Planspiel „Jugend und Parlament“ Meppener Schüler entscheidet im Bundestag

Mit Patin Gitta Connemann sprach  Jordy Aalderink über seine Erfahrungen. Foto: Kim KarotkiMit Patin Gitta Connemann sprach Jordy Aalderink über seine Erfahrungen. Foto: Kim Karotki

Meppen. Entscheidungen treffen wie ein Politiker im Bundestag – was das bedeutet und wie der Alltag eines Abgeordneten aussieht, konnte der Meppener Schüler Jordy Aalderink am eigenen Leib erfahren. Er nahm am Planspiel „Jugend und Parlament“ 2015 teil, in dem er vier Tage lang unter realen Bedingungen mit über 300 anderen Jugendlichen „Gesetze“ auf den Weg brachte.

In der fiktiven Rolle des 60-jährigen Max Büter aus Bayern setzte Jordy Aalderink sich im Paul-Löbe-Haus in Berlin mit den verschiedenen Meinungen seiner Kollegen auseinander, lernte einen Standpunkt zu vertreten und eine Entscheidung unter demokratischen Bedingungen zu fällen. Unter realen Gegebenheiten simulierten über 300 Jugendliche vier Gesetzesentwürfe. Der EU-Beitritt „Illyriens“, die Tarifeinheit, gerechte Bewerbungsverfahren sowie Vereinbarkeit von Tierschutz und Massentierhaltung standen auf der Tagesordnung.

Als politisch Interessierter stand für den Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Meppen schnell fest, an dem Planspiel des Deutschen Bundestags teilzunehmen. „Verantwortung zu übernehmen für ein großes Land, mitzusprechen und Ideen einzubringen finde ich wichtig.“ An vier aufeinanderfolgenden Tagen konnte er nun erfahren, was es heißt, in der Haut eines Bundestagsabgeordneten zu stecken: „Es ist hart. Oft fängt die Arbeit schon morgens vor sieben Uhr an, und abends wird es oft spät oder geht in die Nacht. Aber auch die Entscheidungsfindung ist hart. Da muss man schon Überzeugungsarbeit leisten.“

Zwei Praktika

Auf den Geschmack gekommen war der 17-Jährige bereits durch zwei Praktika. In seiner damaligen Schule in Rütenbrock hatte die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann die Möglichkeit für ein Praktikum angeboten. So ergriff der Schüler die Initiative und machte im letzten Jahr ein Praktikum im Wahlkreis Unterems und im Frühjahr dieses Jahres eines in Berlin.

Sein Eifer zahlte sich aus. Denn von Connemann bekam er die Einladung, am Planspiel teilzunehmen. Der Meppener hat im Praktikum in die Arbeit eines Politikers reingeschnuppert und gezeigt, dass er ein besonderes Interesse daran hat. „Deshalb habe ich ihn gezielt angesprochen. Außerdem ist es etwas Besonderes, dass er sich als Niederländer für die deutsche Politik interessiert“, erklärt die Bundestagsabgeordnete.

„Für mich war das eine große Ehre. Deshalb habe ich sofort zugesagt“, erzählt der Schüler. Im Simulationsspiel lernte er, sich mit verschiedenen Positionen auseinanderzusetzen. Als APD-Politiker musste er sich beispielsweise für das Kürzen der Schnäbel bei Masthähnchen, die Kastration bei Schweinen oder das Impfen einsetzen, obwohl dies nicht seiner tatsächlichen Meinung entspricht: Doch die Rolle des Max Büter, die er abgesehen vom Namen zugeteilt bekommen hat, sah dies vor. Connemann sieht in dieser Möglichkeit viele Vorteile: „Dadurch, dass man in eine Rolle schlüpft und diese vertreten muss, lernt man, dass es Argumente für beide Seiten gibt.“ In der Politik gehe es neben dem eigenen Standpunkt auch darum, offen für andere Meinungen zu sein: „Mit der Vorstellung, dass es nur ‚richtig‘ und ‚falsch‘ gibt, kann man an Politik nicht herangehen. Das gibt es nur in der Mathematik.“

Verantwortung

Die Politik in Deutschland interessiert den Niederländer besonders. Er kommt zwar aus dem niederländischen Nieuw-Weerdinge. Doch zur BBS nach Meppen geht er, damit er mit seiner besten Freundin zusammen sein kann. Deutschland misst er einen hohen Stellenwert bei: „Als deutscher Politiker hat man auch Verantwortung für die Welt.“ Auch die Nähe zur Politik empfindet er in Deutschland anders. „In den Niederlanden haben wir ein anderes Wahlsystem. Da gibt es keine Wahlkreise, in denen man Politiker wählen kann.“ Die Platzvergabe erfolgt dort nur nach der Parteiliste. Dadurch hat er das Gefühl, dass die Politiker nicht so nah an den Menschen sind. „Deshalb gibt es vielleicht auch weniger Interesse an der Politik in den Niederlanden.“

Später ein politisches Amt in Deutschland zu übernehmen ist sein großer Wunsch. Im Moment ist er bei der Jungen Union aktiv und hat vor, bald der CDU beizutreten, um sich dann weiter zu engagieren. „Später im Bundestag zu sein wäre mein Traum.“