„Wir kämpfen für die Rechte unserer Kinder“ 7627 Unterzeichner für Erhalt der Förderschulen Lernen im Emsland

Von Heiner Harnack

Landrat Reinhard Winter (2. v. li.) nahm über 7600 Unterschriften von Andreas Heitmann, Doris Jansing und Karl-Heinz Möckel (von links) entgegen. Foto: Heiner HarnackLandrat Reinhard Winter (2. v. li.) nahm über 7600 Unterschriften von Andreas Heitmann, Doris Jansing und Karl-Heinz Möckel (von links) entgegen. Foto: Heiner Harnack

Meppen. Im Landkreis Emsland besuchen derzeit 1101 Kinder eine Förderschule Lernen. Den Initiatoren einer Petition zum Erhalt der Schulen ist es seit Anfang März gelungen, 7627 Unterzeichner für ihr Anliegen zu gewinnen. Eine Abordnung übergab jetzt im Meppener Kreishaus ein mehrere Kilogramm schweres Paket mit Unterschriften an Landrat Reinhard Winter.

Doris Jansing wurde bei der Übergabe der Unterschriften sofort sehr deutlich und sagte, dass es für die Kinder unzumutbar sei, wenn sie im Regelschulbereich mitbeschult würden. „Ich empfinde es als Diskriminierung, weil die Kinder nicht die angemessene Förderung erhalten.“

Ihre Begleiter Karl-Heinz Möckel und Andreas Heitmann machten klar, dass niemand etwas gegen die Inklusion im Schulbereich habe. Aber man müsse bedenken, dass hier zu schnell etwas umgesetzt werden soll, was deutlich mehr Zeit benötige.

Heitmann, selbst betroffener Vater, sagte, dass man für die Kinder keine Betreuer brauche, sondern Lehrer, die den Kindern Bildung vermitteln. „Unsere Kinder müssen rechnen und lesen können.“ In den Plänen der niedersächsischen Landesregierung würde dies einfach wegfallen. „Hier soll etwas auf Kosten der Kinder und der Lehrer umgesetzt werden, ohne dass die nötigen Voraussetzungen geschaffen wurden“, so Möckel.

Wenn in einer Klasse ein Kind mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) sitze oder ein anderer Schüler einfach aus dem Unterricht laufe, müsse sich der Lehrer sofort um diesen Schüler kümmern und logischerweise die anderen vernachlässigen. Dann sei schon ein Opfer gefunden und das Mobbing folge fast auf dem Fuße.

„Es ist schlimm genug, dass die Eltern so die Interessen ihrer Kinder vertreten müssen. Wir sind für die Erziehung zuständig und nicht dafür, dass wir die passenden Schulen suchen und auf die Straße gehen müssen“, sagte Jansing und fügte hinzu: „Wir kämpfen für die Rechte unserer Kinder, weil das Kindswohl nicht berücksichtigt wird!“ In den anderen Schulen kämen die Kinder mit abgehetzten Förderschullehrern zusammen, die von Schule zu Schule reisen müssten und lediglich über zwei Stunden Zeit verfügten, so sagten die drei Vertreter der Initiative weiter.

Landrat Winter versprach, dass er sich auch schriftlich nach Hannover wenden und der Landesregierung und den Oppositionsparteien die Problematik noch einmal verdeutlichen werde. Zudem werde er die Unterschriften auch noch einmal selbst mit in die Landeshauptstadt nehmen, so der Verwaltungschef.

Enttäuscht zeigte sich die Initiative, dass nach der bereits am 5. Mai vorab als
E-Mail übersandten Petition das Büro von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) nicht reagiert habe. Debattiert wird das Thema auch am Montag, 18. Mai, im Kreistag des Landkreises Emsland.


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