Senioren berichten Meppen: Ausstellung zum Thema Alter


Meppen. Jeder Mensch äußert heute den Wunsch, möglichst alt zu werden. Das soll natürlich bei bester Gesundheit und finanzieller Absicherung der Fall sein. Niemand will aber wirklich als alt gelten oder dies gar sein. Der Landkreis Emsland präsentiert derzeit zwei Ausstellungen, die sich mit dem Alter und dem Altwerden befassen.

Im Mittelpunkt der Ausstellungen stehen Frauen. Sie stehen unter dem Motto „Anders als früher meine Oma?“ und „Wie will ich leben, wenn ich alt bin?“.

Landrat Reinhard Winter sagte bei der Ausstellungseröffnung in Meppen, dass bereits im Jahr 2009 das Seniorenservicebüro Niedersachsen im Landkreis eingerichtet worden sei. „Durch die demografische Entwicklung müssen wir vermehrt davon ausgehen, dass ältere Menschen einen erhöhten Bedarf an Unterstützung und Beratung haben“, so Winter. Mit Marlies Kohne als Gleichstellungsbeauftragter und Kerstin Knoll vom Seniorenstützpunkt fände man heute zwei Ansprechpartnerinnen vor, die sich mit den Veränderungen weiblichen Alters, seinen Potenzialen, auch den Widerständen, Glücksmomenten, Freiheiten und auch Schattenseiten befassten.

In Pantoffeln und mit einer Kittelschürze

Historikerin Kirsten Plötz aus Hannover erschien zunächst einmal, wie man sich die Großmutter einst, vielleicht aber vielerorts auch heute noch, vorstellt: in Pantoffeln und mit einer Kittelschürze bekleidet. Plötz sagte, dass sie absichtlich dieses Klischee gewählt hätte. „Die Oma mit selbst gebackenem Kuchen, häkelnd im Schaukelstuhl sitzend und sich um die Enkelkinder kümmernd, dieses Bild hält sich ganz hartnäckig“, so Plötz.

Das 16. und 17. Jahrhundert gelte als heute altersfeindlichste Epoche, in der alte Frauen als nutzlos angesehen worden seien. Zudem hätten einige Menschen, insbesondere auf dem Land, bis an ihr Lebensende arbeiten müssen, da es keine Absicherungen gegeben habe. Oft genug seien Frauen seinerzeit in die Bettelei abgeglitten, sagte Plötz.

Auch während der Nazi-Zeit gab es Drohungen gegen die Alten, was sich nach dem Krieg nur zögerlich änderte. Oft sei aber genau die Oma die Freundin der Enkel gewesen. Auch bei Rentenreformen seien es immer die Frauen gewesen, die schlechtergestellt worden seien. Dieses Prinzip habe sich bis zum heutigen Tag in der Gesellschaft gehalten, sagte die Historikerin.

Eine Mutter berichtet

Eine interessante Gesprächsrunde leitete NDR-Moderatorin Hedwig Ahrens, die mehrere Frauen zu Gast hatte, die im Emsland alt geworden sind. So berichtete zum Beispiel die 75-jährige Lore Vinke aus Rhede von ihren Erfahrungen, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte. Die fünffache Mutter erzählte, dass sie auch nach der Trennung sehr engagiert durchs Leben gegangen sei und immer mit anderen Menschen gerne zusammengearbeitet hätte. „So bin ich auch sehr aktiv im Seniorenbeirat des Landkreises und verfolge auch viele Fachvorträge, um später mein Wissen weiterzuvermitteln“, so Vinke. Vor 25 Jahren war Amalie Nillmeyer aus Russland nach Deutschland gekommen und musste, obwohl sie schon Rentnerin war, von vorne anfangen. „Der Umzug war schwer, alle Deutschen waren gegangen, und so wollten auch wir weg“, erzählte die ebenfalls 75-Jährige. Sie könne zwar kein Plattdeutsch sprechen, aber sie käme sehr gut mit dem Hochdeutschen zurecht. „Ich war immer als mehrfache Mutter berufstätig und hatte als Melkerin und Putzfrau schwer gearbeitet“, erzählte Nillmeyer.

Heute lebt sie nach dem Tod ihres Mannes in einem Seniorenhaus in Groß-Hesepe. „Ich bin zufrieden, und mir geht’s gut“, erzählt die Frau, die mit den noch in Russland lebenden Kindern jeden Abend per Skype verbunden ist.


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