„Käpt’n Blaubär“ am Emsstrand Fröhlicher Theaternachmittag für Kinder in Meppen

Von Peter H. Eisenhuth


Meppen. Farbenfroh und Fantasie beflügelnd hat das fünfköpfige Ensemble des Kölner Tourneetheaters Cocomico in Zusammenarbeit mit dem WDR den Meppener Theaterbesuchern mit „Käpt’n Blaubär & das Auge des Tigers“ einen fröhlichen Nachmittag beschert.

„Moin, Kinners“ – eingestimmt von Wellenrauschen, Schifferklavier und Möwengeschrei, fühlten sich die Besucher des Familienmusicals vom ersten Augenblick an einbezogen ins Geschehen. Sie halfen Käpt’n Blaubär , die drei Bärchen aufzuwecken, gaben Hein Blöd gute Ratschläge und durchschauten natürlich viel schneller als der Käpt’n und Hein Blöd die Posse, mit der die Bärchen – in Rosa, Gelb und Grün gut identifizierbar – ihren Opa an seiner blauen Nase herumführten.

Dieser schwelgt gerade in einem seiner schönsten skurrilen Lügenabenteuer, bei dem er den Suezkanal mit einem „Schaufel“-Dampfer ausgehoben und Napoleons „Birne-Helene-Ernteleiter“ geschenkt bekommen habe, als sich nach und nach die Bärchen still und heimlich verdrücken. An Bord der den Bühnenhintergrund einnehmenden „Elvira“ kommentieren und beraten die fleischfressende Zimmerpflanze Karin und das trötende Seepferdchen Flöt das Geschehen, Steuermann Hein Blöd weiht singend in die seemännischen Fachbegriffe ein. Da er schließlich keine „Lese“ratte sei, überlässt Hein das mühevolle Entziffern eines Erpresserbriefes lieber dem Käpt’n: Die Bärchen seien entführt und nur mit dem größten Diamanten der Welt, dem „Auge des Tigers“, auszulösen. Da heißt es, in See stechen und auf Schatzsuche gehen. Welche Bande steckt nur hinter dem geheimnisvollen Kürzel „O.T.K.“?

Mit der Schatzkarte aus „des toten Mannes Kiste“ in den Pfoten muss sich der Käpt’n gegen die zur Katzenweltherrschaft entschlossene rosa Katze „O“cto-Tussy behaupten. Hein wird vom Spuk tanzender Lippenmonster verfolgt, das ihn immerzu wie seine Tante Waltraud küssen wollen. Kaum sind die beiden den Piraten „Gelbbart“, „Grünbart“ und der Frauenpower verkündenden „Barbarosa“ entkommen, gibt ein seltsamer „T“aucher Rätsel auf. Als sie schließlich den Maharadscha von Safranistan vor dem gefährlichen Weißen „K“ai retten, erhalten die beiden Abenteurer den begehrten Diamanten zur Belohnung. Doch wo sind jetzt die Bärchen? Die tauchen plötzlich mit heißem Tee für alle auf. Wie passend, dass sich der Diamant als großer Kandis, wie gut, dass sich die Entführung als kreativer Bärchen-Spaß entpuppt!

Rasant tanzten und rockten sich alle Protagonisten entlang der Songs von Andreas Fahnert, Hannes Braun und Lukas Hainer aus der „Santiano-Band“ von „Totenmanns Kiste“ über „Wir sind Piraten“ bis zu „Die Könige der Lüge“ und rissen das rhythmisch klatschende Publikum mit. Die leicht schnarrig in Szene gesetzte Stimme von Stefan Stechmann passte perfekt zum schlaksigen Hein Blöd, Michael Bautes sonorer Bass erinnerte in seiner warmherzigen Küsten-Diktion an Jan Fedder und wirkte als Käpt’n absolut authentisch. Wandlungsfähig, quirlig-frisch und ausdrucksstark beeindruckten spielerisch und tänzerisch auch Andrea Esser, Marion Müller und Ramona Kunze als Bärchen in der Vielfalt ihrer Rollen. Die Stimme der Blume Karin dürfte den Kindern bekannt gewesen sein, gibt Santiago Ziesmer doch auch Spongebob Schwammkopf und „Ferkel“ in „Winnie Puh“ ihre deutschen Stimmen. Die ins Ohr gehenden getanzten Songs, die klare Artikulation kindgerechter Texte und die bis in Mikroszenen nuancierte Inszenierung ließen keine Längen aufkommen.

Bravourös gelang es dem Ensemble, das Konzept des Cocomico-Theaters , Köln, unter der Leitung von Marcell Gödde und Karl-Heinz March umzusetzen: Leuchtende Kinderaugen, gespanntes Mitgehen, fröhliches Lachen und die Erfahrung, dass bei allem medienbestimmten Zeichentrick-Konsum und digital erlebter Virtualität „Theater handgemacht“ durchaus ein lohnenswertes Kulturgut ist und damit schon für die Kleinsten ein wichtiges Schlüsselerlebnis darstellt.


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