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19.08.2015, 16:30 Uhr

Viele offene Fragen nach Missbrauchsskandal

Ein Kommentar von Carola Alge


Der sexuelle Missbrauch von Kindern hinterlässt oft – wie auch bei Jürgen M. – tiefe Wunden auf deren Seele. Er wurde von zwei Geistlichen und einer Ordensschwester der katholischen Kirche missbraucht. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpaDer sexuelle Missbrauch von Kindern hinterlässt oft – wie auch bei Jürgen M. – tiefe Wunden auf deren Seele. Er wurde von zwei Geistlichen und einer Ordensschwester der katholischen Kirche missbraucht. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Meppen. Sind 8000 Euro für sexuelle Übergriffe, die ein Menschenleben völlig verändert haben und das nach Angaben des Betroffenen kein normales mehr ist, zu wenig? Natürlich, wird die erste Reaktion vieler sein.

Missbrauch jedoch, wie ihn Jürgen M. auch durch einen früheren Pater des Meppener Maristen-Klosters erlebte, lässt sich nicht durch (höhere) Geldzahlungen ungeschehen machen, lässt tiefe Wunden der Seele der Opfer nicht einfach so heilen. Umso wichtiger ist es, dass die katholische Kirche weiter konsequent Aufklärungsarbeit betreibt, Täter aus ihren Reihen nicht schützt, indem sie sie von A nach B versetzt. Papst Franziskus setzte im vergangenen Jahr ein Zeichen, als er sich mit Opfern sexuellen Missbrauchs traf. Warum aber dauert die Aufarbeitung der Fälle und Akten mittlerweile Jahre? Warum können sich Bischöfe und Wissenschaftler wie der Kriminologe Christian Pfeiffer immer wieder nicht verständigen? Warum ist mit Ergebnissen des aktuellen Aufklärungsversuchs frühestens 2017 zu rechnen?

Betroffene wie Jürgen M. haben jahrzehntelang versucht zu verdrängen, was ihnen als Kind widerfuhr. Sie haben ein Recht auf zeitnahe Antworten. Ob ihm die jetzt geforderten Geldbeträge zustehen, muss letztlich die Justiz klären. Wiedergutmachen kann das Geschehene sicher keine noch so hohe Summe.


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