Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland Benefiz-Aktion im Heimathaus Versen

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Wie Heuerleute in Nordwesten Deutschlands lebten,  stellte Bernd Robben den Zuhörern auf der Benefiz-Aktion der Soroptimisten im Heimathaus Versen vor. Foto: Kim KarotkiWie Heuerleute in Nordwesten Deutschlands lebten, stellte Bernd Robben den Zuhörern auf der Benefiz-Aktion der Soroptimisten im Heimathaus Versen vor. Foto: Kim Karotki

Meppen. Weniger Schonzeit als ein Pferd hatten Heuerlingsfrauen vor und nach der Entbindung. Über das Leben der Heuersfrauen ist bisher wenig bekannt. Das wollte Bernd Robben mit seinem Buch „Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen“ ändern. Zur Benefiz-Aktion des Serviceclubs Soroptimist International Meppen/ Lingen hat der Autor einen Vortrag über seine Forschungsergebnisse gehalten.

Mit der besitzlosen Landbevölkerung haben sich bisher kaum Autoren befasst, weiß Bernd Robben. Noch weniger haben die Heuerlingsfrauen in der Fachliteratur Berücksichtigung gefunden. Selbst auf einem Bauernhof geboren, befasste Robben sich über 20 Jahre mit dem Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland, erstellte Fragebögen, interviewte Einwohner, ließ sie im Sinne der Oral History ihre Geschichte auf Tonband sprechen. „Ich habe mich in eine Schmuddelecke gestellt. Keiner wollte darüber reden“, machte der ehemalige Schulleiter in seinem Vortrag deutlich. Als im November 2014 das gemeinsam mit dem Historiker Dr. Helmut Lensing herausgegebene Buch „Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht wurde, habe er sich auch Kritik von den Landwirten gefallen lassen müssen. „Du bewirfst unseren Benefiz-Aktion im Heimathaus Versen Stand mit Dreck“, habe ein Bauer zu ihm gesagt.

Viele Ungerechtigkeiten

Die Beschäftigung mit diesem Abhängigkeitsverhältnis im Nordwesten Deutschlands habe viele Ungerechtigkeiten zutage gefördert. Abgesehen von der Abhängigkeit vom Bauern – Haus und Land bekam der Heuerling vom Bauern, die Höhe der Pacht und die Anzahl der Tage zur kostenlosen Mithilfe legte der Bauer fest – seien die sozialen Unterschiede ein Problem gewesen, denn die Heuerleute hatten kaum Rechte. So habe ihm ein Bekannter mitgeteilt, der das Heuerwesen noch miterlebt hat, dass die Heuerleute bei schlechtem Wetter die Hände aufhalten mussten, damit der Bauer seine Füße in die Hände stellen konnte, um sich zur Kirche tragen zu lassen.

Vier Morde

„Es hat natürlich auch Bauern und Heuerleute gegeben, die sich gut verstanden haben. Aber da ist viel Unrecht geschehen. In meinen Nachforschungen bin ich allein auf vier Morde gestoßen.“ So sei es nicht unüblich gewesen, dass die Bauern Mägde oder Heuerlingsfrauen schwängerten. Ein Spruch im Artland lautet: „Wenn eine Magd vom Hof gehen muss, dann bekommt sie vom Bauern ein Kind und eine Kuh.“ Die Kuh sei als eine Art Wiedergutmachung zu verstehen, jedoch seien unehelich geschwängerte Frauen auch „beiseitegeschafft worden“.

Eintritt gespendet

Mit alten Fotos auf einer Leinwand, mit Kartenmaterial und Ergebnissen in Zahlen veranschaulichte der gebürtige Gleesener den über 150 Anwesenden das damals praktizierte Heuerlingswesen. Von der Hollandgängerei, der Arbeit im Moor, dem Flachsanbau, der Markenteilung sowie der Auswanderung nach Amerika handelte der umfangreiche Vortrag. Ein Brief von der Tochter einer unehelich geschwängerten Magd, einem damals so bezeichnetem „Kind der Schande“ gewährte den Zuhörern einen Einblick in die gesellschaftliche Stellung der armen Landbevölkerung.

Die Eintrittseinnahmen von 2800 Euro sowie die Spenden aus dem eigens dafür aufgestellten Schwein aus Pappmaschee sollen der humanitären Hilfsorganisation LandsAid und der Flüchtlingshilfe im Emsland zugutekommen. Die Meppener und Lingener Soroptimisten veranstalten alljährlich eine Lesung im Heimathaus Versen für den guten Zweck.


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