Sichtung bei Meppen Kehrt der Seeadler ins Emsland zurück?

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Meppen. Der Seeadler ist eine beeindruckende Erscheinung: bis zu 2,5 Meter Spannweite machen ihn zu einer Art fliegendem Surfbrett. Nun taucht Deutschlands größter Greifvogel seit einigen Monaten auch immer wieder mal im Emsland auf, und es mehren sich Beobachtungen im Grenzgebiet zum niederländischen Bargerveen.

Und das ist wohl kein Zufall, denn in dem Naturschutzgebiet nahe der Gemeinde Twist tummelt sich seit Beginn des Winters mindestens ein Altvogel. Das berichten niederländische Zeitungen . Das 2500 Hektar große Moorgebiet bietet dem Seeadler zwar keine Fische als Nahrung, dafür aber ganzjährig Wasservögel, die er neben Aas ab und zu frisst.

Auf Wasservögel war auch jener Vogel aus, den der Autor dieser Zeilen am vergangenen Wochenende an einem Baggersee bei Meppen beobachten konnte. Gut 20 Minuten lang flog der Altvogel, der am weiß ausgefärbten Federstoß als solcher zu erkennen war, Blesshühner und Stockenten an – wohl um zu sondieren, ob ein geschwächtes Tier zu erbeuten war. Dann zog er erfolglos ab.

Dass der Seeadler sich zuletzt so weit im Westen Niedersachsens oder gar in den Niederlanden getummelt hat, ist lange her. Denn um das Jahr 1900 stand er vor dem Aus, war durch Bejagung in weiten Teilen Europas ausgerottet worden. Ganze 20 Brutpaare gab es im Osten Deutschlands sowie in Russland und in Skandinavien. Was folgte, ist eine selten da gewesene Erfolgsgeschichte : Heute gibt es in Deutschland wieder 750 und damit mehr Brutpaare denn je, europaweit sind es gut 2000.

Der Aufschwung gelang, weil ehrenamtliche Naturschützer in Westdeutschland um jedes Küken kämpften und Horste rund um die Uhr bewachten, weil das Pflanzenschutzmittel DDT, das die Schalen der Adlereier brechen ließ, verboten wurde und weil in Ostdeutschland Adlerlebensräume großzügig geschützt wurden.

Inzwischen profitiert der mit bis zu 2,50 Meter Spannweite größte Adler Europas auch von der Überdüngung der Landschaft, die die Zahl der Beutefische stark ansteigen ließ. Die Niederländer nennen ihn gerne „vliegende deur“ – „fliegende Tür.“

Starke Ausbreitung

Im Zuge seiner Ausbreitung nach Westeuropa hat der Seeadler 2006 die Niederlande erreicht – im Gebiet Oostvaardersplassen am Ijsselmeer oder am Lauwersmeer nordwestlich von Groningen brüten inzwischen Seeadler. Das westliche Niedersachsen scheinen sie bei ihrer Wiederausbreitung ein wenig ausgelassen zu haben – die nächsten deutschen Brutstätten liegen am Dümmer und am Steinhuder Meer. Erst seit Kurzem brütet ein Paar oberhalb des Dollart.

Woher der oder die Seeadler kommen, die sich am Bargerveen und auch im Grenzgebiet tummeln, ist unklar. Sollte es sich um zwei Altvögel handeln, hätten sie viel zu tun: im Februar ist Paarungszeit. Die niederländischen Naturschützer, hoffen jedenfalls, dass der Adler sich dauerhaft ansiedeln wird.

Peter Görke, Seeadlerbeauftragter des Landes Niedersachsen , hält Neuansiedlungen auch im Westen des Bundeslandes für gut möglich. „2013 haben in Niedersachsen sechs Paare neu gebrütet, 2014 vier und in diesem Jahr sind schon zwei neue Brutplätze bekannt.“ Landesweit gebe es inzwischen 42 Reviere, und es habe sich herausgestellt, dass die Adler bei der Wahl ihrer Brutplätze weit weniger anspruchsvoll seien als angenommen.

Im Emsland hatte es in den vergangenen Jahren weitere Adlerbeobachtungen gegeben, etwa bei Meppen oder in der Esterweger Dose.

Eine Reportage zum Seeadler lesen Sie hier ››


Seeadler im Emsland – das ist lange her. Aber einst segelten die Riesenvögel auch durch das Land an der Ems, der volkstümliche Name „Gauseornt“ zeigt davon und von seiner Vorliebe, im Winter Wasservögel statt Fisch zu fressen und den Enten- und Gänseschwärmen zu folgen.

Dabei ist der Adler eigentlich eher ein fauler Geselle und gibt sich am liebsten mit Aas aller Art zufrieden. So spart er den Aufwand der Jagd, den er aber, wenn es sein muss, meisterlich betreibt. Vor allem im Winter kannte man die majestätische Erscheinung im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Erlegte Exemplare werden aus dem Engdener Feld, Groß Fullen, Meppen, Haselünne, Nordhorn oder Klein Hesepe genannt.

Als Brutvogel war auch der deutlich kleinere Fischadler aus der Region bekannt. Er wurde aber ebenso intensiv bejagt, wie der Seeadler. Inzwischen hat sich auch der Fischadler wieder ausgebreitet. Nach Angaben von Dr. Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer e.V. haben sich an dem fischreichen See wieder mehrere Paare angesiedelt.

Und auch den Steinadler hat es nach Angaben des vor 113 Jahren gestorbenen Ornithologen Erwin Detmers (Lingen) einst im Emsland gegeben, wenn auch vermutlich nur als Gast. Je einer dieser Vögel soll im 19. Jahrhundert bei Haselünne und bei Haren-Wesuwe erlegt worden sein.

Was aber macht den Seeadler zum Faszinosum für den Menschen? Er lebt an der Spitze der Nahrungskette und hat keinen Fressfeind. Der Adler ist aus Sicht des Menschen ein Jäger der Spitzenklasse. Sein starrer Blick, seine Größe, die mächtigen Fänge, der Schnabel: Alles ist groß am Seeadler und machte ihn einst zum König der Lüfte und zum Vogel der Könige. Das Wort Adler hat sich aus der mittelalterlichen Bezeichnung „Edel-Aar“ entwickelt, was so viel heißt wie „edler Vogel“. In Deutschland hat er es zum Staatssymbol geschafft, wenngleich nicht sicher ist, ob See- oder Steinadler Modell standen.

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