Suche nach einem Soldatengrab Besonderer Auftrag für Reservisten aus dem Emsland



Meppen. Einen besonderen Auftrag haben die Reservisten der Bundeswehr mitgenommen, die am Samstag, in Meppen nach Ostpreußen zur Kriegsgräberpflege aufgebrochen sind. Sie sollen ein einzelnes Soldatengrab aus den Anfangsmonaten des Ersten Weltkriegs 1914/15 finden. Elisabeth Lorenz, die als Kind das Grab bis zur Flucht 1944 pflegte, hat darauf aufmerksam gemacht.

Die schrecklichen Folgen der Kämpfe zwischen Deutscher Wehrmacht und Roter Armee im Herbst und Winter 1944/45 für die Zivilbevölkerung hat die heute in Brake, Unterweser, lebende Ostpreußin nicht vergessen. Als sie in einer Zeitschrift eine Gratulation zum 70. Geburtstag von Manfred Dannebauer las, erinnerte sie sich an eine Familie mit neun Kindern. Auf dem Weg von ihrem zwei Kilometer entfernten Heimatort Grundhufen zu Besuchen bei Verwandten war sie häufig am Gehöft der Familie Dannebauer in Edern vorbei gegangen. „Ich habe nicht geglaubt, dass das Neugeborene der Familie diese Strapazen und Gefahren überlebt hat“, sagte Lorenz. Sie nahm Kontakt zu Manfred Dannebauer in Achim bei Bremen auf, er war tatsächlich das jüngste Kind der Familie aus dem Nachbardorf. Beim Treffen in Brake im Februar dieses Jahres servierte Lorenz natürlich Königsberger Klopse, erzählte Dannebauer.

Beide Ostpreußen haben die alte Heimat im heutigen russischen Gebiet Kaliningrad nach 1990 mehrmals besucht. Schwierig war die Orientierung, denn dort, wo einst Dörfer, Ackerland und Wiesen waren, ist fast nichts mehr vorhanden, was noch an früher erinnert. „Das Unkraut und die Disteln reichten uns bis an die Schultern“, berichtet Lorenz von ihrem Besuch 1991. Bei der Suche nach dem Elternhaus zusammen mit seinem älteren Bruder erlebte Dannebauer eine Überraschung. Der Soldatenfriedhof, neben dessen Umfassungsmauer sein Elternhaus gestanden hat, war in tadellosem Zustand. Von seinem russischen Fahrer erfuhr er, dass die Reservistenkameradschaft, Kreisgruppe Emsland-Grafschaft Bentheim, die Anlage ab 2009 im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hergerichtet hat und pflegt.

Das Ehepaar Dannebauer besuchte zusammen mit Elisabeth Lorenz die Reservisten in Meppen um auf ein einzelnes Soldatengrab auf dem Dorffriedhof von Grundhufen aufmerksam zu machen. Der Koordinator des Volksbundes, Horst Richardt, ist froh über diesen Hinweis. Es sei in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs nicht ungewöhnlich gewesen, dass Soldaten dort bestattet wurden, wo sie gefallen sind. Als größere Soldatenfriedhöfe angelegt wurden, hätten sich manche Gemeinden geweigert, einer Umbettung zuzustimmen.

Ihre Eltern hatten Elisabeth Lorenz und ihre Geschwister ermuntert, sich um das einzelne Soldatengrab zu kümmern. Deshalb hatte sie 1995 bei ihrer Reise mit ihrem in Meppen lebenden ältesten Sohn den auf einem Hügel liegenden Dorffriedhof gesucht. Sie fand ihn, weil sie den Birnbaum erkannte, der neben der Friedhofsmauer stand. Alles war dort überwuchert, auch das Soldatengrab, allerdings konnte sie noch den Grabstein entdecken.

Mit diesen Hinweisen und der Kopie einer alten Karte wollen sich die Reservisten auf die Suche begeben. Gerd Gerske (Reservistenkameradschaft) und Horst Richardt die in Meppen mit den Gästen sprachen, wollen vor Ort prüfen, ob das Einzelgrab hergerichtet werden kann, oder ob eine Umbettung zum Friedhof Edern sinnvoll ist.


Tote aus drei Schlachten

Auf dem Soldatenfriedhof Edern in Ostpreußen, unweit der früheren russisch-deutschen Grenze, sind 66 deutsche und 366 russische Gefallene der Kämpfe aus der Zeit 1914/15 bestattet. Das 460 Quadratmeter große Areal ist ab 2009 in mehreren Arbeitseinsätzen von Reservisten wieder in einen würdigen Zustand versetzt worden. Die Friedhofsmauer wurde repariert, die von Bäumen und Büschen überwachsenen Gräber freigelegt und Rasen eingesät. Die noch vorhandenen Grabsteine sind wieder aufgerichtet worden. In diesem Jahr sollen die Arbeiten vollendet werden.

Im Regierungsbezirk Gumbinnen, heute Gussev, zu dem Edern gehört, fanden im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) am 19. und 20. August 1914 die ersten großen Kämpfe zwischen russischen und deutschen Truppen statt. Der Versuch der deutschen 8. Armee, die russische 1. Armee über die Grenze zurückzudrängen, scheiterte. In der Schlacht an den Masurischen Seen vom 6. bis zum 14. September wurde erneut im Bezirk Gumbinnen gekämpft. Die Frontlinie verlief danach mitten durch den Regierungsbezirk. Erst in der Winterschlacht in Masuren zwischen dem 7. und dem 22. Februar 1915 wurden die letzten russischen Einheiten vertrieben.

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