18-Titel-Menü begeistert „Ferrari Küßchen“ verwöhnt Meppener Theaterpublikum


Meppen. „Rasant wie ein Ferrari , ̶süß wie ein Schoko-Küsschen“, ̶so definiert sich das „turbo-lente“ Quintett, und seine quirlige Show haben die Meppener Theaterbesucher dann auch in Form eines 18-Titel-Menüs als echten Leckerbissen genossen.

Während Olga Graser (Sopran), Haide Manns (Mezzosopran), Irina Schröder-Fröhlich (Alt) und Ulli Meier-Limberg (Bass) vor die ferrari-rote Tuchkulisse traten und den instrumental klingenden Backgroundchor gaben, erklang der Textgesang von Volker Bublitz (Tenor) zunächst aus dem Off, bevor sich dieser aus dem Zuschauerraum löste und auf dem Weg zur Bühne aus seinem Bauchladen, angelehnt an den bekannten Udo-Jürgens-Songs „Merci“, Schokoküsschen und entsprechenden Schokoriegel an das Publikum verteilte.

Gekonnt schräg und mit der dazu nötigen Distanz zu großen Emotionen parodierten und überzeichneten sie vergnüglich und kurzweilig die Top-Titel des vornehmlich deutschen Repertoires vieler Jahrzehnte. Gerade durch ihre sparsame Verwendung von Requisiten und das unaufdringliche Bühnenbild blieb der Fokus des Publikums stets ganz auf das choreografische und gesangliche Können der Gruppe konzentriert. Individuell solistisch und doch als Gruppe einander ebenbürtig und homogen wechselten die fünf einander ab in Moderation und Präsentation, immer ihr Publikum aktiv einbeziehend, das ihnen nur allzu gerne folgte.

Kaum verzauberte Olga Grasers strahlender Sopran, da rockten sie alle auf imaginären Motorrädern zu „Born to be Wild“ durch „Westerwald“ und ließen Chatschaturians „Säbeltanz“ zum vokalen Feuerwerk werden. Gestützt auf einen dem Alter gezollten Krückstock, tobte Schröder-Fröhlich hinreißend als Tina Turner mit „Proud Mary“ über die Bühne. Bühnenkünstler und Publikum warfen sich einander die Bälle zu, konkret einen Plüsch-Fußball. „Nena“ träumte, ohne zu versäumen, und Ulli Meier-Limberg gab sich Bécauds „Nathalie“ hin, während das Publikum Watteschneeflocken warf und eiskalte Winterwinde zischelte. „Heintje“ schluchzte inbrünstig nach „Mama“ bis zum Zusammenbruch, und auch „Abba“ kam nicht zu kurz.

Als „Die Toten Hosen“ schritt das Quintett sehr eindrücklich daher „... wie ein Ägypter“, nicht ohne die Touristen aufs Korn zu nehmen. Ulla Meinekes „Tänzerin“ gehörte die Bühne ebenso wie Rita Pavones Gedankenspiel „Wenn ich ein Junge wär“, während Bublitz’ Bademantel-Auftritt mit Klobürstenzepter als Rio Reisers „König von Deutschland“ an Skurrilität nicht zu übertreffen war. Natürlich wurde auch das ewig bewährte Mann-Frau-Rollen(miss)verständnis pikant-pointiert thematisiert. Frisch, frech und herrlich lasziv suchte Manns einen Mann, „... aber scheeen muss er sein“, und Georg Kreislers „Mein Mann“ bleibt ebenso aktuell wie Lizzi Waldmüllers „Bel Ami“. Diesen „Bel Ami“ suchte sich Manns direkt im Publikum und nahm ihn unter tosendem Applaus mit auf die Bühne, wo er sich mit offensichtlichem Spaß ins Ensemble integrieren ließ.

Treffsicherer Wortwitz, im Charakter höchst unterschiedliche, aber perfekt zueinander passende Stimmen, eine breite Palette darstellerischen Könnens und hoher Qualitätsanspruch,̶ das sind die Zutaten für ein Genussstückchen, wie sie „Ferrari Küsschen“ mit einer bis ins Detail perfekten Performance bot und in der der Funke vom ersten Moment an übersprang. Bei der Zugabe zog das bejubelte Quintett durch die Zuschauerreihen und verabschiedete sich bei manchem mit Handschlag.


0 Kommentare