Albumdebüt Anfang 2014 Twister Indierock-Anheizer Razz machen hellhörig

Twist. Im Sommer der Festivals gönnen sich Razz nur kurze Verschnaufpausen. Ein paar Tage ließ die Indierockband Instrumente und Verstärker im heimischen Schöninghsdorf ruhen. Nun legt sie wieder los. Am Freitag bei Freakstock, am Samstag bei Rocken am Brocken. Und wenn der Festival-Marathon im Herbst zu Ende ist, wird das Studio zum zweiten Zuhause. Anfang 2014 soll das erste Album erscheinen.

Die Touren zu den Freiluft-Events in der ganzen Republik beanspruchen fast die kompletten Sommerferien, denn die vier Bandmitglieder sind erst zwischen 16 und 18 Jahre alt und gehen alle noch zur Schule. Das Tourleben mit schweißtreibenden Auftritten bei teils brütender Hitze fordert den Emsländern hier und da einiges an Energie ab.

Kämen sie sonntags nach Hause, stehe ihnen nur der Sinn nach einer Dusche und einem bequemen Bett, erzählt Schlagzeuger Steffen Pott. Mittwochs hätten sie dann wieder Lust aufzutreten. „Und donnerstags kann man‘s kaum erwarten“, sagt Leadgitarrist Christian Knippen, um grinsend zu ergänzen: „Freitags kommt dann die Ernüchterung, wenn wir drei Stunden im Bus auf der Autobahn unterwegs sind.“

Bei den Festivals selbst ist es für die Gruppe nichts Ungewöhnliches mehr, mit Kollegen von Fall Out Boy oder Millencolin zu plaudern. „Auch mit den Besuchern reden wir viel“, sagt Steffen. Aus dem Publikum erreichen sie immer öfter Autogrammwünsche. Der Zuspruch wächst: Bei Facebook recken sich fast 4700 Daumen für Razz , um es in der Zuckerberg-Währung zu beziffern.

Das Quartett aus dem Grenzland hat einen Kickstart hingelegt. Zwischen den ersten Gigs im Umkreis und dem Antreten bei Festivals der namhafteren Kategorie ist gerade ein Jahr verstrichen. Im Mai 2012 ließen sie noch bei Rock unter Linden in Meppen aufhorchen, im Juni 2013 sang bereits eine deutlich größere Menge beim Lingener Abifestival den Refrain von „Youth And Enjoyment“ mit. Ebenfalls im Juni tourten Razz als Anheizer für den britischen Singer-Songwriter Alex Clare von Konzerthalle zu Konzerthalle.

Am vergangenen Wochenende, beim Greenville-Festival in Berlin, spielten sie dann in Nachbarschaft von Branchengrößen wie Nick Cave and the Bad Seeds oder dem Wu-Tang Clan. Auch der Kulturkanal Arte wurde hellhörig, bat Razz zum Interview und zeigte ihren Gig live im Netz.

All das riecht nach Ruhm, doch die Jungs bleiben entspannt. In ihren Fokus rückt nun allmählich die Arbeit am Debütalbum. „Wir sind im Gespräch mit mehreren Produzenten“, verrät Steffen. In den Herbstferien stehen Demo-Aufnahmen an, bei denen sich herauskristallisieren soll, wo und mit wessen Hilfe Razz den Longplayer schmieden werden. Ungefähr ein Dutzend Songs, mit denen sie auch die Festival-Sets bestreiten, haben sie parat. Der eine oder andere könnte noch hinzukommen. Spätestens im Februar, sagen Steffen und Christian, soll das Album erscheinen.

Ende 2012 fand die Band zu dem Sound, für den sie gegenwärtig steht. Die vom Garagerock der 60er geprägten frühen Stücke wurden eingemottet oder, wie im Fall von „Don‘t Be Fool“ und „Up To You“, dem neuen Stil angepasst: flott daherjagender Indierock, irgendwo zwischen Bloc Party, Interpol, Two Door Cinema Club und den ganz frühen U2. Und über den Gitarren-Kaskaden die raspelige Stimme von Leadsänger Niklas Keiser als markantestes Element.

Ehe es ins Studio geht, wartet noch ein Highlight auf die Gruppe: das Festival Rüt‘n‘Rock in Haren am
9. und 10. August, für das sie kurzfristig nachrücken durften. „Darüber haben wir uns mega gefreut“, sagt Christian. Nicht nur wegen der Location fast vor der Haustür und dem Heimspiel-Charakter à la Abifestival. Sondern auch wegen der schottischen Indie-Band We Were Promised Jetpacks. „Wir wollten sie unbedingt mal live sehen.“ Bei aller Begeisterung, die sie erfahren, sind Razz auch selbst noch Fans.


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