„Das Geständnis“ von Klaus-Peter Wolf Emslandkrimi (34): Des Wissenden Last - Handeln oder schweigen

#emslandkrimi: Was passiert zwischen Bontje und Janssen und welche Rolle spielt Carlo Freytag? Foto: Manfred Fickers#emslandkrimi: Was passiert zwischen Bontje und Janssen und welche Rolle spielt Carlo Freytag? Foto: Manfred Fickers

Meppen. Carlo Freytags Weltbild wankte: Gut und Böse geraten durcheinander. Muss er handeln? Soll er schweigen? Lesen Sie heute Teil 34 des Emslandkrimis „Das Geständnis“ von Klaus-Peter Wolf.

„Erkläre, wo wir ihre Sachen finden und dann solltest du tot sein, bevor der Staatsanwalt dich ins Kreuzverhör nimmt und du am Ende doch wieder als Lügner dastehst, weil du dich in Widersprüche verstrickst, und ich sehe dann auch alt aus, wenn du …“

Des Wissenden Last - Handeln oder schweigen

„Ich …“ Tammo Janssen zitterte und konnte vor Aufregung nicht sprechen.

„Wie oft hast du versucht, dich umzubringen?“

„Viermal … nein, eigentlich fünfmal …“

Bontje legte zwei Tabletten in Tammo Janssens rechte Hand und drückte sie fest zusammen. „Damit wird es klappen, Junge. Diesmal gewinnst du.“

„Danke“, sagte Tammo Janssen gerührt. „Von ganzem Herzen danke. Und wo sind die Sachen von Andrea?“

Ruhig erklärte Bontje: „Es handelt sich um ihre Handtasche. Darin ein Portemonnaie mit Ausweis und Kreditkarte, Lippenstift, so Frauenkram halt. Und dann ist da auch noch ihr Handy.“

Die beiden sahen sich an wie zwei Freunde, die fest zusammenhalten und auch Bontjes Augen wurden feucht. Er flüsterte Tammo die entscheidenden Informationen ins Ohr.

Kapitel 7

Bontje verließ das Gefängnis leichtfüßiger als er gekommen war, als sei eine schwere Last von ihm gefallen.

Carlo Freytag war schlecht vor Angst. Es zerriss ihn fast. Er hätte Bontje nicht so ohne weiteres in die Zelle lassen dürfen. Und jetzt das! Er war Zeuge geworden. Er hatte alles gehört, aber eben doch nicht genug. Er hatte vor der Zelle gewartet, im Grunde gehofft, eingreifen zu können. Den Kommissar aus einer misslichen Lage zu befreien. Er war nur kurz zur Toilette gegangen. Immer wenn er nervös wurde, musste er dringend zur Toilette. Aber danach hatte er genug mitbekommen.

Jetzt stimmte sein Weltbild nicht mehr. Gut und Böse gerieten durcheinander.

Musste er handeln? Sollte er schweigen?

Er ging in den Verwaltungstrakt. Hier im Büro mussten irgendwo die Papiere liegen, die Elke Sommer unterschrieben hatte, um allein mit Tammo Janssen reden zu können. Und genau wie er hoffte, fand er dort ihre Handynummer.

Er zog sich auf die Toilette zurück. Noch immer kämpfte er mit sich. Er wollte einmal im Leben etwas Großes vollbringen. Jemanden retten. Eine Heldentat begehen. Er träumte davon, in der U-Bahn eingreifen zu können, wenn Rowdies ein junges Mädchen belästigten. Aber von so etwas las er immer nur in der Zeitung. In Meppen gab es keine U-Bahn.

War das hier seine Chance, zum Helden zu werden?


Vom 27. Juni zum 8. August ermittelt Elke Sommer täglich in Ihrer Tageszeitung und auf noz.de/emslandkrimi . In unserem Themenportal finden Sie auch alle bisher erschienenen Teile des Fortsetzungsromans und viele weiter Informationen rund um Autor Klaus-Peter Wolf und die Geschichte.