Ensemble bezieht Stellung Freilichtbühne Meppen gegen Ausländerfeindlichkeit

Von Heiner Harnack

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Zeigen, das es gemeinsam besser geht und setzen deutlich Flagge gegen Rassismus und Intoleranz: (von links) Sonja Kaßburg, Thomas Lake, Tedros Mebrahtom, Amanuet Gebrekidon und Jürgen Lilge. Foto: Heiner HarnackZeigen, das es gemeinsam besser geht und setzen deutlich Flagge gegen Rassismus und Intoleranz: (von links) Sonja Kaßburg, Thomas Lake, Tedros Mebrahtom, Amanuet Gebrekidon und Jürgen Lilge. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Seit Beginn der Freiluftsaison engagieren sich auch zwei Flüchtlinge aus Eritrea in der Spielschar der Freilichtbühne Meppen. Vor wenigen Tagen wurde die Unterkunft der beiden mit der Parole „Ausländer raus!“ beschmiert. Mitglieder der Bühne zeigen sich entsetzt und nehmen deutlich Stellung gegen jede Ausländerfeindlichkeit und Hetze gegen Menschen.

Thomas Lake und Sonja Kaßburg von der Freilichtbühne sind „stinksauer“ und sagen klar und deutlich: „Das geht gar nicht!“, was Amanuet Gebrekidon (20 Jahre) und Tedros Mebrahtom (22 Jahre) wider- fahren ist. Allen sei die Kinnlade heruntergefallen, als man gehört habe, dass die Hauswand an ihrer Wohnung in der Neustadt mit einer Hassparole beschmiert worden sei.

Die beiden jungen Männer sind seit elf Monaten in Deutschland und versuchen in jeder Minute, die Sprache des Gastgebers zu lernen. Auch im Gespräch mit unserer Redaktion verzichten sie, bis auf wenige Momente, auf Englisch und versuchen, sich fast komplett auf Deutsch auszudrücken.

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Beide möchten eines Tages in Metallbauerberufen tätig sein. Amanuet Gebrekidon kann sich gut vorstellen, später als Mechaniker sein Geld zu verdienen. Tedros Mebrahtom sieht sich auch als zukünftiger Elektriker. Der Fleiß der beiden zeige sich auch darin, fügt Vorsitzender Jürgen Lilge hinzu, dass sie nicht nur äußerst pünktlich mit dem Fahrrad zu jeder Vorstellung kämen, sondern auch schon Praktika beim Bauhof und dem Wasserschifffahrtsamt absolvierten.

„Natürlich hatten wir Angst“, sagen beide Männer unisono, als sie registriert hätten, was da an die Hauswand geschmiert worden war. Nach Eritrea haben sie nur sehr wenig Kontakt per Telefon, da die Kosten für ein Gespräch sehr hoch seien.

Thomas Lake erwähnt, dass die beiden Afrikaner sich „super in die ganze Truppe eingebracht“ hätten. „Vor allen Dingen in der Umbautruppe machen beide eine Klasse Arbeit“, so Lake weiter. Vorsichtig sind die Mitglieder der Spielschar geworden, wenn es um die Rückfahrt der beiden zu ihrer Wohnung nach der Abendvorstellung geht. Hier würden Amanuet und Tedros immer von Mitgliedern begleitet.

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„Hier ist jeder willkommen“, sagen Lilge und Lake deutlich. Man denke immer nur, so etwas passiere in Großstädten, aber Ausländerhass sei niemals zu tolerieren, so Lake weiter. Normalerweise, sagt Vorsitzender Lilge, äußere man sich als Verein nicht zu politischen Themen, aber in diesem Fall müsse man Stellung beziehen.

Vor Beginn der vorletzten Vorstellung des „Weißen Rössls“ geht Jürgen Lilge auf die Bühne und erzählt dem Publikum, was in den letzten Tagen vorgefallen sei. „Wir sind froh, dass die beiden hier sind, weil sie für uns auch eine ganz große Stütze sind, und wir verurteilen das als Freilichtbühne aufs Äußerste!“, so Lilge vor den einigen hundert Zuschauern, die am Freitagabend in Regenjacken gehüllt auf die Vorstellung warten und die Worte des Vorsitzenden mit großem Applaus bedenken.


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