Dichterwettbewerb „Redefluss“ Humor und Tiefsinn beim Meppener Poetry Slam


Meppen. Exquisite Dichtkunst bei lauschiger Atmosphäre am Püntkers Patt in Meppen: Beim vierten Poetry Slam auf dem Areal zwischen Ems und Hase trugen acht Wettbewerber ihre Texte vor. Das Publikum kürte schließlich eine Newcomerin zur Siegerin.

Mit rhetorisch starken Auftritten sowie stimmungsvoller Musik trumpfte am Samstagabend die vierte Auflage des Meppener Poetry Slams auf. Zwischen Fackeln auf Picknick-Decken machten es sich am Püntkers Patt rund 350 Leute gemütlich. Die Organisation des „Redeflusses“, auch die Bewirtung, hatte erneut das Team der „Kleinstadtkinder“ vom Meppener Jugendzentrum übernommen.

Die acht Slammer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet, um am Hase-Ufer ihre selbst geschriebenen Texte vorzutragen.

In den Pausen sorgten zwei Musiker für die passende klangliche Umrahmung. Semo alias Sebastian Molleker von der Band „A place to fall“ sowie Elektro Strothmann alias Markus Strothmann heizten dem Publikum mit ihren Akustik-Songs ein.

Entscheid per Münzabgabe

Jugendbetreuer Peter Ahlers eröffnete den Abend und erklärte die Spielregeln. Demnach wählten die Zuschauer ihre favorisierten Redner mit verteilten Münzen. Für jeden Slammer stand ein Sparschwein bereit, die das Publikum dann nach Gusto fütterte. Die Prozedur wurde dann für das Halbfinale und Finale wiederholt. Zur lyrischen Einstimmung trug Ahlers einen eigenen Text vor, der sich um die Auswüchse der Kommentarkultur im Internet drehte.

Dann traten die Wettbewerber nacheinander auf. Ansgar Hufnagel aus Stuttgart präsentierte seinen Text „Ein Mensch ist ein Mensch“. Denis Sandmann aus Lingen trat an mit „Gedanken zur Unsterblichkeit“, Marie-Theres Schwinn aus Berlin mit „Oma“, Anneke Beenke mit „Wenn Kängurus aus Beuteln fallen“, Tobias Reinartz aus Dinslaken mit „Ein Zoobesuch“, Felicitas Friedrich aus Bochum mit „Tick tick tick bumm“, Julius Besler aus Georgsmarienhütte mit „Ich bin ein Spieler“ und Theresa Sperling aus Nordhorn mit „Das Floß der Medusa“.

Ins Halbfinale schafften es Ansgar Hufnagel, Theresa Sperling, Marie-Theres Schwinn und Tobias Reinartz. Nach ihrer zweiten Rederunde wählte das Publikum Reinartz und Sperling ins Finale.

Pointen zünden

Sowohl die Themen der Texte als auch die Vortragsweise unterschieden sich bei den Wettbewerbern: Manche sprachen frei und akzentuiert, andere schnell wie Sprechgesang und vom Blatt ablesend. Humor und Tiefsinniges würzten die Vorträge, die besonders gut beim Publikum ankamen. So waren die Texte von Reinartz mit Pointen gespickt, sodass man noch lachte als sich der nächste Witz offenbarte. Etwa in den Auszügen seines „500-seitigen Kompendiums über das nachbarschaftliche Gegen- und Miteinander“. Dagegen punktete Sperling mit ihren tiefgründigen Ausführungen zu ernsteren Themen, etwa die selbstkritische Haltung heranwachsender Mädchen, die sie „Sezierung“ nennt.

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Damit entschied Sperling den Slam schließlich für sich und bekam von Moderator Ahlers einen Büchergutschein überreicht. Die Siegerin war von ihrem Erfolg überrascht. Erst im Mai habe sie Poetry Slam für sich entdeckt, erzählte sie. Die 34-jährige gebürtige Berlinerin lebt in Nordhorn mit ihren zwei Söhnen, ist ausgebildete Tänzerin und Germanistin. In Emlichheim arbeitet sie als Lehrerin und schreibt nebenher Jugendromane und Theaterstücke. Ihrer neuen Dichter-Leidenschaft werde sie erst mal treu bleiben, „Es macht so viel Spaß“, sagte Sperling glücklich.


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