Alphabetisierung Flüchtlinge bei AWO Meppen machen Fortschritte in Wort und Schrift

Von Friederike Warnecke

Alphabetisierungskurs Flüchtlinge Meppen, Im Alphabetunterricht:(von links nach rechts) Marie-Therese Schöttmar, Musa, Nurhscen, Souleyman, Igballe, Sami, Melanie Ahlers. Foto: Friederike WarneckeAlphabetisierungskurs Flüchtlinge Meppen, Im Alphabetunterricht:(von links nach rechts) Marie-Therese Schöttmar, Musa, Nurhscen, Souleyman, Igballe, Sami, Melanie Ahlers. Foto: Friederike Warnecke

Meppen. Auf dem Tisch brennt die erste Adventskerze, Teller mit Mandarinen und Gebäck stehen bereit, aus den Tassen dampft der Kaffee. In gemütlicher Runde vermitteln seit März zwei ehrenamtliche Dozentinnen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Flüchtlingen das deutsche Alphabet.

Von Friederike Warnecke

Jeden Montag und Donnerstag kommen abwechselnd Melanie Ahlers und Marietheres Schöttmar mit fünf bis neun von ihnen zusammen und widmen sich mit Geduld und Spaß der für sie fremden Sprache. Ganz unterschiedlich sind die Grundlagen der Schüler. Während einige bereits etwas lesen und schreiben können und teilweise auch gut Englisch sprechen, gibt es auch jene, die noch nie einen Buchstaben gelernt haben und kaum ihre eigene Sprache beherrschen.

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„Wir haben ganz langsam angefangen“, berichtet die Melanie Ahlers, „mit Karten, auf denen die Buchstaben stehen.“ Mithilfe von kleinen Bildern tasten sie sich so heran. Wie jedes deutsche Kind auch, erlernen die Flüchtlinge nach und nach die einzelnen Buchstaben und Laute. Zeitweise nennen die Alphabetschüler spontan den passenden englischen Begriff, doch die Dozentinnen weisen sie immer wieder darauf hin: „In Deutsch bitte.“ Hier hilft auch manchmal der Google-Übersetzer im Internet, bei dem sich die Schüler die korrekte Aussprache der Worte anhören können. Für die Bildung ganzer Sätze kommt der Google-Übersetzer nicht infrage, da die Übersetzungen viele Fehler haben.

Große Fortschritte

Seit Beginn des Projektes im März haben die Schüler große Fortschritte gemacht. Dies freut und motiviert nicht nur sie selber, sondern vor allem die Lehrerinnen. „Man merkt, dass man wirklich etwas erreichen kann“, sagt Marietheres Schöttmer. Der Unterricht orientiert sich am Alltag, damit die Flüchtlinge das neu Gelernte auch direkt anwenden können.

Alle sind schon so weit, dass sie sich vorstellen, ihre Namen buchstabieren und ein wenig von sich, ihren Kindern oder Hobbys erzählen können. Auch werden Geschehen und Erlebnisse in den Unterricht miteinbezogen: anhand der Fluchtrouten die Länder der Welt besprochen, eine neue Praktikumsstelle für Wegbeschreibungen verwendet und Bewerbungen, um Lebensläufe zu schreiben.

Fußball beliebtes Thema

Wichtige Themen, die alle interessieren, sind Musik und Fußball, sodass auch mal eine Einheit zum Thema Fußball eingeschoben wird, in der Sami aus Eritrea direkt von seinem Verein SV Hemsen berichten kann. Auch waren alle zusammen bei einem Spiel des SV Meppen. Aber die Teilnehmer werden auch mal praktisch gefordert, beispielsweise als sie zum Bäcker gegangen sind und dort Brötchen bestellen sollten.

„Es läuft noch vieles übers Zeigen“, berichtet Ahlers. Sie ermutigt die Flüchtlinge immer zu fragen, um zu üben. Dies gelingt sehr gut, auch wenn sich die jungen Männer und Frauen noch manches Mal schämen, wenn sie ein Wort nicht wissen. Immer wieder kommen sie auf das Alphabet zurück. Wörter werden nicht nur ausgesprochen, sondern auch an eine Tafel geschrieben und buchstabiert, um sich dieses einzuprägen. Diese Nutzung mehrerer Sinne zugleich, hilft zu verstehen. Es wird oft gelesen, um den Rhythmus der deutschen Sprache zu verinnerlichen und dazu werden die Wörter visualisiert. „Das Schreiben kommt erst ganz zum Schluss“, sagt Schöttmer.

Ehrenamtliches Personal fehlt

Gerne präsentieren die Flüchtlinge, was sie bereits können. Sie buchstabieren ihre Namen und berichten, woher sie kommen. Dies zeigt auch, wie der Unterricht zur Integration beiträgt. Denn Deutsch wird so zur gemeinsamen Sprache für die Schüler aus Eritrea, dem Kosovo, dem Sudan und von der Elfenbeinküste mit ihren verschiedenen Muttersprachen. Vorher konnten sie sich nicht untereinander verständigen, wenn nicht zufällig zwei Englisch sprachen.

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Trotz der intensiven Betreuung und der motivierten Mitarbeit ist es für die Flüchtlinge wichtig zu Hause zu üben und mit der Sprache im Alltag in Kontakt zu kommen. Zwei Tage in der Woche seien einfach zu wenig, berichtet Souleyman, ein Flüchtling von der Elfenbeinküste. Doch für mehr Unterrichtstage fehlt das Personal. Die beiden Lehrerinnen kümmern sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge und würden eine personelle Unterstützung sehr begrüßen. Auch die Flüchtlinge, die bei jedem Wind und Wetter mit dem Fahrrad zum Unterricht fahren, hätten gerne mehr Lerntage. „Die Sprache ist das wichtigste, auch für den Einstieg ins Berufsleben“, sagt die Lehrerin.


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