Verdienstorden für Alsmeier Der lange Kampf eines Meppeners gegen Tumore

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. Dem Meppener Gerhard Alsmeier ist Montag die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden. Er leidet seit der Kindheit unter der seltenen Hippel-Lindau Erkrankung (VHL). Trotzdem hilft er seit vielen Jahren anderen Betroffenen.

Landrat Reinhard Winter überreichte die hohe Auszeichnung im Meppener Ratssaal. Er lobte das Engagement des 53-Jährigen. Dieser gründete 1999 die erste bundesweit tätige Selbsthilfegruppe „Verein von Hippel-Lindau betroffener Familien“ . Noch heute sei er deren Vorsitzender. „Aufklärung, Information und Austausch - diese drei Elemente stehen im Mittelpunkt ihrer ehrenamtlichen Aktivitäten“, sagte Winter. Alsmeier führe diverse Informationsveranstaltungen durch. Zudem gelang es ihm, VHL-Selbsthilfegruppen aus ganz Europa unter einem Dach zusammenzuführen. Dank der Initiative des Meppeners fand vor zwei Jahren das erste europäische Treffen in Madrid statt. „Zurzeit widmen Sie sich dem Aufbau einer Biomaterialdatenbank, um eine weitere Grundlage für die VHL-Forschung zu schaffen“, ergänzte Winter.

Der Landrat erinnerte an den langen Leidensweg von Gerhard Alsmeier. Bereits im Kindesalter wurden erste Tumore entdeckt und entfernt. Dabei verlor er eine Niere. Ohne dass die Ärzte die Ursache fanden, verschlechterte sich 1988 die Sehkraft rapide. 1993 folgten zwangsläufig Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung. Nach mehreren Fehldiagnosen, u.a. an Universitätskliniken, entdeckte erst Professor Dr. Hartmut Neumann von der Universitätsklinik Freiburg 1999 die Ursache der Tumore. Neumann war es auch, der Alsmeier für den Verdienstorden vorschlug. Der Mediziner bezeichnete den Meppener gestern im Ratssaal als „Glücksfall“. Bürgermeister Helmut Knurbein sagte: „Wir Meppener freuen uns mit Ihnen für die tolle Würdigung.“

Die stellvertretende VHL-Vorsitzende, Dagmar Rathergänzte, Gerhard Alsheimer habe sich die Auszeichnung wirklich verdient. „Du bist seit 16 Jahren die gute Seele des Vereins.“ Dank seiner Tätigkeit sei nicht nur die Forschung forciert worden, sondern auf der Homepage finde sich auch ein ausgezeichneter Leitfaden für Betroffenen. In seiner Dankesrede zum Abschluss des Festaktes kämpfte der 53-Jährige mehrfach mit den Tränen: „Ich bin sehr gerührt. Ich danke besonders meiner Ehefrau Gerlinde.“ Sie unterstütze ihn tatkräftig. Aber auch den anderen Vorstandskollegen gebühre Dank und Anerkennung: „Durch meine Arbeit habe ich viele Menschen kennengelernt, die auf bewundernswerte Weise ihr Leben meistern.“ Sie fänden trotz der Rückschläge immer wieder Kraft, sich zu berappeln. Er habe großen Respekt vor allen VHL-Betroffenen.


ma Meppen. Die seltene erbliche Tumorerkrankung von Hippel Lindau (kurz VHL) kann unterschiedliche Organe befallen. Am häufigsten sind die Augen, das Kleinhirn und Rückenmark , die Nieren und Nebennieren sowie die Bauchspeicheldrüse betroffen. Ein Netzhauttumor kann zur Beeinträchtigung des Sehvermögens, zur Netzhautablösung, bis hin zur Erblindung führen. Kleinhirntumore verursachen Kopfschmerzen, Übelkeit und Gangstörungen. Rückenmarkstumoren lösen Lähmungen, Taubheit in umschriebenen Hautbezirken und Schwäche in einzelnen Muskelgruppen aus. In den Nieren können Nierenzysten und Nierentumoren entstehen. Die Nierentumoren entwickeln sich bösartig.

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