Naturgarten auf dem Dach Vortrag über Dachbegrünung in Meppen


Meppen. Carport- und Garagendächer sind meistens vor allem eines: regendicht, aber langweilig und tot. Dass es auch anders geht, hat Wolfgang Ansel, Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtner Verbandes, bei einem Vortrag in Meppen gezeigt.

Denn schon seit den 1980er Jahren gibt es die Idee, Dachflächen zum Leben zu erwecken. Ursprünglich ging es um das Auffangen von Regenwasser, das nicht mehr nutzlos und wegen der vorzuhaltenden Infrastruktur teuer im Kanal abfließen sollte. „Regenwasserrückhaltung ist in Großstädten auch heute noch ein Thema“ berichtete Ansel im Meppener Ratssaal. Immerhin gut die Hälfte des Niederschlagswassers werde durch einen begrünten Dachaufbau im Jahresschnitt zurückgehalten.

In Städten wie Berlin hat der Bau eines Gründaches positive Auswirkungen auf die Höhe der Regenwasserabgabe – sie sinkt, was eine indirekte Förderung darstellt. In Meppen gibt es Derartiges nicht.

Wie Baudezernent Dieter Müller und Klimaschutzmanager Ludger Frese berichteten, wird der Bau eines Gründaches weder gefordert noch gefördert. Dennoch habe man sich dafür entschieden, einen Vortrag zum Thema zu organisieren und so für mehr Verbreitung der grünen Kleinbiotope in luftiger Höhe zu werben, sagte Müller. „Wenn alle Städte entlang von Ems und Hase mehr Gründächer hätten, gäbe es zum Beispiel weniger Hochwasserrisiken, sagte Müller.

Längere Lebensdauer

Wolfgang Ansel nannte viele weitere Vorteile eines Gründaches. So verlängere es die Lebensdauer einer Dachabdichtung zum Teil erheblich um 15 bis 20 Jahre, weil die sonst extremen Witterungseinflüsse weitgehend entfallen. Die Energiebilanz von Gebäuden verbessere sich, Lärm werde gedämmt und das Stadtklima vor allem im Sommer verbessert. Werde eine Solaranlage statt auf einem mit schwarzer Teerpappe abgedichteten Dach auf einem Gründach montiert, steige die Stromausbeute um 1,5 bis 2 Prozent, weil die Solarmodule länger in ihrer Optimaltemperatur arbeiten könnten.

Dachgärten mit stärkerem Aufbau vergrößerten zudem den Lebensraum des Menschen, sogar das „urban gardening“, das Gärtnern auf dem Dach werde möglich. Und nicht zuletzt biete ein Gründach neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere „und das ohne zusätzliche Grundstückskosten.“

All diese Vorteile hätten dazu geführt, dass zum Beispiel in Paris bis 2020 eine Million Dächer und Fassaden begrünt werden sollten oder das Stuttgart wegen seiner Kessellage schon seit Jahren auf Gründächer setze.

Auch in Meppen gibt es bereits größere Gründächer, zum Beispiel auf dem Kauflandgebäude, der Kita Matthias Claudius oder der Schule am Helter Damm. war fördert die Stadt Meppen Gründächer nicht, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat sie aber bei Sanierungen in die Liste der förderfähigen Maßnahmen aufgenommen.

Die einfachste Begrünung, ein sogenanntes Extensivdach, kann überall dort aufgebracht werden, wo auch Kies als Auflage statisch erlaubt wäre. Für Flächen von 20 bis 40 Quadratmetern kostet das Material etwa 1000 Euro plus Aufbaukosten. Wer handwerklich ein wenig geschickt ist, kann selbst bauen. Flächen ab 200 Quadratmetern und größer sollte ein Fachmann begrünen. Das kostet dann 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter.

Informationen und Adressen gibt es unter im Netz www.dachgaertnerverband.de


Checkliste für die Planung und Ausführung der Dachbegrünung (Quelle: Deutscher Dachgärtner Verband e.V.)

1. Dachkonstruktion

◦ Statik prüfen, bei Neubau Statik auf den Gestaltungswunsch abstimmen

◦ Dachneigung: zusätzliche Hilfsvorkehrungen (stabile Traufe etc.) ab ca. 10°

◦ Dachabdichtung: Ist-Zustand feststellen (Wurzelfestigkeit, Mängel und Schäden)

2. Wichtige Fachliteratur und Regelwerke für begrünte Dächer

◦ Flachdachrichtlinien, Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e.V. (ZVDH)

◦ Dachbegrünungsrichtlinie, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL)

◦ Fachinformationen des Deutschen Dachgärtner Verbandes e.V. (DDV)

3. Genehmigung und Förderung

◦ Extensivbegrünung: in der Regel genehmigungsfrei

◦ Intensivbegrünungen / Dachgärten: meistens genehmigungspflichtig

◦ Kommunale Fördermöglichkeiten beim DDV nachfragen

4. Dachbegrünungstyp

◦ Extensive Dachbegrünung, einfache Intensivbegrünung oder Intensivbegrünung/Dachgarten mit Nutzung?

5. Zusatzfunktionen

◦ Wärmedämmung, Regenwassernutzung, Kombination mit Solaranlagen

6. Systemaufbau

◦ Systemaufbau auf Dachkonstruktion, Dachbegrünungstyp und Pflanzenauswahl abstimmen

7. Materialbeschaffung und Verarbeitung

◦ Fachhändler- und Fachbetriebsliste: www.dachgaertnerverband.de

◦Bester Zeitpunkt für die Angebotserstellung: Winterhalbjahr

◦Bester Zeitpunkt für die Ausführung: April-September

8. Pflanzenauswahl

◦ Extensivbegrünung: Pflanzenarten der Mauer- und Trockenrasengesellschaften

◦Intensivbegrünung: kaum Einschränkungen

9. Begrünungsmethoden (Extensivbegrünung)

◦ Saatgut/Sprossenaussaat/Flachballenpflanzen/Vegetationsmatten

◦ Pflanztermin Frühjahr-Herbst, beste Anwachsergebnisse Mai/Juni

10. Pflege der Dachbegrünung

◦Extensivbegrünung: nach der Fertigstellungspflege 1-2 Kontrollgänge pro Jahr

◦ Intensivbegrünung: Pflegemaßnahmen wie bei einem normalem Garten

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