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In Falle getappt Junger Wolf streift durchs Emsland - Videoclip als Beweis


Meppen. Ein Wolf ist im Emsland in eine Falle getappt – in eine Fotofalle. Knapp drei Sekunden Video belegen die vermutlich erste Anwesenheit eines Wolfes im Emsland seit mehr als 150 Jahren und beenden Spekulationen, die sich seit Freitag um das Tier gerankt hatten.

Am 31. März, also vor gut zwei Wochen, war das Tier in eine Fotofalle des Bundesforstbetriebs Niedersachsen gelaufen, wie Klaus Pfennig, Forstdirektor des Betriebsbereiches Meppen, am Montagnachmittag auf Anfrage mitteilte. Mit den Fotofallen überprüfen die Forstleute in ihrem 10000 Hektar großen Revier auf der Wehrtechnischen Dienststelle in Meppen (WTD 91), wie sich die Wildbestände auf dem riesigen Gelände entwickeln, das zur Erprobung von Kriegsgerät und Munition genutzt wird.

„Wir haben bisher immer wieder Marderhunde oder Waschbären gefilmt“, sagt Klaus Pfennig. „Aber der Wolf ist natürlich eine Sensation.“ Das kurze Video entstand nachts – die Fotofallen arbeiten mit Infrarotlicht und werden an potenziellen Wildwechseln befestigt. Läuft ein Tier vorbei, lösen Bewegungssensoren die Kamera aus, und Schwarzweißbilder entstehen.

So war es auch beim vermutlich ersten Wolf der WTD 91, die Sequenz ist kurz, und für den Laien ginge das gezeigte Tier vielleicht auch als Schäferhund durch. „Aber Fachleute haben das überprüft“, sagt Klaus Pfennig. „Es ist eindeutig ein Wolf.“

Das bestätigte auch das Umweltministerium in Hannover am Montagnachmittag und sprach vom ersten Wolfsnachweis im westlichen Niedersachsen seit der Wiederausbreitung der Tiere. Damit lebten nun zehn Wölfe in Niedersachsen, die meisten davon im Osten.

Auch Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, ist sich sicher, dass im Emsland ein „vermutlich junger Wolf“ zumindest durchgezogen und auf dem Video zu sehen ist. „Der Sattelfleck, die Rute und der Kopf sind eindeutige Beweise“, sagt sie. Ob sich das Tier auch jetzt noch im mittleren Emsland aufhält, weiß niemand sicher, wenngleich es Hinweise darauf gibt.

Der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, der Lingener Landwirt Josef Schröer, hatte am Freitag nach ersten Hinweisen auf das Auftauchen eines Wolfes gesagt: „Der Wolf kehrt auf natürlichem Weg zurück, und wir als Jägerschaft begleiten das.“ Klaus Pfennig vom Bundesforst sieht das ähnlich: „Wir freuen uns über den Wolf und werden seine Entwicklung positiv begleiten.“

Tatsächlich hatte es bis vor rund 160 Jahren Wölfe im Emsland gegeben. Etwa um 1850 soll in Gersten bei Lingen das letzte Rudel erlegt worden sein. Auf der WTD 91 hätten Wölfe nach Einschätzung von Klaus Pfennig durchaus genügend Lebensraum und Nahrung. Neben 3600 Hektar Wald bietet sie mit der Tinner Dose mehr als 3000 Hektar unzugängliches Moor und Heide.


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