„Das Geständnis“ von Klaus-Peter Wolf Emslandkrimi (32): Der Voyeur

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#emslandkrimi: Hauptkommisar Bontje wartet auf Tammo Janssen. Foto: Dirk Hellmers#emslandkrimi: Hauptkommisar Bontje wartet auf Tammo Janssen. Foto: Dirk Hellmers

Meppen. Tammo Janssen liebte Frauen mit der Kamera, aber neben Andrea Paul verblassten alle. Lesen Sie heute Teil 32 des Emslandkrimis „Das Geständnis“ von Klaus-Peter Wolf.

Sie drehte die Spaghetti so rasch auf die Gabel, dass es ihr hinterher peinlich war. Trotzdem wischte sie den Teller sogar mit Weißbrot aus.

Der Voyeur

Die Fressorgie tat ihr gut. Sie hatte das Gefühl, sich in einem Hamsterrad abzustrampeln, das von innen fälschlicherweise aussah wie eine Karriereleiter.

Sie trank ein großes Pils mit einem Zug und bestellte sich noch eins und dazu einen doppelten Averna ohne Eis.

Sie sah sich um, aber die Leute, die in ihrer Vorstellung kopfschüttelnd mit Verachtung zusahen, gab es gar nicht. Das Pärchen da war mit sich selbst beschäftigt und die beiden Männer mit ihren Laptops. Da drüben las jemand Zeitung.

Warum, dachte sie, fühle ich mich immer falsch, nicht dazugehörig oder als Störfaktor?

Sie trank das zweite Pils und den sizilianischen Kräuterlikör, zahlte und ging in den Park. Sie rauchte im Gehen. So konnte sie am besten nachdenken.

Es fühlte sich an, als sei sie kurz vor einer großen Veränderung. Beruflich und auch privat.

Kapitel 6

Hauptkommissar Bontje legte das rechte Bein über das linke und versuchte völlig verkrampft, einen lockeren Eindruck zu machen. Er hatte sich den Stuhl mit dem Rücken zur Tür gestellt, sodass er sie mit dem Hinterkopf berühren konnte, wenn er sich anlehnte.

Er traute dem Wachmann vor der Tür nicht. Dieser Carlo Freytag war der typische übereifrige Lauscher. Dann hörte Bontje sich entfernende Schritte. Das entspannte ihn.

Tammo Janssen hätte sich am liebsten unters Bett verkrochen. Manchmal beherrschte eine Art Lebensangst ihn vollständig. Dann war dieses Gefängnis ein sicherer Ort für ihn. Er wollte keinen Besuch. Es reichte ihm, wenn er dreimal am Tag Nahrung bekam und auch das interessierte ihn eigentlich nicht. Selbst das Essen war, wenn es kam, meist nur eine Störung. Menschen mit all ihren Viren, Bakterien, Ansprüchen, den lauten Tönen, die sie machten, erschreckten ihn.

Er wollte gerne ein In-sich-selbst sein, wie er es für sich formulierte. Manchmal, wenn er sehr gut drauf war, schaffte er es, als Beobachter am Leben teilzunehmen. Als Voyeur. Als einer, der heimlich Fotos machte. Er liebte Frauen mit der Kamera. Das reichte ihm. In letzter Zeit meist Andrea Paul. Seit er sie kannte, wurden alle anderen belanglos. Unwürdig.


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