Landrat wirbt für Demokratie Flüchtlinge Thema beim KAB-Neujahrsempfang in Meppen

Von Heiner Harnack


Meppen. Die Katholische-Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) unterstützt Hilfsprojekte im In- und Ausland, mischt sich auch in politische Diskussionen ein und entwickelt Ideen für eine gerechte und soziale Gesellschaft. In den Reden während des Neujahrsempfangs im Gymnasium Marianum wurde deutlich, dass die demokratische Gesellschaft vor großen Herausforderungen in der Zukunft steht. Im Mittelpunkt stand ein Referat von Landrat Reinhard Winter, der zum aktiven Einbringen jeden Bürgers in die Demokratie aufforderte.

Zu Beginn zogen die Fahnenabordnungen der KAB feierlich in den Gottesdienst in der Klosterkapelle ein, wo Pfarrer Krallmann aus Fürstenau die Gläubigen aufforderte, sich zu versöhnen und nicht weiter zur Spaltung der Gesellschaft beizutragen. Der Geistliche stellte die Frage, die sich jeder stellen solle - wie kann man helfen?Deutliche Kritik äußerte er in Richtung Politik, deren Vertreter sich zu häufig fragen würden, wie man die nächste Wahl gewinnen kann.

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Bezirksvorsitzende Claudia Burrichter resümierte das vergangene Jahr, in dem die KAB deutlich gegen die Pegida-Bewegung und zu den TTIP-Verhandlungen Stellung bezogen hatte. Auch bei der Arbeitsgerichtsverhandlung zwischen der Meyer-Werft und dem Betriebsratsvorsitzenden habe man deutlich für letzteren Stellung bezogen. „Wir wollen gestärkt in die Zukunft gehen“, zeigte sich Burrichter kämpferisch und gab der Hoffnung Ausdruck, eine neu erstarkte Bewegung aufzubauen.

Nach den Grußworten von Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein, der die Leistungen der KAB in den vergangenen Jahren hervorhob, sagte Landrat Reinhard Winter, wie wichtig es sei, sich aktiv wie passiv an den nächsten Kommunalwahlen zu beteiligen. „Die Flüchtlingskrise erweist sich als Bewährungsprobe für die Demokratie, aber auch für Europa“, so der Verwaltungschef.

Landrat wirbt für Wahlrecht und Rolle der Lokalpolitiker

Natürlich seien die Bürger derzeit auch verunsichert, aber die schlechteste Lösung sei die, sich zu verweigern. „Jeder Bürger kann mit seiner Stimme selbst bestimmen, in was für einer Welt er leben möchte.“ Bei den Kommunalwahlen könne jeder unmittelbar beeinflussen, was vor der Haustür passiere, so Winter weiter. Das Wahlrecht sei ein Luxus, den mancher als selbstverständlich erachte und oftmals nicht zu schätzen wisse.

„Das politische Ehrenamt ist mit einer großen Verantwortung für die Entwicklung des Landkreises und seiner Kommunen verbunden“, betonte Winter auch die Rolle der Lokalpolitiker. Er machte deutlich, dass es zu einfach sei, schnell auf die Volksvertreter zu schimpfen, wenn es mal nicht so liefe, wie einer glaube, dass dies der Fall sein müsse.

Sachlicher Dialog nützt

„Der Dialog, der an der Sache orientiert ist, hat uns vorwärts gebracht“, mahnte Winter. Das Erreichte im Landkreis sei von der breiten Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen abhängig; die wirtschaftliche Prosperität dürfe nicht aus den Augen verloren werden.

An einigen Beispielen, wie dem Ausbau der Hochschule Lingen, der energetischen Sanierung vieler Schulen, der Krankenhausförderung, den kreisweit 25 Familienzentren oder dem Ausbau der Krippenplätze, machte Winter die Eckpunkte der „Erfolgsgeschichte“ deutlich.

Winter enttäuscht über Verweigerung

Dagegen sei er von einigen Partnern in Europa enttäuscht, vor allem wenn es um die Bewältigung der jetzigen Flüchtlingskrise geht. „Das ist nicht immer ein Aushängeschild, was da auch in Ländern abläuft, zu denen wir über Partnerschaften gute Verbindungen haben“, sagte Winter und fügte hinzu: „Wer sich in einer solchen Situation grundsätzlich weigert, zu helfen, der sollte sich schon fragen, wo er steht. Auch was die Leute betrifft, die jeden Tag das Wort Gottes im Munde haben.“

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Es gebe Nachbarstaaten, die bei jeder Gelegenheit die Zusammenarbeit betonen, die sich aber weigern würden Menschen aufzunehmen. „Unser kleines Emsland hat mehr aufgenommen als ganze Staaten. Damit aber auch so etwas, wie kürzlich in Köln nicht wieder passiert, müssen wir unsere jungen Leute früh einbinden und zeigen, dass man Streitereien immer unter demokratischen Spielregeln austrägt, nicht aber mit dem Baseballschläger“, betonte Winter abschließend.


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