Hilfe für Flüchtlingskinder Kinderschutzbund Meppen lehrt Umgang mit Traumata

Von Iris Kroehnert

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Flüchtlingskinder in Meppen spielen vergnügt. Archivfoto: Carola AlgeFlüchtlingskinder in Meppen spielen vergnügt. Archivfoto: Carola Alge

Meppen. Die aktuelle Flüchtlingssituation stellt auch im Emsland Helfer und Ehrenamtliche vor ungewohnte Situationen und Herausforderungen. Oftmals sind gerade Kinder und Jugendliche in den Flüchtlingsfamilien traumatisiert. Der Deutsche Kinderschutzbund Ortsverband Emsland-Mitte hat jetzt ein Konzept entwickelt, um den Helfern und damit mittelbar auch betroffenen Kindern und Jugendlichen Unterstützung beim Umgang mit Traumata zu gewähren.

Manfred Jürgens ist seit fast 20 Jahren als Psychologe in der Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes in Meppen tätig. Er sagt: „Traumaerfahrungen können vielfältige und nicht immer sofort richtig zuzuordnende Auswirkungen auf das soziale Verhalten von Kinder haben.“ Neben psychischen Auffälligkeiten könnten sich auch psychosomatische Beschwerden, wie beispielsweise Essstörungen, Müdigkeit oder Magen- und Darmprobleme einstellen.

Pädagogische Fachkräfte, aber auch Helfer und Ehrenamtliche, sollten besonders aufmerksam sein, sensibel reagieren und sie sollten Unterstützung bei der Vermittlung von professioneller Hilfe leisten. Dies sei gar nicht so einfach, denn, so erläutert Jürgens, „die Familien in einem fremden Land sind zunächst sprach- und hilflos.“ Vieles sei anders und ungewohnt. „Dinge, die für uns alltäglich sind, müssen von den Flüchtlingen neu erlernt werden“, sagt Jürgen.

Interkulturelle Kompetenzen stärken

Dass die professionelle Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder auch im Emsland noch auf Barrieren stößt, zum Beispiel im Hinblick auf muttersprachliche, kulturelle, religiöse und auch rechtliche Aspekte, steht für Bernd Kuckuck, Vorsitzender des Kinderschutzbundes, außer Frage. Fehlende Sprachkenntnisse seien häufig die größte Barriere. Doch auch interkulturelle Kompetenzen müssten als hilfreich angesehen werden, um Helfern einen Zugang zu traumatisierten Flüchtlingskindern zu gewähren.

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Zusammen mit der Diakonie, dem Sozialdienst für katholische Männer (SkM), der Volkshochschule, dem Fachbereich Gesundheit beim Landkreis Emsland und der Stadt Meppen hat nun der Kinderschutzbund das Angebot einer Beratung für Fachkräfte in der Flüchtlingshilfe entwickelt. „Wir möchten ehrenamtliche Helfer ansprechen, aber auch Erzieher und Lehrer“, sagt Jürgens. Im kommenden Februar starten bereits die ersten drei Termine mit entsprechenden Fortbildungen.

Trauma kein neues Thema

„Gefordert im Umgang mit Flüchtlingen sind Respekt, Gelassenheit, Offenheit, aber auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion“, führt Jürgen auf. Auch wären Kompetenzen im Umgang mit spezifischen Verhaltensweisen, die aus einem traumatischen Erlebnis resultieren können, wichtig. Jedoch gehe es im Moment erst einmal darum, grundlegende Hilfe zu leisten und Kompetenzen im Bereich der Interkulturalität zu erlangen. Genau hier möchte das Konzept anknüpfen.

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„Fortbildungen im Bereich Trauma sind bereits seit mehreren Jahren in unseren Aufgaben verankert“, unterstreicht Jürgens, doch es sei wichtig, alle Akteure im Bereich der Flüchtlingsarbeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Auf diese Weise würden traumatisierte Kinder in Flüchtlingsfamilien eine mittelbare Hilfe erfahren.Jürgens räumt ein, dass eine direkte Hilfe für die Betroffenen schwierig sei. „In der Traumatherapie kommt es darauf an, beim Kind das Vertrauen in eine grundsätzliche innere und äußere Sicherheit sowie die Bedeutsamkeit, Gestaltbarkeit und Verstehbarkeit des eigenen Lebens wieder herzustellen“, sagt er.

Sprache als Schlüssel

Bei der Erlangung von Vertrauen und bei der Durchführung der Traumatherapie würde die Sprache eine Schlüsselrolle spielen. „Wir bräuchten also sehr gute Dolmetscher“, erklärt Jürgens. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass das Asylbewerberleistungsgesetz lediglich eingeschränkte Gesundheitsleistungen bei laufenden Asylverfahren vorsieht. „Hier droht unter Umständen ein langwieriges Verfahren, um eine Psychotherapie und gegebenenfalls die dafür erforderlichen Dolmetscherkosten vom Sozialamt bewilligt zu bekommen“, zeigt Jürgens auf.


Deutscher Kinderschutzbund, Ortsverband Emsland-Mitte

Emsstr. 1-3, 49716 Meppen, Tel. 05931/876580, Email: dksb.meppen@ewetel.net

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