Gegen Auflösung der Förderschulen Winter pocht auf Wahlfreiheit für Eltern im Emsland

1101 Schüler besuchen derzeit die emsländischen Förderschulen. Foto: Archiv1101 Schüler besuchen derzeit die emsländischen Förderschulen. Foto: Archiv

Meppen. Einige Kritiker halten die Auflösung der Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen für fatal und prognostizieren schon jetzt ein Scheitern der inklusiven Beschulung. Ob dies auch für den Landkreis Emsland gilt, vermag Landrat Reinhard Winter nicht vorherzusagen, jedoch regt er mit Blick auf die Zukunft an, das Konzept weiterhin auszubauen.

„Diese Förderschulen vollkommen aufzulösen ist nicht der richtige Weg. Man muss den Eltern die Wahlfreiheit lassen, damit sie selber bestimmen können, welches die bestmögliche Förderung für ihr Kind ist“, sagt Winter. Einen kleinen Erfolg gebe es jedoch schon: So habe er sich für den Erhalt der Förderschulen Sprache eingesetzt; in der Hinsicht hat das Land nun eingelenkt.

Die bestehenden Förderschulen Sprache erhalten Bestandsschutz und können weitergeführt werden. Im Emsland erhalten bleiben somit die Carl-Orff-Schule in Lingen als Förderschule mit den Schwerpunkten Sprache und Hören und die Schule Am Draiberg in Aschendorf mit dem Schwerpunkt Sprache. Jedoch laufen die Förderschulen Lernen seit dem Schuljahr 2013/14 ab der Primarstufe aus. Aktuell besuchen 250 Kinder mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung die 3. und 4. Klasse an den Förderschulen. Kinder der 1. und 2. Klasse besuchen die Grundschulen. Insgesamt werden aktuell 306 Kinder mit besonderem Förderbedarf an den allgemeinen Schulen beschult.

Durch die Inklusion stehen die Lehrer plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen. Viele von ihnen haben keine Erfahrung mit förderbedürftigen Schülern. Sie fordern deshalb mehr Unterstützung bei dieser Aufgabe. „An dem sonderpädagogischen Konzept muss dringend gearbeitet werden. Fortbildungen und eine entsprechende Ausbildung müssen Voraussetzung für die Arbeit sein“, sagt Winter. Kritisch sieht er auch die Regelung der Betreuungszeiten durch mobile Förderschullehrer, die in die einzelnen Klassen kommen. Jede Grundschule erhält zwei Stunden pro Klasse und Woche als sonderpädagogische Basisversorgung; die weiterführenden Schulen erhalten je nach Bedarf Extrastunden. „Das sind teure Lehrkräfte, die viel Zeit im Auto verbringen, um an die einzelnen Schulen zu fahren“, so Winter.

Erster Kreisrat Martin Gerenkamp betonte, dass die Problematik nicht darin bestehe, körperbehinderte Schüler zu betreuen, diese Inklusion werde schon seit Jahren an den Schulen gelebt. Lernbehinderte Schüler hingegen benötigen viel mehr persönliche Betreuung.

1101 Schüler besuchen derzeit die emsländischen Förderschulen. Die Zahl sei jedoch rückläufig, aber nicht nur durch die Inklusion. „Der Trend geht schon seit Jahren zurück, jedoch ist die Förderschule schon längst kein Stigma mehr für die Schüler.“


Förderschulen vor der Schließung

Hermann-Gmeiner-Schule in Emsbüren mit 46 Schülern.

Waldschule Esterwegen mit 53 Schülern.

Paul-Moor-Schule in Freren mit 91 Schülern.

Erich-Kästner-Förderschule in Sögel mit 87 Schülern. Pestalozzischule in Papenburg mit 152 Schülern. Christophorusschule in Haren mit 60 Schülern.

Don-Bosco-Schule in Haselünne mit 34 Schülern.

Pestalozzischulen in Lingen mit 94 Schülern und in Meppen mit 72 Schülern.

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