Sommerseminar der Jugendakademie Junge Schauspieler trainieren in Meppen

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Meppen. Die Jugendakademie für Darstellende Künste hält in dieser Woche in Meppen ihr Sommerseminar ab. Im Mittelpunkt steht für die 14 jungen Leute der Bereich Schauspiel. Beim Einüben von Monologen und Dialogen trainieren sie, in Stresssituationen – etwa beim Vorsprechen an Schauspielschulen – gut in eine Spielhaltung hineinzufinden.

Es ist ein Tanz der Gefühle, den Leonce und Lena vollführen. Sie umlauern sich, schreiten aufeinander zu, berühren und trennen sich, fallen übereinander her, lösen die Umklammerung. Die Beobachter rings um sie trommeln rhythmisch mit den Händen aufs Parkett, geben der Szene den Takt. Einer Szene, die Georg Büchner so nicht geschrieben hat, die gleichwohl als Übung eine bedeutende Rolle spielt.

Was Max Rainer als Leonce und Marie-Paulina Schendel als Lena im Gruppenraum des Meppener Jugend- und Kulturgästehauses darbieten, ist eine improvisierte Annäherung. Ein Vortasten der Titelhelden aus Büchners Komödie zueinander hin, mehr noch aber ein Schritt der Schauspieler zum Erfahren und Interpretieren ihrer Rollen.

Die Jungmimen gehören zur Jugendakademie für Darstellende Künste der Proskenion-Stiftung . In Meppen sind die 14 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in dieser Woche im Trainingslager. Von morgens bis abends arbeiten sie mit Dozent Markus Kopf an der Verbesserung ihrer schauspielerischen Fähigkeiten und erweitern ihren Horizont der Möglichkeiten, die ihnen die Bühnenkunst eröffnet.

Das Etappenziel ist eine Werkstatt-Präsentation am Samstag. Jeder Teilnehmer zeigt dann einen Monolog sowie mit einem der Mitspieler einen Dialog. Die Szenen sind ihnen vorgegeben, sie stammen aus Klassikern wie Shakespeares „Romeo und Julia“, Schillers „Kabale und Liebe“ oder eben Büchners „Leonce und Lena“. Das hat seinen Grund, wie Lars Göhmann erklärt: „Bei den Aufnahmeprüfungen müssen sie mindestens drei Monologe parat haben: einen Klassiker, ein modernes Stück und eine Komödie.“ Der Chef der in Lingen ansässigen Proskenion-Stiftung weist damit auf ein wichtiges Ziel der Akademie hin: die Mitwirkenden fit zu machen für das Ringen um einen der zahlenmäßig überschaubaren Plätze an den Schauspielschulen.

Die aus ganz Deutschland kommenden jungen Leute kennen das Haus am Helter Damm – sie waren schon vergangenes Jahr hier. Damals drehte sich ihr Programm um Musical-Gesang und -Tanz; jetzt, zum Abschluss ihrer zweijährigen Akademiezeit, ist es Schauspiel. Sie alle haben schon zuvor Bühnenerfahrung gesammelt, beispielsweise in den Jugendclubs der Theater ihrer Heimatstädte. Die Seminare sollen ihnen auch dabei helfen, zu ergründen, ob die darstellenden Künste für sie tatsächlich Berufung sind und damit Beruf werden sollen.

Sophia Hussain kann diese Frage jetzt schon bejahen. Die 19-Jährige hat 2012 Abitur gemacht und bereits Vorsprechen an einigen Schulen hinter sich. Ihr großes Ziel ist es, zunächst einmal angenommen zu werden und sich „irgendwann mit Recht Schauspielerin nennen zu dürfen“. Denn dies sei für sie, über die Tätigkeit hinaus, auch eine Haltung. Klar ist für sie auch, in welche Richtung es auf dem weiten Feld der Schauspielkunst gehen soll: auf die Theaterbühne. „Da fühle ich mich am wohlsten“, sagt die junge Hamburgerin.

Die erste Station auf dem Weg in den Schauspielberuf hat Jannik Hinsch bereits erreicht. Ende September beginnt der 19-Jährige aus Rastatt das Schauspielstudium in Leipzig. Seit er vergangenes Jahr die Schule abbrach, hat er gejobbt, Musik gemacht, übers Leben nachgedacht – und Theater gespielt. Auf die Zeit in der Akademie blickt er positiv zurück: „Man erlangt eine andere künstlerische Reife und eine andere Ebene des Spiels.“ Man lerne Selbstwahrnehmung – und das vermittele „eine andere Freiheit, sich zu entfalten“. Das sieht auch Sophia Hussain so: „Hier darf man auch mal zweifeln“, und das sei wichtig in dieser Kunst.

Mit den Übungen der Schauspielwerkstatt soll den jungen Leuten die Fähigkeit gegeben werden, in Stresssituationen in eine Spielhaltung hineinzukommen, sagt Göhmann. „Nach diesen zwei Jahren würde ich von allen sagen, dass sie das Potenzial haben, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen.“

Die Ergebnisse der Schauspielwerkstatt dürfen alle Interessierten am Samstag,
3. August, ab 20 Uhr im Meppener Jugendgästehaus in Augenschein nehmen. Dann werden die Akademie-Teilnehmer ihre Monologe und Dialoge darbieten. Der Eintritt ist frei.


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