudium in Vechta begann. „Ich hatte die Hoffnung, das schaffen zu können“, erinnert er sich. Und so kam es. Als Hauptfach wählte er Biologie – die Liebe zur Natur hatte er von den Eltern übernommen. Einige Jahre war er Lehrer in Meppen-Rühle, bevor er 1967 die Leitung der Grundschule Hemsen übernahm. 31 Jahre lang führte Liening die Schule, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 fehlte er nur einen Tag.

1998 bildete einen jener Wendepunkte in Lienings Leben – er legte damals den Nabu-Vorsitz nieder (um darauf zum Ehrenvorsitzenden ernannt zu werden), seine Vormundschaft für die Kinder endete, und er ging in Pension. So blieb Zeit, um mit dem befreundeten Harener Tierarzt und Naturfreund Erhard Nerger nach Alaska zu fliegen und die einmalige Natur zu genießen.

Naturschutzbilanz

Die Naturschutzbilanz bis zu diesem Zeitpunkt kann sich sehen lassen. So hatte Liening am 5. Juli 1978 nicht nur mit einigen Mitstreitern den Deutschen Bund für Vogelschutz im Altkreis Meppen gegründet – er wurde auch gleich Vorsitzender. In den 20 Jahren seines Wirkens erhöhte sich die Mitgliederzahl von 30 auf 728. In der Folgezeit nahm die Bedeutung des 1992 in Naturschutzbund Nabu umbenannten Vereins zu – und auch die Meppener Naturfreunde nahmen Einfluss.

So setzten Hermann Liening und seine damaligen Mitstreiter Anfang der 1980er-Jahre die Unterschutzstellung der Tinner Dose durch und bewahrten damit das letzte noch halbwegs lebende Hochmoor Mitteleuropas vor der Zerschneidung durch Brandschutzwege. „Hermann Liening hat dies mit dem Oberkreisdirektor Karl-Heinz Brümmer verhindert“, sagte der damalige Landrat Hermann Bröring im Jahr 2008.

Viele Ehrungen

Er überreichte Liening damals dafür das Bundesverdienstkreuz und damit nur eine von mehreren Ehrungen. Zahlreiche Urkunden schmücken die Wand seines Wohnzimmers, übrigens auch eine für die 40-jährige Mitgliedschaft in der CDU.

Und auch bei der Gestaltung des Biotops am Speicherbecken Geeste hatten der Nabu und damit Hermann Liening großen Einfluss. Sie sorgten dafür, dass ein 50 Hektar großes Paradies für Wasservögel entstehen konnte.

5000 Teilnehmer

Bis zu seiner letzten Führung Anfang Januar 2016 hat Hermann Liening stets Buch geführt über die Zahl der Teilnehmer und vor allem die beobachteten Tiere. 300-mal führte er Naturfreunde zu Fuß, mit dem Rad oder früher auch per Bus in die Natur – etwa 5000 Kinder und Erwachsene waren dabei. Immer waren die Führungen gewürzt mit einer Prise Humor, und stets gab es ein gemeinsames Mahl – „das Gemütliche verbindet“, sagt Hermann Liening.

Dass seine Arbeit eine Wirkung erzielt hat, glaubt er sehr wohl. „Global denken – lokal handeln. Was man im Kleinen tut, wirkt sich irgendwie auf die ganze Erde aus“, sagt er. Vor allem durch die vielen Veranstaltungen hat Liening immer wieder Mitstreiter gefunden, etwa Dietmar Niemann, mit dem er gemeinsam den Schutz des Steinkauzes vorantreibt. Dessen Bestand nahm von 2005 bis 2015 von einem auf 15 Brutpaare im Altkreis Meppen zu – dank 200 aufgehängter Brutröhren.

Weiter aktiv

Nun also hat er Schluss gemacht mit den Führungen und Radtouren – „die Knochen wollen einfach nicht mehr so“, sagt er. Aufs naturschützerische Altenteil begibt er sich deshalb aber nicht. Mit seiner Partnerin Leni Kösters fährt Liening bald wieder nach Israel, wo er sich schon seit Jahren an der Pflanzung eines Waldes beteiligt. Sein Naturgarten erfreut den Pädagogen Jahr um Jahr, und die Steinkäuze , die bleiben. Und stets wird Liening seinem Lebensmotto treu bleiben: „Für Mensch und Natur“.

Und wenn ihm doch einmal langweilig werden sollte, liest Liening weiter die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur. Derzeit ist er beim 79. Buch. „Hundert Jahre Einsamkeit“, von Gabriel García Márquez.


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