Joachim Goltz als Leopold Julia Felthaus Rössl-Wirtin auf Freilichtbühne Meppen



Meppen. Die Würfel sind gefallen: Julia Felthaus wird im neuen Hauptstück „Im weißen Rössl“ der Meppener Freilichtbühne 2015 die Wirtin spielen. Als Zahlkellner Leopold Brandmeyer ist der junge Opernsänger Joachim Goltz zu sehen, der die Rolle bereits mehr als 60-mal verkörpert hat.

Für eine Neuauflage des „Rössls“ hat sich Iris Limbarth bewusst entschieden. „Ich habe überlegt, was kann man nach einem so tollen Ensemble-Stück wie ‚Hair‘ machen, dagegen kommt so schnell nichts an. Also dachte ich, machen wir was ganz anderes. Ein Stück, das wir schon immer mal machen wollten“, sagt die Regisseurin. Das „Weiße Rössl“ sei „ein wunderbares Unterhaltungssingspiel für Jung und Alt mit Jung und Alt, eine wunderbare Satire auf die Reiselust der Deutschen, ihre Liebe zur heilen Welt und zum Volkstümlichen.“ Zudem vereine das Stück Singspiel, Operette, Revue und Musical.

Gastengagements

Joachim Goltz kommt aus Mannheim. Nach seinem Studium an der Hochschule für Musik in Detmold war er Ensemblemitglied an den Theatern in Freiberg, Detmold, Würzburg und Wiesbaden. Seit 2014 gehört er zum Ensemble des Nationaltheaters in Mannheim, wo er unter anderem als „Danilo“ in „Die lustige Witwe“, als „Figaro“ in „Le nozze di Figaro“, als „Papageno“ und als „Shaunard“ in „La Bohème“ zu erleben ist. Gastengagements führten ihn an die Semperoper in Dresden, die Staatstheater von Hannover und Saarbrücken, das Nationaltheater Weimar sowie nach Erfurt, Bremerhaven, Heidelberg. Im Juni 2014 feierte der Bariton sein Debüt als „Feldprediger Eisenhardt“ an der Komischen Oper Berlin in B.A. Zimmermanns „Soldaten“ unter der Regie von Calixto Bieito.

Goltz’ Repertoire ist breit gefächert; Zahlreiche Wagner-Partien, wie Alberich im „Ring des Nibelungen“, Kurwenal, Amfortas, Telramund und Heerrufer unterstreichen seine Vielseitigkeit ebenso wie die Titelfigur in Verdis „Falstaff“, die „Vier Bösewichte“ in „Hoffmanns Erzählungen“ oder auch Faninal im „Rosenkavalier“. Neben den großen Opernpartien seines Faches ist die Operette seine große Leidenschaft –sei es als Graf Danilo in „Die Lustige Witwe“, als Eisenstein in der „Fledermaus“ oder als Leopold im „Weißen Rössl“.

Konzertbühne

Auch auf der Konzertbühne ist Joachim Goltz häufig zu erleben. So spielte er im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin in einer Aufführung von Walter Braunfels Oper „Die Vögel“ und in Joseph Martin Kraus’ Oper „Aeneas in Carthago“ unter der Leitung von Lothar Zagrosek. Seit 2011 hat Joachim Goltz einen Lehrauftrag für szenischen Unterricht an der Hochschule für Musik in Würzburg.

Mit der Besetzung des Hauptstücks, das am 4. Juli um 20 Uhr Premiere feiert, glaubt Limbarth, ein tolles Ensemble zu formen. Julia Felthaus sei prädestiniert für die Rolle der resoluten Rössl-Wirtin „mit Herz, Schnauze und großer Stimme“. Dazu kommen „Eigengewächse“ der Meppener Freilichtbühne wie Oliver Schulte als cholerischer Dr. Giesecke und Ulrich Kaßburg als sein Widersacher und frauenbetörender Rechtsanwalt Dr. Siedler.

Keine angestaubte Operetten-Fassung

Eine angestaubte Operetten-Fassung mit Opernsängern plant Limbarth in Meppen nicht. Ihr schwebt eine „frische swingige Musical-Variante mit unserem Ensemble und Musicalsängern vor, die aber nicht auf den ungebrochenen Charme des Originals verzichtet“. Inspiriert wird sie von einer Rössl-Fassung in der „ Bar jeder Vernunft „ Anfang der 1990er-Jahre in Berlin mit Max Raabe, Otto Sander, Meret Becker und den Geschwistern Pfister. „Die war knackig, witzig und hatte mehr Tempo. Daran orientieren wir uns, wobei es da kein Ensemble gab. Ich werde aber viele Tanznummern aus den Hits machen.“

Kinder in Hauptrolle

Mit dem Familienstück „Emil und die Detektive“ nach dem Buch von Erich Kästner will Regisseurin Iris Limbarth „den vielen begabten Kindern gerecht werden, die unsere Bühne hervorbringt.“ Das Stück sei ein Musical, in dem Kinder die Hauptrolle spielen. Als Emil hat die künstlerische Leiterin mit Joven Scholte Aalbes einen Newcomer für die Rolle besetzt. In weiteren großen Rollen spielen Chiara Warren, die im letzten Jahr den kleinen Elefanten im „Dschungelbuch“ gab, Selma und Elsa Hessel, Lasse Klene und Emili Sommer. Bei den Erwachsenen agieren unter anderen die bewährten Spieler Siegfried Franke als Erzähler und Rainer Franke als der Ganove Grundeis. Premiere ist am 31. Mai um 16 Uhr.

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„Im weißen Rössl“ ist ein Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky. Ort der Handlung ist das Hotel Weißes Rössl in St. Wolfgang im Salzkammergut in Österreich. Das Libretto stammt vom Komponisten zusammen mit Hans Müller-Einigen und Erik Charell. Die Liedtexte schrieb Robert Gilbert, die musikalischen Einlagen Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz. Als Vorlage diente ein gleichnamiges Alt-Berliner Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg, das die beiden Autoren 1896 während eines Aufenthaltes in der Villa Blumenthal in der Nähe von Bad Ischl schrieben. Das Singspiel „Im weißen Rössl“ wurde am 8. November 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin von Erik Charell mit Max Hansen als Leopold und Camilla Spira als Josepha uraufgeführt. Das Bühnenbild entwarf Ernst Stern. Zum Inhalt: Im Hotel „Weißes Rössl“ ist Hochsaison. Das Personal ist überfordert, Zahlkellner Leopold beruhigt die unzufriedenen Gäste. Weniger Erfolg mit seinem Charme hat er bei seiner Chefin Josepha Vogelhuber, bei der er Annäherungsversuche macht („Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“). Diese jedoch weist ihn zurück: Sie ist verliebt in den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, einen langjährigen Stammgast, der für den Nachmittag erwartet und dann herzlich von ihr begrüßt wird. (cw)

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