Barde mit Emotionalität Karl Scott spielt in Meppen spirituell angehauchten Folk

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Der englische Barde Karl Scott bescherte seinen Zuhörern im Meppener Café Koppelschleuse einen eher untypischen Singer-Songwriter-Abend. Foto: Gerd MecklenborgDer englische Barde Karl Scott bescherte seinen Zuhörern im Meppener Café Koppelschleuse einen eher untypischen Singer-Songwriter-Abend. Foto: Gerd Mecklenborg

Meppen. Mit Karl Scott war ein fahrender Barde, der in ganz Europe von Schänke zu Schänke, von Dorf zu Dorf, von Wohnzimmer zu Wohnzimmer bummelt, zu Gast im Meppener Café Koppelschleuse.

Mit seinen Saiteninstrumenten und seinen gesäuselten Worten hat er so manch ein Lächeln, aber auch so manch andächtiges Mienenspiel auf die Gesichter der Zuhörer gezaubert. Scott ist eigentlich so ein typischer Singer-Songwriter und Folkmusiker, aber eben nur eigentlich. Äußerlich erinnert er ein wenig an einen indischen Heiligen mit Rauschebart und hochgesteckter lockiger Haarpracht.

Und so wie ein ständig in sich Ruhender spricht er auch, hauchleise und sehr schnell mit nordenglischem Akzent. Also schwer zu verstehen, was recht schade für die Konzertbesucher in den hinteren Reihen des gut besuchten Cafés war.

Aber: Schon nach dem ersten Song stellte sich heraus, dass Karl Scott aus dem nordenglischen Doncaster ein sehr außergewöhnlicher Künstler ist. Eindeutig im Vordergrund stehen bei ihm die Emotion und das Gefühl für sein Publikum und für den Ort, an dem er gerade musiziert.

Zwischen Young und Dylan

Stilistisch schwer einzuordnen ist er. Ein bisschen Indie, ein bisschen Neil Young und etwas mehr von Bob Dylan, wenn Scott seine Bluesharp an den Mund führt. Alle Songs stammen aus seiner Feder. Diese Stücke spielt er – unterwegs in seinem kleinen Bus, in Hotels oder bei Freunden „und überall, wo man mich mag“, sagt er lächelnd – in einem kleinen portablen Tonstudio ein, brennt dann seine CDs und fertigt die kunstvollen Cover. Seine Musik kam in Meppen mal sehr leise, dann wieder oberdynamisch, aber immer sehr emotional, oft mit „spirituellem Touch“ herüber. Scotts Können zeigte sich besonders in den Songs, die durch den ständigen Wechsel von der eher leisen und zarten Kopfstimme zur ausdrucksstarken, kraftvollen Bruststimme geprägt waren.

Interessant auch sein Gitarrenspiel. Auf teilweise einfachen Läufen und Riffs improvisiert er auf eine bereits bestehende Melodie aus eigener Feder und passt sie seiner aktuellen Stimmung und dem Klang der zwei verschiedenen Gitarren, eine davon eine Halbdobro mit herrlich metallischem Klangbild, an. Dabei experimentiert er mit unterschiedlichen Gitarren-Tunings und dem Einsatz von Capos.

Spiel mit der Lautstärke

Höchst interessant Scotts Spiel mit der Laut- oder besser Leisestärke, die der Emotionalität seiner Musikstücke eine ganz persönliche, seinem aktuellen Empfinden angepasste, Note gibt. Wie es im Café Koppelschleuse gute Sitte ist, lauschten die Konzertbesucher wieder absolut leise und konzentriert den teilweise sogar sehr komplexen Kompositionen und Improvisationen, bei denen Scott oft den Korpus seiner Gitarre als Percussion Instrument einsetzte.

Es gab keine musikalischen Höhenflüge zu bejubeln, aber es wurde ein außergewöhnlicher Singer-Songwriter-Abend in Meppen, den die Zuhörer mit herzlichem, lang anhaltendem Applaus belohnten.


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