Armleuchteralge im Heidesee Extrem seltene Pflanze bei Meppen entdeckt

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Meppen. Ein botanisch bemerkenswerter und höchst seltener Fund ist dem Verein Land Unter e.V. im Naturschutzgebiet Versener Heidesee bei Meppen gelungen: dort wächst die Vielästige Glanzleuchteralge, die ansonsten nur noch von drei weiteren Wuchsorten in ganz Deutschland bekannt ist.

Die Art kommt zwar weltweit vor, ist aber in ganz Europa extrem selten und in Deutschland in Kategorie 1 der Roten Liste geführt (vom Erlöschen bedroht). Die anderen deutschen Wuchsorte liegen in Ostfriesland (Landkreis Wittmund) und am Rhein bei Baden-Baden. Im Versener Heidesee war die Armleuchteralge im August erstmals aufgefallen – im seichten Wasser des nährstoffarmen Sees wirkte die bis zu 25 Zentimeter hohe Pflanze ein wenig wie Froschlaich. Weil es den im August nicht mehr gibt, war schnell klar, dass hier eine bisher nicht etablierte Pflanze aufgetaucht war.

Wobei der Begriff „Pflanze“ nicht ganz zutrifft. Armleuchteralgen sind eine Jahrmillionen alte Organismengruppe, die Eigenschaften von Algen besitzt, in ihrem Wuchs aber eher höheren Pflanzen ähnelt und deshalb auch nichts mit den lästigen Fadenalgen aus dem Gartenteich zu tun hat.

Weil sie sich aber nicht über Samen oder Sporen fortpflanzen, sondern über eigenständige Fortpflanzungsorgane verfügen, gelten Armleuchteralgen als Schwesterart der Pflanzen. Die meisten stehen aufgrund ihrer Vorliebe für saubere, nährstoffarme Gewässer auf der Roten Liste als gefährdete, stark gefährdete oder sogar vom Aussterben bedrohte Arten.

Das gilt auch und insbesondere für die Vielästige Glanzleuchteralge, wissenschaftlich Nitella hyalina genannt. Sämtliche Erkenntnisse über diese neue Art im Versener Heidesee lieferte der Oldenburger Biologe Ralf Becker, der nach der Fundmeldung umgehend ins Emsland gekommen war und die Bestimmung vorgenommen hat. Becker gilt als einer der wenigen renommierten Fachleute für Characeen, also die Pflanzengattung der Armleuchteralgen. Er hatte die Art 2005 in Ostfriesland erstmals überhaupt in Niedersachsen nachgewiesen.

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In den benachbarten Niederlanden gibt es derzeit drei bekannte Vorkommen der Vielästigen Glanzleuchteralge, die alle gut 100 Kilometer Luftlinie vom Heidesee entfernt sind. Nach Ralf Beckers Einschätzung haben vermutlich Wasservögel sie von dort oder aus Ostfriesland ins Emsland eingeschleppt.

Der Bestand im Heidesee umfasst rund 100 Quadratmeter und wächst bis in 2,50 Meter Tiefe. Dass er vorher nicht aufgefallen war, könnte an den milden Wintern der vergangenen Jahre liegen. Denn die Alge ist empfindlich gegen Frost – Eisgang könnte ihr Vordringen in den flachen Uferbereich bislang verhindert haben.

Im Versener Heidesee wachsen drei weitere Characeen-Arten, die zum Teil ebenfalls selten sind - wenn auch nicht so selten wie Nitella hyalina. Der See ist als Ausgleichsmaßnahme für den Autobahnbau entstanden und befindet sich dank seiner Jugend in einer stetigen Entwicklung.

Eine Führung zum See und seinen Bentheimer Landschafen bietet der Verein land Unter gemeinsam mit dem Naturschutzbund am Sonntag, dem 6. September um 15 Uhr an. Treffpunkt für die Bildung von Fahrgemeinschaften ist um 14.30 Uhr am Bahnhof Meppen.


Ihren deutschen Namen verdanken die Armleuchteralgen ihrem kandelaberartigen, also wie Kerzenständer wirkenden Aussehen.

Armleuchteralgen zählen zu den ältesten Pflanzenfamilien der Erde, es gab sie schon vor 400 Millionen Jahren. Vögel tragen dazu bei, dass sie neue Gewässer erobern können. Sie bilden extrem robuste Sporen, denen im Gegensatz zu den Pflanzen selbst weder Austrocknen noch Einfrieren etwas anhaben können. Diese „Oosporen“ überstehen auch die Passage durch einen Gänse- oder Entendarm. Viele Arten können in klarem Wasser in bis zu 30 Metern Tiefe wachsen und bilden Unterwasserwiesen. Die Characeen stellen eine wichtige Nahrungsquelle für überwinternde Wasservögel dar.

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