Integration brauch Verständnis Diskussion über Willkommenskultur in Meppen

Von Helmut Diers

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Meppen. „Weltweit 2014 mehr als 51 Millionen Flüchtlinge“, „Verkraftet unsere Region weitere Asylbewerber?“, „Suizidversuch in Lingen löst tiefe Betroffenheit aus“: Mit diesen und weiteren Schlagzeilen eröffnete im Kino Meppen VHS-Direktor Matthias Walter ein Podiumsgespräch zum Thema Willkommenskultur.

Dazu eingeladen hatten die Arbeiterwohlfahrt (Awo), das DRK, der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und die Integrations- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Meppen, Elisabeth Mecklenburg. Das Podiumsgespräch verfolgten noch rund 100 Zuschauer von zuvor rund 200, die den 90-minütigen Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ sahen.

Der Film zeigt, ohne rührselig zu werden, welche Vorurteile und Ängste in der Bevölkerung aufkommen, wenn nebenan wie im Dorf Appel im Landkreis Harburg 53 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Die Bürger der 400-Seelen-Gemeinde begegnen den Neuankömmlingen mit Argwohn.

Der Dokumentarfilm lässt beide Seiten zu Wort kommen, ohne zu urteilen, macht aber deutlich, wie vielfältig Probleme durch ständig wachsende Flüchtlingszuweisungen auftreten. Zugleich kann dem Film entnommen werden, dass die Bevölkerung ausführlich informiert und bei der Aufnahme zwingend mit auf den Weg genommen werden muss. „Mit dem Film und dem Podiumsgespräch wollen wir eine Diskussion über unsere Willkommenskultur anstoßen“, hatte Mecklenburg zur Begrüßung der Zuschauer und Zuhörer gesagt.

Auf dem Podium waren Propst Dietmar Blank, Bürgermeister Helmut Knurbein, Heinz Jansen als Mitglied der Härtefallkommission Niedersachsen, Tim Schmidt-Weichmann vom Kreissportbund, der Integrationslotse Michael Straeck, die Sozialdezernentin des Landkreises Sigrid Kraujuttis und Mohamed Al Aswad, Vorsitzender des Vereins „Zusammenkunft der Kulturen“, einhellig der Meinung, dass eine gelingende Integration Verständnis füreinander verlange und man sich mit Hilfsbereitschaft und Respekt begegne.

„Wir haben uns schon sehr früh mit dem Thema Migration und Willkommenskultur beschäftigt“, verwies Knurbein darauf, dass die Stadt mit der Einsetzung einer Integrationsbeauftragten eine Schlüsselfigur geschaffen habe, die als Koordinierungsstelle arbeite.

Zurzeit könne man die zugewiesenen Flüchtlinge im Stadtgebiet noch dezentral unterbringen. Stark sei bei der Integration das Ehrenamt gefragt. Beispiele des Ehrenamts zählte Propst Dietmar Blank als Vorsitzender der ökumenischen Pfarrkonferenz auf. „Wir versuchen, in der Gemeinde eine Willkommenskultur zu leben. Dort, wo man Freundschaft schließt, ist man nicht fremd“, erklärte Blank, wie etwas in kleinem Rahmen und persönlichem Kontakt, aber auch gemeindeweit gelingen kann. Aufklärung tue dabei der Bevölkerung gut.

Persönliche Schicksale

Jansen, der „wieder in die Arbeit als Sozialarbeiter von vor 30 Jahren gerutscht“ ist, erläuterte die Aufgaben der Härtefallkommission und unterstrich, dass dort ohne Rücksichtnahme auf viele Vorschriften das persönliche Schicksal der Asylbewerber betrachtet und nach „Durchleuchten der persönlichen Gegebenheiten“ entschieden werden könne. Er kritisierte massiv das Verhalten der Sparkassen und Banken im Umgang mit Flüchtlingen.

Kraujuttis betonte, dass man bei der Frage nach den Finanzierungskosten – zurzeit 6195 Euro pro Jahr pro Asylbewerber – auch die nötige Sozialarbeit für eine gute Willkommenskultur berücksichtigen müsse. „Wir werden uns da nicht mehr verschließen können“, belegte sie die neue Sichtweise durch die Schaffung von insgesamt drei hauptamtlichen Stellen beim SKM in Lingen und Meppen sowie beim DRK Papenburg zur Integration der Asylbewerber.

Einen Appell richtete Straeck an die Bürger der Stadt. „Sie können Hilfe zur Willkommenskultur leisten. Nehmen Sie einfach einen Menschen an die Hand.“ Möglichkeiten des Sports in der Willkommenskultur erläuterte Schmidt-Weichmann. Er rief dazu auf, die Angebote des KSB zu nutzen. Für eine gelingende Integrationsarbeit forderte Mohamed Al Aswad „mehr Aufklärung“ . Eine Gesellschaft, die wisse, woher warum wie Flüchtlinge zu uns stoßen, sei bereit, fremde Menschen aufzunehmen.


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