Eichhörnchen in Not Tier-Drama in Meppen mit Happy-End

Von Reinhard Fanslau


Meppen. Dramatik an der Meppener Freilichtbühne. Nicht nur in dem Singspiel „Im weißen Rössl“, das vor und nach der Sommerpause läuft, sondern auch neben der Bühne in der Tierwelt. Den Darstellern fielen vor kurzem zwei kleine Eichhörnchen auf. Die Tiere verhielten sich nicht normal.

Sie waren offensichtlich hungrig und durstig und irrten orientierungslos umher. Sonja Kaßburg, die im Stück die Briefträgerin Kathi spielt, nahm sich der in Not befindlichen Nagetiere an und brachte sie zu Tierschützerin Rita Gölnitz.

Wolfgang und Leopold

Vorher bekamen die da zirka vier Wochen alten Eichhörnchen von den Rössl-Darstellern noch Namen verpasst: Wolfgang und Leopold. Beides in Anlehnung an das Stück: Wolfgang, weil das wahre Hotel „Im weißen Rössl“ am Wolfgangsee in Österreich steht. Leopold, weil der Zahlkellner Leopold Brandmeyer die männliche Hauptperson des Singspiels ist.

Es war Rettung in höchster Not für die Tiere, wie sich dann herausstellen sollte. „Nur fünf Stunden später und die Eichhörnchen wären beide tot gewesen. Es war nicht sicher, dass sie durchkommen“, sagt Rita Gölnitz.

Wolfgang und Leopold waren vollkommen dehydriert und auf 50 Gramm abgemagert. „Die Köpfe waren dadurch viel zu schwer für die kleinen Körper“, berichtet die Expertin und ergänzt:

Verkotet

„Das muss man sich in etwa so vorstellen, als hätte ein einjähriges Kind den Kopf eines Dreijährigen.“ Wie es dazu kam, weiß die Tierschützerin nicht, aber sie vermutet Folgendes: „Entweder war die Mutter umgekommen oder sie war so krank, dass sie ihre Kinder nicht mehr ernähren konnte.“ Das war unter anderem daran zu sehen, dass die beiden kleinen Sorgenkinder verkotet waren. „Eine gesunde Mutter würde dafür sorgen, dass der Hintern immer sauber ist“, weiß die Meppenerin.

Gölnitz gab den Tieren eine spezielle Aufzugsmilch, die sie auch gerne schwächelnden Igeln verabreicht, wenn diese bei ihr in der Obhut sind. Zusätzlich bekamen Wolfgang und Leopold ein Mittel gegen Durchfall, denn „Durchfall wäre das Ende“, sagt die erfahrene Tierschützerin. Siehe da, es ging aufwärts mit den Eichhörnchen. Sie wurden lebhafter und schwerer, was ein sehr gutes Zeichen ist. Dann passierte etwas völlig Überraschendes. Die Tiere brauchten neue Namen.

Zwei Weibchen

Im abgemagerten Zustand war das Geschlecht schwer zu bestimmen. Als es ihnen besser ging, schaute die Expertin noch mal nach, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelte. Und siehe da, es waren zwei Weibchen. Aus Wolfgang und Leopold wurden so Sonja und Josepha. Auch diese beiden Namen haben wieder mit der Freilichtbühne zu tun. Sonja ist der Vorname der Schauspielerin, die sich der beiden Nager annahm. Josepha ist der Vorname der Wirtin Vogelhuber, die „Im weißen Rössl“ im Mittelpunkt steht.

Sonja und Josepha ging es immer besser

Sonja und Josepha ging es immer besser, die beiden brauchten mehr Auslauf. Rita Gölnitz brachte die Tiere zu ihrer Bekannten Petra Timm nach Dalum. Hier lebten die beiden ehemaligen Sorgenkinder auf einer Auffangstation in einer großen Voliere mit Ästen – für Eichhörnchen ideal.

Von Tag zu Tag wurden die beiden Eichhörnchen munterer und lebhafter. Mittlerweile sind sie wieder ausgewildert–in der Nähe der Meppener Freilichtbühne im Esterfelder Forst natürlich. Somit hat die Geschichte von Sonja und Josepha ein Happy-End. Genau wie die von Leopold und Josepha im „Weißen Rössl.“