Wütender Punk und Freiluftdisco Kleinstadtfest 2015 in Meppen lockt viel Publikum


Meppen. Spätsommerliches Flair, viel Publikum, Indierock, Hip-Hop und eine Freiluftdisco – all das und noch mehr hat am Wochenende das Kleinstadtfest 2015 in Meppen geprägt. Auf dem Gelände Püntkers Patt wurde die dritte Auflage der Jugendkulturmeile gefeiert.

„Kleinstadtfest statt kein Stadtfest“ hatten die Kleinstadtkinder in den Tagen vor dem Ereignis auf ihrer Facebookseite sinniert. Das Team aus rund 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, das für die Organisation verantwortlich zeichnete, spielte damit auf die Tatsache an, dass das Event erstmals vom Stadtfest abgekoppelt präsentiert wurde.

Was sich keineswegs als Nachteil herausstellen sollte, im Gegenteil. „Es läuft super, ich bin positiv überrascht von der Resonanz“, resümierte Stadtjugendpfleger Karsten Streeck schon am Freitagabend. In der Tat schien die Mehrheit des Publikums nicht nur auf Stippvisite auf Püntkers Patt erschienen zu sein, wie es in den Vorjahren zeitweise der Fall war. „Gekommen, um zu bleiben“ war diesmal offenbar das Motto.

Ein Höhepunkt des ersten von zwei Abenden war der Auftritt von Woods Of Birnam . Die Dresdner Combo um Frontmann Christian Friedel, der auch als Schauspieler bekannt ist (etwa aus dem Kinofilm „Elser“), spielte keyboardgeprägten Indie-Pop. Beim Songschreiben dürften Friedel und Co. Bands wie Coldplay, Keane oder Travis bewusst oder unbewusst den Weg gewiesen haben. Ein passender Soundtrack für einen entspannten Sommerabend, wobei Woods Of Birnam auch flottere, tanzbare Stücke, die teils an Hot Chip erinnerten, im Repertoire hatten.

Leute mit Tanzaffinität bewegten sich im Übrigen eher zur River Stage, auf der an beiden Tagen DJs mit Electro-Beats eine Freiluft-Zappelbude schufen. Das Meppener EPI-Zentrum und ihr technoider Sound zogen dabei mehr Publikum auf den gräsernen Dancefloor als am Tag darauf die Lingener Crew Beatschicht Feat. Ahoi mit ihrer Indie-Disco. In jedem Fall aber wies der Boden deutliche Abnutzungserscheinungen auf.

Die Blicke der Menge vor der Main Stage wiederum richteten sich am Freitag unter anderen auf zwei Gruppen, die vom Punk geprägt sind: Rogers aus Düsseldorf und Love A aus Trier. Letztere boten Postpunk mit gesellschaftskritischer Attitüde. Sänger Jörkk Mechenbier klang wie einst Fehlfarben-Sänger Peter Hein, wenn er gegen eine Welt wütete, „in der es statt Inhalten nur Überschriften gibt“. Titel wie „Trümmer“ kamen als Aufschrei gegen Oberflächlichkeit daher.

Popkulturelles Treffen

Ausgelassenes Feiern zu Alternative-Rock-Riffs stand bei Against Randy an. Die Meppener spielten zum dritten Mal beim Kleinstadtfest, wie gewohnt in weißen Hemden und schwarzen Krawatten, und einige ihrer zahlreichen Fans hatten sich mit Bandlogo-Aufklebern regelrecht zugepflastert.

Nicht allein musikalisch, auch modisch wurde das Gelände zwischen Ems und Hase zu einem Treffpunkt der popkulturellen Strömungen. Skinny Jeans trafen auf Baggy Pants, Metal-Kutten auf jede Menge Kapuzenshirts.

Am Samstag kamen allerhand Baseballkappen hinzu, deren Träger die Arme rhythmisch auf und nieder bewegten. Hip-Hop war angesagt, der in unterschiedlichen Stilrichtungen daherkam, präsentiert von regionalen wie angereisten Künstlern. Beim Rappen in Meppen hatten es IMZ aus Hamburg mit Tracks übers Neinsagen und Tagebuchschreiben schwerer, die Menge mitzureißen, als im Anschluss Laas Unltd.

Denn der aus Ostwestfalen stammende Berliner konnte auf eine sichtbar größere Fanbasis bauen. „Das ist eine richtige Block-Party hier in Meppen“, schwärmte er zwischen zwei Titeln, die oft eine Meta-Ebene enthielten: Hip-Hop über Hip-Hop lieferte hier meist die Inhalte. In Sachen textlicher Kreativität wurde er nur noch von MC Retrogott übertroffen, der mit DJ Hulk Hodn das Finale des Samstags bestritt. Weniger Partyflair als bei Laas, dafür kritisch-philosophische Lyrics mit meist entspannten Beats. Ein angemessener Ausklang der beiden Kleinstadtfesttage.


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