Größte Eule, kleinste Pflanze Rekordhalter der Natur im Emsland


Meppen. Rekordhitze, Rekordregen, Rekordflut: Die Natur hat in Deutschland im Jahr 2013 schon einige Höchstmarken geknackt. Kaum bekannt sind dagegen die Rekorde, die Tiere und Pflanzen aufstellen, die im Emsland leben. So gibt es hier zum Beispiel die vermutlich kleinste Blütenpflanze der Welt.

Wurzellose Zwergwasserlinse heißt das sehr seltene Gewächs, das dem Betrachter bestenfalls auf den zweiten Blick auffällt. Denn die winzigen Pflanzenkörper sind nur einen halben bis eineinhalb Millimeter lang und treiben ohne jegliche Wurzeln auf dem Wasser. Da sie sich als Lebensraum warme, nährstoffreiche Tümpel ausgesucht haben, in denen meistens auch noch normale und im Vergleich gigantisch große Wasserlinsen vorkommen, fallen die kleinen der Art „Wolffia arrhiza“ im grünen Getümmel kaum auf. Ihren Namen verdanken sie dem deutschen Botaniker Johann Friedrich Wolff.

Schnellste Bewegung

Im Emsland lebt die Zwergwasserlinse vermutlich nur in einem einzigen Gewässer im Altkreis Meppen, in dem die Biologin Jutta Over sie regelmäßig gefunden hat. Sie sind leicht zu erkennen: Reibt man Zwergwasserlinsen zwischen den Fingerspitzen, fühlen sie sich an wie grobe Sandkörner. Blühend hat sie übrigens in Europa vermutlich noch niemand gesehen: Erstens blüht sie quasi unsichtbar, und zweitens bleibt sie in Mitteleuropa im Gegensatz zu weiteren Vorkommen in den Tropen steril.

Die Pflanzenwelt des Emslandes hat einen weiteren Rekord zu bieten: die schnellste Bewegung einer Pflanze. Der Wasserschlauch lebt meistens unter Wasser, kommt in Mitteleuropa in mehreren Arten vor, und zwar meistens in nährstoffarmen moorigen Gewässern. Weil dort Nahrungsmangel herrscht, haben sich die Pflanzen so wie der Sonnentau auf den Fang von Insekten spezialisiert.

Der Wasserschlauch hat dafür eine mit einem Deckel verschlossene Fangblase entwickelt, die sich vielfach an jeder einzelnen Pflanze findet. Darin wird ein Unterdruck aufgebaut, und die Pflanze wartet, bis ein Insekt vorbeikommt und spezielle Borsten berührt. Die Klappe öffnet und schließt sich blitzschnell, und die Beute sitzt in der Fangblase, wo sie verdaut wird. Die Bewegung dauert beim Gewöhnlichen Wasserschlauch, einer der Unterarten, weniger als zwei Millisekunden –und das ist die vermutlich schnellste Bewegung im Pflanzenreich überhaupt.

Ganz oben auf einer Rekordliste steht auch die „Riesenlinde zu Heede“. Mit einem Stammumfang von mehr als 16 Metern soll sie die dickste Linde Europas sein.

Größter Nager

Ein paar Rekorde hat auch das Tierreich des Emslandes zu bieten. Der Biber zum Beispiel ist das größte Nagetier Europas und das zweitgrößte der Welt. Nur die Wasserschweine Südamerikas sind noch etwas größer. Biber werden in Europa 20 bis 25 Kilogramm, manchmal auch 30 Kilogramm schwer. Ihre kanadischen Vettern sind noch etwas größer. Seit einige Exemplare im Jahr 1990 an der Hase bei Haselünne ausgesetzt wurden, lebt der Nager an immer mehr Gewässern des Emslandes.

Im Mai 2013 gab es nach Angaben der Biologen Brigitte Klenner-Fringes und Stefan Ramme, die die Seite www.emslandbiber.de betreuen, 177 Biber in 55 Revieren.

Mit dem Uhu lebt seit Kurzem auch die größte Eule der Welt zwischen Salzbergen und Papenburg. Höchstens eine Handvoll Brutpaare dürften sich auf ihren weiten Schwingen auf Beutezug begeben – aber immerhin: Noch vor einem Jahrzehnt galt die Eule bei uns als seit einem Jahrhundert ausgestorben.

Gleiches galt lange Zeit für den Wanderfalken, einen weiteren Rekordhalter. Auch er war lange Zeit verschwunden und kehrte dank Naturschutzmaßnahmen zurück. Sein Beuteflug kopfüber in die Tiefe gilt als schnellster der Vogelwelt – angeblich soll er 340 Stundenkilometer erreichen. Worauf diese immer wieder zitierten Angaben beruhen, ist derweil nicht klar – Radarmessungen ergaben bisher nur 140 km/h, was aber auch noch ganz beachtlich ist.

Schwerster Säuger

Das schwerste Landsäugetier Europas ist derweil wieder abgezogen: Der Wisent hatte ab Mai 2006 ein kurzes Gastspiel im Eleonorenwald bei Vrees gegeben. Das Wildrind kann 800 bis 900 Kilogramm schwer werden (die Bullen) und lebte bis ins Mittelalter in allen Wäldern Europas. Heute ist der Lebensraum auf wenige Waldgebiete vor allem in Polen beschränkt.

Nach dem schwersten Landsäuger gibt es auch den leichtesten Vogel der Welt: das Wintergoldhähnchen. Es ist nur neun Zentimeter groß und wiegt vier bis sieben Gramm. Der Vogel liebt Nadelbäume, an deren Ästen er hektisch auf der Jagd nach Insekten ist. Tag für Tag muss er mindestens sein Körpergewicht an Insekten fressen.

Das Gegenteil ist eine Überraschung und so gar nicht stimmgewaltig: Der Kolkrabe gilt als der größte Singvogel der Welt. Singen kann er zwar nicht, aber ob ein Vogel zu den Singvögeln gehört, hängt vom Aufbau des Stimmapparates ab. Außerdem ist kaum ein Vogel so intelligent und stimmlich so variabel wie der Rabe, der mit einigen Brutpaaren im Emsland lebt: 34 Ruftypen hat er auf dem Kasten, darunter, wenn es sein muss, Xylofonklänge oder Hundegebell.

Der Hirschkäfer ist derweil ein weiterer Rekordhalter. Er gilt als der größte Käfer Europas und kommt noch an einigen Orten des Emslandes vor.

Die Liste der Rekordhalter dürfte mit dieser Aufzählung noch nicht abgeschlossen sein.


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