Hilfe für Menschen in Not Die Pfarrer-Orgaß-Stiege in Meppen-Esterfeld


Meppen. Im Herbst 2003 stellte die katholische Kirchengemeinde St. Maria zum Frieden in Meppen-Esterfeld durch ihren Pfarrer Hubertus Goldbeck bei der Stadt Meppen den Antrag, die bisherige „Pfarrstiege“ umzubenennen in „Pfarrer-Orgaß-Stiege“.Diese Straße verläuft von der Schlaunstraße hinter der Kirche, dem Kindergarten und der Marienschule her und mündet in die Neelandstraße. Der Rat der Stadt Meppen entsprach diesem Antrag in seiner Sitzung am 18. Dezember 2003 mit den Stimmen aller Fraktionen.

Josef Orgaß wurde am 8. Juli 1910 in Hamburg geboren. Nach dem Besuch eines Progymnasiums in Hamburg wurde er 1926 Schüler des Meppener Gymnasiums, das er 1929 mit dem Abitur abschloss. Sein Studium der Theologie und Philosophie absolvierte Josef Orgaß bis 1933 in Münster. Danach ging er in das Priesterseminar nach Osnabrück. Am 22. Dezember 1934 empfing er dort durch Bischof Wilhelm Berning die Priesterweihe. Nach einer Tätigkeit in Osnabrück wurde Josef Orgaß im März 1936 als Adjunkt in die Propsteigemeinde St. Vitus in Meppen versetzt.

Dort erlebte er das Ende des Zweiten Weltkrieges. Als kanadische Truppen am 7. April 1945 den Turm der Propsteikirche in Brand schossen, war Adjunkt Orgaß einer der eifrigsten Helfer bei den Löscharbeiten. Die Brücken über Ems und Hase waren gesprengt. In dieser Situation entschloss sich Propst Carl Meyer Josef Orgaß nach Esterfeld zu schicken.

Schon am 15. April 1945 konnten die Esterfelder Katholiken im städtischen Schießstand bei der Gaststätte Kamp ihren ersten Sonntagsgottesdienst feiern. Als sowohl der Schießstand als auch der kleine Saal der Gaststätte Kamp die Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen konnten, ergriff Orgaß die Initiative. Nach intensiver Suche fand man in der Nähe von Voltlage bei Osnabrück eine Baracke ohne Fußboden und ohne Fensterscheiben. Mithilfe vieler freiwilliger Helfer wurde daraus eine Notkirche errichtet. Am 18. August 1946 konnte dieses erste Gotteshaus in Esterfeld auf den Namen „Maria zum Frieden“ geweiht werden.

Einen Monat später gelang es Vikar Orgaß, Frauen und Männer für einen Kirchenchor zu gewinnen. Im Oktober 1946 wurde für die Gründung eines Jung-Männer-Vereins und einer Jung-Frauen-Kongregation die Genehmigung der Militärregierung eingeholt. Im selben Jahr hatte sich auf Anregung von Vikar Orgaß eine Krippenbaugruppe gebildet, deren erste Arbeitsergebnisse Weihnachten 1946 zu bewundern waren . Im Frühjahr 1947 wurde der Kindergarten zunächst in einer Baracke am Fuller Kircheweg eröffnet.

Schon am 6. März 1948 wurde unter der Leitung von Vikar Orgaß in seiner Wohnung der „Kirchliche Bauverein Meppen-Esterfeld“ zur „Beschaffung von Mitteln zum Neubau und der Ausgestaltung einer katholischen Kirche, eines Pfarrhauses, eines Jugendheimes und einer Küsterwohnung“ gegründet. Acht Jahre später wurde das Pfarrhaus fertiggestellt. Weitere drei Jahre danach konnte der neue Kindergarten an der Marienstraße mit Jugendheim und Pflegestation bezogen werden. Im November 1959 erfolgte die Grundsteinlegung der neuen Kirche, die ein Jahr später vom Bischof von Osnabrück eingeweiht wurde. Am 1. November 1961 erhielt die Kirche den Rang einer Pfarrkirche und Orgaß wurde ihr erster Pfarrer. Als Pfarrer Orgaß 1974 sein 40-jähriges Priesterjubiläum feierte, bewies der ausgesprochene Dank dem Jubilar, in welchem hohen Maße seine Arbeit anerkannt und geschätzt wurde.

Am 29. November 1978 wurde Pfarrer Orgaß in den Ruhestand verabschiedet. Zuvor war er Anfang Juli zum Geistlichen Rat ehrenhalber beim Bischöflichen Generalvikariat ernannt worden. Sein besonderes Anliegen, so Propst Meyer bei der Verabschiedung, sei es immer gewesen, sich um die Menschen zu kümmern, die in Not geraten waren. Deshalb der Einsatz im Kreuzbund, sein Engagement für den Sozialdienst Katholischer Frauen und für die Alten und Kranken. Als Pfarrer Orgaß 1999 sein eisernes Priesterjubiläum feiern konnte, schrieb Bischof Bode: „Durch Ihre echte Priesterlichkeit, die sich nie laut gebärdete, sondern sich durch eine einfühlsame Zuwendung zu den Menschen auszeichnete, haben Sie in Ihrer Gemeinde tiefe und wegweisende Spuren hinterlassen.“

Nach seiner Verabschiedung aus der Gemeinde arbeitete Pfarrer Orgaß bis 1987 als Krankenhausseelsorger am Krankenhaus Ludmilenstift in Meppen. Am 30. Juni 1987 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Seinen Lebensabend verbrachte Pfarrer Orgaß im Altenheim Marienhaus, wo er seelsorgliche Aufgaben übernahm. Hier starb er am 1. Oktober 2001.