Ausstellung in Fullen eröffnet Kunstvoll gestaltete Stühle helfen bei Integration

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Meppen. „Nimm Platz“ heißt eine bistumsweite Aktion, bei der Schulen, Gemeindegruppen und Einrichtungen der Behindertenhilfe 31 Stühle künstlerisch gestaltet haben. Herausgekommen ist eine bunte Vielfalt von Ideen und Bildern zum Thema Andersartigkeit, Ausgrenzung und Benachteiligung.

„Schau mal, der Stuhl ist ja toll.“ „Wow, den finde ich beeindruckend.“ Gut sechs Dutzend Interessierte sind zur Eröffnung der Ausstellung „Nimm Platz“ in die St. Vinzentius-Kirche in Groß Fullen gekommen. Deren Reaktion ist eindeutig: Die Besucher sind baff, wie kreativ, unterschiedlich und bunt die 31 Stühle geworden sind und wie tiefgründig oft die dahinter stehende Botschaft ist.

Das Bistum Osnabrück hatte im vergangenen Jahr zu der Aktion aufgerufen, um die Themen Andersartigkeit, Ausgrenzung und Benachteiligung ins Blickfeld der Bevölkerung zu rücken. „Wir haben den Abgabezeitpunkt mehrmals verlängert, weil uns die Teilnehmer darum gebeten haben“, berichtet Michael Knüpper vom Vitus-Werk, der als Seelsorger für Menschen mit Behinderung die Aktion im Raum Meppen koordiniert hat. Die Entscheidung hat sich gelohnt. „Jedem Stuhl ist anzumerken, mit wie viel Freude die Künstler die Aufgabe umgesetzt haben“, sagt Knüpper. Steckbriefe in DIN A 3-Format helfen den Betrachtern dabei, die Grundidee der Teilnehmer zu erläutern.

Muth-Schule geehrt

Drei Gruppen, die sich besonders viel Mühe bei der Gestaltung der Stühle gegeben hatten, erhielten von Christiane van Melis, Diözesanbeauftragte für Menschen mit Behinderung, ein Präsent. Dazu gehören zwei Klassen der Jakob-Muth-Schule Meppen , die einen Snoezelstuhl gestaltet hatten. „Er dient der Entspannung, gleichzeitig aber auch der Aktivierung“, erläutert Schulleiterin Elisabeth Wittenbrink, die den Preis stellvertretend entgegennahm. Im Werkunterricht hatten sich die Schüler mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung zunächst über Materialien informiert, sie nähten und hämmerten, sogar Elektrik wurde eingebaut, sodass Musik hören bei weichem Licht möglich ist.

Weiterlesen: Auch die Inklusionsmannschaft Sögel hat einen Stuhl gestaltet

Einen Mädchentraum in rosa und mit roten Rosen verwirklichten Liza und Franziska Schmitz. Die beiden Schwestern sind mit einer Muskelerkrankung auf den Rollstuhl angewiesen und leben in der Wohnanlage Deichstraße des Vitus-Werks. „Der Stuhl ist alles andere als gewöhnlich. Er taugt sowohl als Ort der Stille als auch als Stätte der Begegnung. Auch das Träumen und Entspannen kommt bei diesem Stuhl nicht zu kurz“, lobt van Melis.

Die dritte Auszeichnung geht an die katholische Jugend Obergrafschaft Bentheim. „Welche Nase ist hier eigentlich behindert“, fragt die Gruppe auf ihrem Stuhl, der mit bunten Punkten, die mit Nasenspitzen gemacht wurden, und Fotos gestaltet wurde. „Inklusion muss in der Praxis radikal gelebt werden. Wenn jemand anders ist, muss man ihn mitlaufen lassen. Wer gezielt hinschaut, erkennt möglicherweise Unterschiede, aber viel wichtiger ist, dass wir eine Gruppe sind, die Spaß miteinander hat“, erklärt Gruppenleiterin Eva Schumacher.

Die Ausstellung ist noch 14Tage tagsüber in der St.Vinzentius-Kirche in Groß Fullen, Hohe Straße 1, zu sehen. Im Juli zieht die Ausstellung weiter nach Oesede, im September ist sie in Lingen im Ludwig-Horst-Haus zu sehen, im Oktober und November in Marstall Clemenswerth in Sögel.


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