Sterben, ohne zu leiden Meppener Mediziner und Hospizhilfe lehnen Suizidbeihilfe ab

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Meppen. Vor dem Hintergrund der Abstimmung am Freitag zur Sterbehilfe hat ein Fernsehteam des Senders Sat1 im Ludmillenstift gedreht. Sowohl der Chefarzt der Palliativmedizin als auch Mitarbeiter der Hospizhilfe Meppen kommentierten die politische Entscheidung und stellten ihr bundesweit einzigartiges Angebot vor.

Der Bundestag hat ein Gesetz zum Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung beschlossen, das in Zukunft mehr Sterbenden eine schmerzlindernde Versorgung und Begleitung gewährleisten soll. (Die Einzelheiten dazu lesen Sie hier: Das steht im neuen Hospiz- und Palliativgesetz )

Im Meppener Krankenhaus wird dies seit 2010 in besonderer Form geleistet. Direkt neben der Onkologie-Abteilung gibt es zwei Zimmereinheiten für Menschen in ihrer letzten Lebensphase und ihre Angehörigen.

Die Hospizhilfe Meppen betreut dort die Sterbenden, gepflegt werden sie vom Klinikpersonal. „In der Regel wird Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit ambulant, also bei den Menschen zu Hause, oder stationär in Hospizen geleistet“, sagte Carmen Breuckmann-Giertz, Vorsitzende der Hospizhilfe Meppen und der Hospiz-Stiftung Niedersachsen.

Großes Netzwerk an Hospizhelfern

Auch von den insgesamt rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hospizhilfe Meppen arbeiten viele ambulant, einige in Pflegeheimen und derzeit 25 in der Klinik. Im „ZeitRaum“, so haben Hospizhilfe und Klinikabteilung die Zimmer genannt, die wohnlicher eingerichtet sind als Krankenhauszimmer und die Patienten oder Angehörige persönlich gestalten können. „Trauern und Sterben braucht einen geschützten Ort“, betonte Breuckmann-Giertz. Mit den Räumen hätten sie diesen geschaffen und das Konzept bewähre sich seit nun schon fünf Jahren.

Dass der Bundestag am Donnerstag eine Reihe von Verbesserungen für ihre Arbeit beschlossen hat, begrüßt der 15 Jahre alte Hospizhilfe-Verein. „Wir finanzieren unsere Arbeit durch Spenden und werden durch das Krankenversicherungsgesetz refinanziert“, berichtete Koordinatorin Kathrin Plas. Die vom Gesetzgeber genehmigte Finanzspritze werde der Koordination und Weiterbildung der Ehrenämtler, der Supervision und Fahrtaufwendungen zugutekommen. Weiterhin von Spenden finanziert werden die Öffentlichkeitsarbeit und die Präventionsveranstaltungen. „Die Spendenabhängigkeit bleibt, das ist auch wichtig für die Anerkennung unserer Arbeit in der Gesellschaft“, sagte Breuckmann-Giertz.

Thema Sterben kein Tabu

Von ihrer Arbeit überzeugt ist Antonia Gruber, Mitbegründerin des Vereins, die dem Fernsehteam erklärte, dass es für Geburten schöne Stationen gibt und es das fürs Sterben auch geben sollte. „Hier wird das Thema Sterben nicht mehr tabuisiert oder verdrängt, hier wird es ausgesprochen und gelebt.“ Allerdings, ohne leiden zu müssen. Letzteres ist das Entscheidende für Marc Tilgner, seit Juli Chefarzt der Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin im Krankenhaus Ludmillenstift. Er lehnt - wie auch die Hospizhelferinnen - eine aktive Sterbehilfe ab. Die passive Sterbehilfe, per Abschalten der lebenserhaltenden Geräte, befürwortet der Mediziner dagegen. ( Weiterlesen: Die verschiedenen Anträge zur Sterbehilfe )

Große Angst vorm Leiden müssen

Die am Freitag anstehende Abstimmung im Bundestag über Formen der Suizidbeihilfe halte er für zwiespältig. „Das würde die Sterbephase abkürzen und was ist der Grund? Meist doch die Angst zu leiden. Doch das Leiden kann ich mit der Palliativmedizin lindern“, sagte Tilgner. Breuckmann-Giertz pflichtete ihm bei: „Wenn eine schmerzlindernde Versorgung und Sterbebegleitung gewährleistet ist, stellt sich die Frage nach dem Suizid gar nicht.“ Stattdessen behalte der Patient seine Selbstbestimmung, betonte Tilgner, „auch wenn er bettlägerig ist, wird er gepflegt und erlebt eine intensive Betreuung.“ Der Prozess des bewussten Verabschiedens helfe zudem auch Angehörigen den Verlust zu verarbeiten, ergänzte Breuckmann-Giertz.


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