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6,5 Millionen Euro Fördergeld Emsland: Naturpark Moor soll attraktiver werden

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 03.02.2016, 13:06 Uhr

Der Internationale Naturpark Bourtanger Moor - Bargerveen (INP) wird weiter ausgebaut und soll in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden – und das auf beiden Seiten der Grenze. Für das jetzt gestartete Projekt „Grenzenlos Moor“ konnte der INP 6,5 Millionen Euro Fördermittel einwerben. Zum offiziellen Start konnten Naturpark-Geschäftsführer Uwe Carli und Landrat Reinhard Winter rund 120 deutsche und niederländische Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft im Saal des Hotel Hagen in Haren begrüßen.

Insgesamt 15 Einzelmaßnahmen gehören zum Projekt „Grenzenlos Moor“, die bis Ende 2018 umgesetzt werden und den Naturpark zu einem gemeinsamen Natur-, Erlebnis-, Lebens- und Wirtschaftsraum weiterentwickeln soll. Größer Brocken mit rund vier Millionen Euro Kosten ist eine Renaturierung (Vernässung) auf niederländischer Seite. Zwischen Zwartemeer und Weiteveen sollen auf einer etwa 60 Hektar großen Fläche zwei künstliche Seen angelegt werden. „Sie sollen bei der Regulierung des Grundwassers helfen, aber auch bei der Wasserdruck für die Hochmoore erhöhen“, erklärte Bert van Guldener von der Firma Prolander, die von der Provinz Drenthe mit der Planung und Umsetzung der Maßnahme beauftragt wurde.

Zur Renaturierung gehört auch ein großer Stall, in dem bis zu 1000 Schafe und 100 Kühe unterkommen können. Sie sollen dafür sorgen, dass eine riesige Heidefläche entsteht, indem sie das Wachstum von Büschen und Bäumen verhindern. Ein 18 Kilometer langer Radweg, 1,5 davon auf deutscher Seite, und ein Erholungspunkt soll den Bereich auch für Touristen interessant machen.

Hochwasserschutz für Twist

Außerdem gehört eine neue Hochwasserschutz- und Entwässerungsplanung für die Gemeinde Twist zum Förderpaket. Deren Fläche liegt, bedingt vornehmlich durch Torfabbau und extensiver Landwirtschaft, drei bis fünf Meter unter den benachbarten Niederlanden, erläuterte Martin Müller, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung in Twist. „Die Höheninformationen in den vorhandenen Karten entsprechen nicht den realen Geländehöhen“, sagte Müller, der den erkrankten Bürgermeister Ernst Schmitz vertrat. Voran getrieben soll mit dem Fördergeld die Planung für eine Absenkung des Nord-Süd-Kanals und den Bau eines Sperrwerks im Übergang zur Gemeinde Wietmarschen.

Neben diesen beiden Gemeinden werden auf deutscher Seite auch die Städte Haren, Meppen und Geeste erheblich vom neuen Fördergeld profitieren. 1,85 Millionen Euro stehen bereit, um die Attraktivität des Naturparks zu erhöhen. So entsteht in Haren-Wesuwe auf einer alten Hofstelle ein deutsch-niederländisches Bienenzentrum samt begehbaren Lernbienenstand, grünes Klassenzimmer mit Kräutergarten, Bienen-Leistungsprüfstand, Feuchtbiotop, historische Bienenkörben, Kinderspielplatz und Streuobstwiese (Kosten: 265.000 Euro). „Bienen haben eine große Relevanz für Moorgebiete“, sagte INP-Geschäftsführer Uwe Carli. Im Emsland-Moormuseum in Groß Hesepe soll ein zweisprachiges Wegeleitsystem die Besucher besser über das rund 30 Hektar große Gelände leiten (Kosten: Rund 100.000 Euro).

Anbau am Erdöl-Museum in Twist

Gut die Hälfte der Gesamtkosten in Höhe von 720.000 Euro für eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Ems in Meppen (80 Meter lang und 2,50 Meter breit) können aus dem Fördertopf gestemmt werden. Für rund 350.000 Euro erhält das Erdöl-Erdgas-Museum in Twist einen Anbau in Form eines großen Tanks , in der eine sogenannte Quiturplexpumpe (Ölpumpe) ausgestellt wird und eine Fachbibliothek eingerichtet wird. Ein neuer geländegängiger Planwagen soll vor allem Rollstuhlfahrern und älteren Menschen die Besichtigung der Moorflächen erleichtern (Kosten rund 55.000 Euro).

Und gleich alle beteiligten Kommunen profitieren von einem neuen Knotenpunktsystem nach dem Vorbild der niederländischen „Fiets Knotenpunkte“, das Radfahrer, aber auch Wanderer, die Orientierung im Naturpark Moor erleichtern und die Identifikation mit dem Naturpark erhöhen soll. Dazu gehören auch neue „Willkommensschilder“, die an möglichst allen Ortseingängen und großen Zufahrtsstraßen aufgestellt werden sollen (Gesamtkosten rund 600.000 Euro). „Wir wollen mit den Maßnahmen präsenter werden, bei Besuchern, aber auch Bewohnern der Region. Wir wollen in beiden Ländern die Zahl der Gäste des Naturparks und der Einrichtungen um 25 Prozent steigern“, nannte Carli das ehrgeizige Ziel des Programms „Grenzenlos Moor“.

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