Bürgerbeteiligung „eine Farce“ Bokeloher kritisieren neue Pläne für E 233-Ausbau

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. In einem offenen Brief informieren sechs Bürger um Ortsvorsteher Hubert Kruse die Bokeloher Bürger über die neuesten Planungen zur Europastraße 233 zwischen Meppen und Haselünne. Darin heißt es: „Mit großer Enttäuschung müssen wir feststellen, dass sämtliche Einwände und Vorschläge der Bokeloher keine Berücksichtigung finden und die bisherige Bürgerbeteiligung sich als eine Farce darstellt.“

Dabei geht es um den vierspurigen Ausbau der Europastraße 233 und hier konkret um den Streckenabschnitt im Meppener Ortsteil Bokeloh. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren fanden Gespräche zwischen den Bokelohern und dem Landkreis Emsland als Planungsbehörde statt. Damals einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Landrat Reinhard Winter hoffte sogar 2013 damit, ein „angenähertes Optimum für die Bürger erreicht zu haben“.

Die E 233 sollte demnach, von der Bundesstraße 70 bei Meppen kommend, in Bokeloh tiefer gelegt werden. Die Landesstraße 62 in Richtung Apeldon sollte mit einer Brücke über die E 233 geführt werden. Das ist jetzt alles über den Haufen geworfen worden. So soll jetzt im Gegenteil die Europastraße in Hochlage gebaut werden und über die Landesstraße führen.

Hochlage bedeutet mehr Lärm fürs Dorf

Die Bokeloher können das Umschwenken des Landkreises nicht verstehen: „Eine Hochlage trägt eindeutig den Lärm weiter hinaus und damit auch weiter ins Dorf hinein.“ Die E 233 werde auf einem Damm sechs bis sieben Meter über Geländeniveau gebaut. Mit einem zusätzlichen Lärmschutzwall von weiteren sechs bis sieben Meter ergebe sich eine Gesamthöhe von 14 Metern. Dazu heißt es in dem offenen Brief: „Dieses riesige Bauwerk zerschneidet Bokeloh.“ Hinzu komme eine Verlagerung der Trasse in südliche Richtung. Sie liege damit nur noch 50 Metern von der Wohnsiedlung entfernt.

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Die Kritik der Dorfbewohner richte sich zudem gegen eine neue Anbindung der alten Trasse der B 402 (E 233) an die Römerstraße (Dorfstraße). Diese neue Anbindung führe zu enormen Lärmbelästigungen, da der gesamte Lkw-Verkehr zum Hümmling (u.a. zum Schlachthof Sögel) über diese Anbindung in Richtung L 61 (Apeldorn) fahren müsse. „Die Lastwagen müssen damit direkt an der Grenze zum Dorf stark abbremsen oder wieder anfahren“; sagte Rolf Dünker. Beides sorge für zusätzliche Lärm- und Feinstaubemissionen.

Variante 2012 noch ausgeschlossen

Für die Bokeloher ist die Kehrtwende des Landkreises auch deshalb völlig unverständlich, weil die Kreisverwaltung selbst auf einer Informationsveranstaltung am 20. September 2012 diese Variante noch wegen der angeführten Nachteile ausschloss.

Wie Ortsvorsteher Kruse sagte, sei Ursache des Umdenkens der Kreisverwaltung die neue Lärmschutzrichtlinie (RAL) für Landesstraßen. Kruse hält dies jedoch für kein so entscheidendes Argument. Sein Mitstreiter Rolf Dünker weist zugleich darauf hin: „Wir sind jederzeit gesprächsbereit.“ Ortsvorsteher Kruse fordert indes die Kreisverwaltung auf, die Bokeloher Bürger im Rahmen einer Informationsveranstaltung über den aktuellen Planungsstand aufzuklären.