Konzert mit Mike Spine Meppen erlebt Folkrock über Amerika und Finanzkrise

Im Klangkosmos zwischen Folk, Americana und Rock bewegten sich Barbara Luna und Mike Spine bei ihrem Konzert im Café Koppelschleuse in Meppen. Foto: Tim GallandiIm Klangkosmos zwischen Folk, Americana und Rock bewegten sich Barbara Luna und Mike Spine bei ihrem Konzert im Café Koppelschleuse in Meppen. Foto: Tim Gallandi

Meppen. In eine Jam-Session hat Mike Spine sein von Folk- und Americana-Sound geprägtes Konzert im Meppener Café Koppelschleuse münden lassen. Zusammen mit der Italienerin Barbara Luna präsentierte der US-amerikanische Singer-Songwriter dem Publikum einen Querschnitt aus seinem Schaffen, samt Abstechern zu Idolen wie Neil Young.

Was so ein bisschen braunes Gold bewirken kann: Beim Auftritt in Meppen hatte Mike Spine unüberhörbar mit seiner angeschlagenen Stimme zu kämpfen. „Habt Ihr Whisky?“, rief er dem Café-Team zwischendurch zu, offenbar halb im Scherz, halb ernsthaft. Als die Zuhörer dann nach eineinhalb Stunden angetan und applaudierend Zugaben einforderten, bekam er tatsächlich ein Glas mit der gewünschten Spirituose gereicht.

Derart gestärkt, dehnte Spine den Da-capo-Block auf eine halbe Stunde aus, interpretierte Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ ebenso wie, auf Wunsch aus dem Publikum, „Wish You Were Here“. Für den Pink-Floyd-Klassiker griff Barbara Luna, die Spine mit Backing Vocals begleitet und seine Songs am E-Piano mit Pop-Konturen angereichert hatte, ebenfalls zur Gitarre.

Kritische Haltung

Spines Songs sind Geschichten, die oft vom Amerika der einfachen, hart arbeitenden Leute handeln, Geschichten mit kritischer Haltung zur US-Politik und -Gesellschaft. Stücke über das „verrückte Land, aus dem ich komme“, wie der Künstler lakonisch anmerkte. Aber auch Miniaturen über das Leben im Grenzland zu Mexiko („Sinaloa“) oder die weltweite Finanzkrise („Power Broker“). Getragen wird all das von seiner Stimme, die wie ein Hybrid aus Neil Young, Bob Dylan und Joe Strummer klingt.

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Als Lehrer, Aktivist und zuvorderst Musiker hat Mike Spine einiges von der Welt gesehen. Er lebte in New York, als 2001 die Twin Towers einstürzten, unterrichtete in England, hielt sich eine Weile in Mexiko auf und war mehrfach quer durch Europa auf Tour. Auch jetzt ist er es, da er sein jüngstes Album „Don‘t Let It Bring You Down“ vorstellt. Vergangene Woche noch Gigs in Berlin, nächste Woche in Amsterdam, dazwischen Meppen.

Musikalisch hat er sich ebenfalls in unterschiedliche Richtungen orientiert. Seine einstige Punkrockband At The Spine zog Vergleiche mit The Clash, Pixies und Sonic Youth nach sich; seine spätere Folkrockcombo The Beautiful Sunsets orientierte sich an Hank Williams und Steve Earle.

Von Neil Young beeinflusst

Der Künstler stammt aus Seattle, der Wiege jenes Sounds, der heute mit Grunge und Alternative Rock etikettiert ist. Entscheidenden Einfluss auf diese Szene hatte Neil Young, und der besondere Stellenwert, den der Kanadier für Mike Spine einnimmt, war in Meppen frappierend.

Nicht nur spielte Spine , der 2009 die Neil-Young-Tributeband The My My Hey Heys gründete, Songs wie „Helpless“, „Heart Of Gold“ oder „Like A Hurricane“. Auch seine eigenen Werke sind unverkennbar von Youngs Schaffen, etwa in der „Freedom“-Ära, geprägt. Insgesamt ein sympathisches Konzert, das dem Publikum einen hierzulande bislang kaum bekannten Künstler näher brachte.


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