Normalen Umgang lernen Projekte des Marianums und Jakob-Muth-Schule in Meppen

Von Heiner Harnack

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Die Schülerinnen Kim Gören (links), Lisa Bookschulte und Lara Munsch (Zweite und Dritte von rechts) planen und basteln mit den Schülern der Jakob-Muth-Schule den letzten Teil des Adventskalenders. Foto: Heiner HarnackDie Schülerinnen Kim Gören (links), Lisa Bookschulte und Lara Munsch (Zweite und Dritte von rechts) planen und basteln mit den Schülern der Jakob-Muth-Schule den letzten Teil des Adventskalenders. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Schüler mit und ohne Behinderung vom Gymnasium Marianum und der Jakob-Muth-Schule zeigen bei gemeinsamen Projekten wie nicht nur gut zusammengearbeitet, sondern auch voneinander gelernt werden kann. Ein Besuch.

„Menschen mit Behinderungen - lieber miteinander als nebeneinander“, heißt das Seminarfach, das im Gymnasium Marianum überwiegend Schülerinnen belegen. Laut Lehrer Christoph Migura geht es dabei um Projekte, die über sechs Wochen jeweils in Doppelstunden erarbeitet werden. Sowohl im Marianum als auch in der benachbarten Jakob-Muth-Schule treffen sich die Schüler daraufhin regelmäßig für ihre gemeinsamen Aktivitäten.

Zwölftklässlerin Kim Gören erklärt, dass sie und ihre Mitschüler sich mehrere Einzelprojekte ausgedacht hatten, die sie mit den Schülern der Nachbarschule durchführen könnten. „Wir haben uns für diese Gruppe das Basteln eines Adventskalenders überlegt und haben dazu Formen, die wir befüllen können in den letzten vier Wochen hergestellt“, sagt die engagierte Schülerin, die nach dem Abitur Kommunikationswissenschaften studieren möchte.

Basteln und backen

Die Schüler Kevin, Miguel und Mark von der Jakob-Muth-Schule helfen während des Gesprächs fleißig, die Bastelarbeiten voranzutreiben. „Insgesamt basteln wir hier für 22 Schüler, die dann Rezepte, Süßigkeiten und Gedichte in den Kalendern finden“, erzählt die engagierte Schülerin weiter.

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Eine weitere Schülergruppe beantwortet fleißig Quizfragen, während sie Waffeln backt. Das Miteinander wirkt auch hier völlig entspannt. Thomas Hegge und Thomas Hoveling, Lehrer der Jakob-Muth-Schule, betonen, dass man sich bei diesen Projekten auf Augenhöhe begegnen wolle. „Wir wollen nicht, dass man etwas für unsere Schüler macht. Es soll gemeinsam entstehen“, sagt Hoveling.

Normaler Umgang

„Wir stellen fest, dass die Hemmschwelle der Begegnung auf beiden Seiten immer niedriger geworden ist und der Umgang immer normaler wird“, so der Pädagoge weiter. Er und sein Kollege sagen, sie freuen sich, dieses erzielte Ergebnis feststellen zu können. Marianum-Vertreter Christoph Migura stimmt zu und berichtet von Spaß, Freude und guten Resultaten. „Im sozialen Bereich sind wir beide auf Augenhöhe, was alle zu schätzen wissen“, sagt der Gymnasiallehrer.

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Jedoch sei Vieles über die Jahre gewachsen und man dürfe sich nicht den Illusionen hingeben, dass die Schulen das gesamte Jahr über auf diese Art kooperieren könnten. „Projektweise mit einem sichtbaren Ziel etwas machen, das man nicht zu hoch stecken darf, um etwas gemeinsam zu erreichen“, formuliert Migura die These der Zusammenarbeit beider Schulen.

Signal zum Zusammenhalt der Gesellschaft

Währenddessen führen in der Aula des Gymnasiums eine Gruppe junger Frauen gemeinsame Tanzübungen durch. Umsichtig warnt der Deutschlehrer, dass zwei Schülerinnen der Jakob-Muth-Schule etwas ängstlich reagieren könnten, wenn Fremde zuschauen.

Dass die gemeinsamen Aktivitäten Früchte tragen, zeigen die Reaktionen der Schüler. Die engagierten Marianum-Schülerinnen tanzen zu Popmusik mit ihren Gästen von der Nachbarschule und kommen völlig frei und ungezwungen mit den Besuchern ins Gespräch. Beide Schulen zeigen somit beispielhaft, wie ein Miteinander, ungeachtet persönlicher Einschränkungen, funktionieren kann.


Inklusion:

Inklusion soll Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Bereichen des täglichen Lebens zusammenführen. In der UN-Behindertenrechtskonvention garantieren die Vertragsstaaten ein Bildungssystem, das auf allen Ebenen integrativ ist und ein lebenslanges Lernen ermöglicht.

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