2289 genehmigte Fälle Betreuungsgeld im Emsland bisher ein großer Erfolg

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Stefanie Bertuch mit ihrer Tochter in der Einkaufspassage MEP in Meppen. Foto: R. PawelczykStefanie Bertuch mit ihrer Tochter in der Einkaufspassage MEP in Meppen. Foto: R. Pawelczyk

Meppen. Das Betreuungsgeld ist im Emsland ein echtes Erfolgsmodell. Das belegen Zahlen, die unsere Redaktion auf Anfrage beim Landkreis und der Stadt Meppen erhalten hat.

Von Ronnie Pawelczyk und Daniel Gonzalez-Tepper

Dennoch werden die betroffenen Familien in der Region auf das Geld nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Zukunft wohl verzichten müssen.

In Meppen war zum Stand 1. Juli Eltern in 296 Fällen Betreuungsgeld gewährt worden, zum Start des Zuschusses in Höhe von 150 Euro im November 2013 waren es nur 53 Fälle (siehe Grafik). Emslandweit ist bisher 2289 Mal ein positiver Bescheid ergangen (Papenburg 584, Lingen 461, Meppen 296 und alle anderen Städte 948 Mal).

In allen bewilligten Fällen werden die Zahlungen vorerst zwar weitergeführt, Anträge, die noch nicht bearbeitet sind, werden derzeit nicht weiter bearbeitet, teilte der Landkreis mit. Neuanträge sind derzeit gar nicht möglich. Sollten sich Bund und Länder gegen die Weiterzahlung des Betreuungsgeldes entscheiden, werden den Familien emslandweit rund 3,5 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen.

Eltern ist egal, wer zahlt

Eine kleine Umfrage unserer Redaktion in der Einkaufspassage MEP und auf dem Wochenmarkt in Meppen ergab: Den meisten Familien ist egal, ob das Geld vom Land oder dem Bund kommt, Hauptsache, das Geld fließt weiterhin. Lisa Karsten ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und auf das Betreuungsgeld teilweise angewiesen. Andererseits würde die 26-Jährige gerne arbeiten gehen, fühlt sich jedoch benachteiligt bei der Vergabe von Kitaplätzen. „Es ist ein Teufelskreis: Hat man keine Arbeit, bekommt man keinen Platz für das Kind, aber immerhin Betreuungsgeld. Hat man aber keinen Kitaplatz für das Kind, bekommt man auch keine Arbeit.“ Sollten die Zahlungen tatsächlich eingestellt werden, fordert sie, das Geld für den Ausbau von Kindergärten und mehr Personal zu verwenden sowie deren Schulung.

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Gleicher Meinung ist Ramona Schröelücke. „Das Geld sollte lieber von vornherein in Fachkräfte und Plätze investiert werden“, sagt die 32-Jährige. Sie kann sich glücklich schätzen, auf ihre Mutter Edith Kuschick (65) zurückgreifen zu können. „Man arrangiert sich eben, wenn es sein muss. Ich springe gerne ein, wenn es sein muss, zum Beispiel, wenn die Enkelkinder krank sind“, sagt die 65-Jährige. „Wechselschichten waren für uns früher auch kein Problem“, ergänzt sie. Aber nicht jeder habe eine Oma, die kurzfristig einspringen könne.

Stefanie Bertuch (35) meint: „Es ist die Aufgabe des Staates, für ausreichend und Kindergärten und Betreuungsplätze zu sorgen.“

Es sei in der heutigen Zeit schwieriger geworden, mit dem Verdienst durchzukommen, sagt ein Vater, der Betreuungsgeld erhält, namentlich aber nicht genannt werden möchte. Noch schwieriger sei es für Alleinerziehende.

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Auch Sven Schröder (36) ist Alleinverdiener. Der Vater von drei Kindern im Alter zwischen fünf Jahren und acht Monaten hat das Betreuungsgeld bisher nie beantragt und meint, dass es vor allem in den ländlichen Gegenden des Emslandes nicht immer einfach für die Eltern von Kleinkindern ist. „Ich halte es für sinnvoller, mehr Betreuungseinrichtungen zu eröffnen und sie finanziell zu unterstützen, damit jeder, der will, auch arbeiten gehen kann.“ Manche Kitas würden Kinder lediglich halbtags oder für wenige Stunden betreuen, dies sei jedoch zu wenig um einen Halbtagsjob anzutreten, da man oft zur Arbeit pendeln muss und die Zeiten nicht übereinstimmen.


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