„Für Menschenrechte arbeiten!“ Amnesty International in Meppen will stärker werden

Von Heiner Harnack

Will sich wieder verstärkt für ungerechtfertigt eingesperrte Gefangene in aller Welt einsetzen: die Meppener Amnesty-Gruppe mit ihrem Sprecher Gerold Siemer (links). Foto: Heiner HarnackWill sich wieder verstärkt für ungerechtfertigt eingesperrte Gefangene in aller Welt einsetzen: die Meppener Amnesty-Gruppe mit ihrem Sprecher Gerold Siemer (links). Foto: Heiner Harnack

Meppen. Bereits kurz nach der Gründung von Amnesty International im Mai 1961 in London riefen die Journalisten Carola Stern, Gerd Ruge und Felix Rexhausen die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation ins Leben. Um in Meppen wieder wirkungsvoller zu werden, haben sich Unterstützer im Gemeindehaus St.-Vitus getroffen, um das gemeinsame weitere Vorgehen zu besprechen.

Gruppensprecher Gerold Siemer aus Papenburg gab einen kurzen Überblick über die Gründung und Arbeit von Amnesty, die in der heutigen Zeit an Wichtigkeit nicht verloren habe, so Siemer vor den zwölf Gästen. Wie viele andere Organisationen, Vereine und Verbände leide auch Amnesty unter Überalterung und schleichendem Desinteresse, sodass auch in Meppen das Ende der Arbeit gedroht habe.

„Da Meppen in etwa die gleiche Einwohnerzahl wie Papenburg hat, bin ich mir sicher, dass auch hier etwas weitergehen muss“, war sich Siemer sicher, dass man auch mit relativ wenigen Mitstreitern viel erreichen könne. „Wir wollen politische Gefangene aus den Gefängnissen holen und dazu beitragen, dass Folter und Todesstrafe weltweit abgeschafft werden“, sagte der Papenburger Amnesty-Mann weiter.

Faire Gerichtsverfahren gefordert

So unternehme zum Beispiel die Regierung Mexikos nichts gegen das willkürliche Vorgehen der Paramilitärs, die Menschen einfach verhafteten oder verschleppten. 43 Studenten seien einfach verschwunden, ohne dass die Politik eingegriffen hätte. „Hier fordern wir faire und zügige Gerichtsverfahren“, so Siemer weiter.

Ein besonderes Problem gebe es mit der Volksrepublik China, in die noch nie ein Vertreter von Amnesty habe offiziell einreisen dürfen. „Wir machen aber keine Undercover-Aktionen“, sagte Siemer. Die Hilfsorganisation halte sich selbst stets an Recht und Gesetz. Um auch nicht auf die falsche Spur gelenkt zu werden, müsse man immer zwei, besser drei, Quellen suchen, die einwandfrei eine Situation vor Ort beschreiben.

Gewalt gegen Asylbewerber

Ein Zuhörer bemerkte, dass es in letzter Zeit leider auch in Deutschland zu Gewalt gegen Asylbewerber gekommen sei und spielte damit auf die Ereignisse in der Bundespolizei-Wache am Hauptbahnhof von Hannover an. Siemer sagte, dass es immer sehr wichtig sei, Öffentlichkeit zu schaffen, und bat um die Mithilfe der Medien, da auch Journalisten zu den bedrohten Gruppen in vielen Teilen der Welt gehörten. „Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen man teilweise Jahre auf ein Verfahren warten muss, weiß man aber in Deutschland, warum man auf der Anklagebank sitzt.“

Umso mehr Briefe und Karten an die Regierenden oder Gefängnisdirektoren gingen, umso größer sei die Erfolgsaussicht: Siemer machte deutlich, dass die konventionelle Arbeit effektiver sei, als eine Mail zu senden, da die meistens einfach nur gelöscht würde.

Wie aufwendig, aber auch erfolgreich die Arbeit der Organisation sei, verdeutlichte Siemer am Beispiel des Nigerianers Moses Akatugba, der mit 16 Jahren wegen angeblichen Diebstahls eingesperrt und zum Tode verurteilt wurde. Mit unzähligen Unterschriften habe man die Begnadigung durch den regionalen Gouverneur erreichen können. „Menschenrechte sind nicht gottgegeben. Man muss für sie arbeiten!“ Die Arbeit von Amnesty sei eine tagtägliche, harte und niemals endende.