Gartenhäuser aus dem Internet Zwei Meppener starten mit „steda“ bundesweit durch



Meppen. Typische Start-up-Unternehmen, die durch das Internet erfolgreich werden, gibt es nicht nur im Silicon Valley in den USA. Im Meppener Ortsteil Rühle haben Daniel Heidemann und Stefan Brüggemann innerhalb weniger Jahre ein Unternehmen mit Millionenumsatz geschaffen. Bundesweit gehören sie vier Jahre nach Firmengründung zu den erfolgreichsten Internethändlern für Terrassendächer und Gartenhäuser.

„Steda Glas & Gartendesign“ haben sie ihr Unternehmen genannt, steda steht für Stefan und Daniel. So einfach wie die Namensgebung ist auch das Geschäftsmodell: Im Internet hochwertige Ware preisgünstig anbieten, das Einkaufs- und Versandsystem perfektionieren und dazu kundenfreundlichen Service bieten. Dabei dürfte es kaum überraschen, dass der Weg dorthin bei Weitem nicht so einfach war, wie es zunächst klingt.

Daniel Heidemann und Stefan Brüggemann sind erst 28 Jahre alt und kennen sich schon ihr Leben lang. Sie wuchsen in derselben Straße in Rühle auf, spielten gemeinsam im Sandkasten, gingen zur Schule, machten eine Ausbildung: Brüggemann in der Glasbranche, Heidemann bei einem Anbieter von Gartenhäusern und Gartendeko. „Wir wollten immer mal was zusammen machen“, sagen sie rückblickend, und das taten sie auch, nämlich am PC.

„Wir haben einen online-Fußballmanager gespielt, an dem Hunderte Spieler beteiligt waren“, sagt Heidemann. Am Saisonende hatten die beiden Fußballfreunde die Idee, für sich und ihre Mitstreiter einen Glaspokal zu kreieren und ihn mit passender Gravur zu versehen. Einen Prototyp schickten sie an den Spielebetreiber, hörten ein halbes Jahr lang nichts und bekamen dann nach einigem Austausch eine Bestellung über 500 Glaspokale. Im November 2008 startete „B&H Glasdesigns“ als Feierabendfirma.

Ein Stier als Logo

Im Zuge der Aufbauarbeiten mit Webauftritt und online-Shop stellte Stefan Brüggemann auch ein paar Quadratmeter Glas für Terrassenüberdachungen bei einem online-Auktionshaus ein – einfach mal so, um zu sehen, ob es dafür einen Markt gab. Es gab ihn, mehr als 200 Anfragen kamen gleich am ersten Wochenende per Mail, vielleicht weil Glas bundesweit zu sehr unterschiedlichen Preisen gehandelt wird.

Die Geschäftsidee wandelte sich fortan – statt Glaspokalen verkauften die beiden Meppener im Nebengewerbe Glas und bald auch Gartenhäuser – in beiden Bereichen kannten sich die Jungunternehmer ja bestens aus. Die Ware kauften sie ein, konfektionierten sie bei sich zu Hause, beluden auch mithilfe ihrer Väter Ludger Heidemann und Ewald Brüggemann am Wochenende Lkw, die dann durch Deutschland rollten.

Immer besser lief das Geschäft, aber die Arbeit dauerte inklusive der Hauptjobs bis tief in die Nacht – ein Masterplan musste her. Heidemann und Brüggemann gingen ins Risiko, gründeten 2011 Steda und zogen in die Rühler Dorfstraße, wo eine Landmaschinenschlosserei samt Hallen frei geworden war. Eine Werbeagentur hatte die Idee für einen Stier als prägnantes Logo, mit der Basecom, einem Unternehmen des Medienhauses Neue OZ, professionalisierten sie ihren Web-Shop und die Findbarkeit bei Google.

Alles lief nach Plan, beide kündigten 2011 ihre Jobs, Brüggemann hatte nebenbei auch noch Betriebswirtschaft studiert. Ein Existenzgründerzuschuss vom Arbeitsamt half die ersten neun Monate weiter. „Wenn es nicht geklappt hätte, wären wir wieder in unsere Berufe eingestiegen“, sagt Brüggemann. „Wir waren ja noch jung.“

Tatsächlich ging das Geschäft aber jetzt erst richtig los. 2012 wurde die erste Mitarbeiterin eingestellt, 2013 begann ein Subunternehmen damit, Terrassendächer und Gartenhäuser auch zu montieren. „Das hat offenbar den Nerv der Kunden getroffen“, sagt Heidemann. Inzwischen beschäftigt steda sieben eigene Monteure, die mit mehreren Fahrzeugen meistens im Umkreis von gut 200 Kilometern um Meppen ausliefern und aufbauen. Die Kunden für die Bausätze kommen derweil aus ganz Deutschland, aber auch aus den
Niederlanden oder Österreich.

Weil der Markt weiter wächst, hat steda noch im Juni in Emsbüren den bisher größten Schritt in der jungen Firmengeschichte vor: Auf 7000 Quadratmetern stellt steda Häuser, Überdachungen, Carports, Markisen oder Pflaster aus, dazu gibt es 2000 Quadratmeter Lagerfläche und ein Bürogebäude.

„Unsere Ausstellung ergänzt das große Angebot an Gartengestaltung und Einrichtung, das sich dort etabliert hat“, sagt Heidemann. Der Hersteller jener Aluprofile, die steda für die Terrassendächer verwendet, hat in Emsbüren eine Produktion aufgebaut und suchte einen kompetenten Partner für die Präsentation einer Gartenerlebniswelt. „Wir haben den Zuschlag bekommen“, freut sich Brüggemann.

Ausbau in Emsbüren

Die junge Firma dürfte damit noch weiter wachsen. Schon jetzt hat steda 23 Angestellte, und die beiden Gründer sind stolz auf ihr junges, engagiertes Team. Der Umsatz liegt deutlich im sechsstelligen Bereich, und der Firmensitz in Rühle droht zu klein zu werden. „Wir wollten 2011 eigentlich zunächst das meiste untervermieten“, sagt Heidemann. „Gut, dass wir das nicht gemacht haben.“


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