Straße erinnert an Jutta von Ravensberg Gräfin verkauft ihren Besitz im Emsland

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Die Juttastraße ist benannt nach Jutta von Ravensberg und befindet sich in der Meppener Neustadt. Foto: Manfred FickersDie Juttastraße ist benannt nach Jutta von Ravensberg und befindet sich in der Meppener Neustadt. Foto: Manfred Fickers

Meppen. Die Juttastraße liegt in der Meppener Neustadt, sie zweigt gegenüber der Karlstraße von der Haselünner Straße ab und führt zur Clemensstraße. Benannt ist sie nach der Gräfin Jutta von Vechta-Ravensberg, die 1252 mit dem Verkauf ihrer Herrschaftsrechte im Emsland und in Vechta an den Bischof von Münster das Schicksal Meppens maßgeblich beeinflusst hat.

In den Jahrhunderten davor hatte sich im Emsland ein Nebeneinander von geistlichen und weltlichen Herrschaften entwickelt. Im sogenannten Osnabrücker Nordland konkurrierten vor allem der Bischof von Osnabrück und das Kloster Corvey (mit ihm das Kloster Herford) mit- und gegeneinander, gipfelnd im Osnabrücker Zehntstreit, dem Streit um die Einkünfte in dieser Region. Schwerpunkt des Corveyer Besitzes war der Haupthof in Meppen. Die verschiedenen geistlichen Besitzungen genossen Immunität, dass heißt, sie unterstanden nicht der weltlichen Herrschaft der Grafen. Diese konnten sich aber vielfach die Vogteirechte in den benachbarten geistlichen Gebieten sichern, dass heißt, sie übten dort vor allem die hohe Gerichtsbarkeit aus, da dies den geistlichen Herren nicht gestattet war.

Im 11. Jahrhundert hatten die Grafen von Zütphen in der Diözese Osnabrück sowohl die Grafenrechte als auch wichtige Vogteirechte in den Corveyer Besitzungen, also auch in Meppen, an sich gezogen. Erben dieses Geschlechts waren die Grafen von Ravensberg und die Grafen von Tecklenburg. Das Geschlecht der Ravensberger hatte seinen Ursprung im Raum Bersenbrück, von hier aus dehnten sie ihre unterschiedlichen Herrschaftsrechte nach Vechta (von dort ihr Name Kalvelage) und ins Emsland aus: Eigenbesitz, Grafenrechte, Vogteirechte, Anlage von Burgen (Fresenburg, Juttaburg, Haselünne). In der Mitte des 12. Jahrhunderts verlagerten sie ihr Schwergewicht Richtung Süden in die spätere Grafschaft Ravensberg, nach deren Mittelpunkt, der Ravensburg bei Borgholzhausen, sie sich fortan nannten, Eine Schwächung ihrer Macht erfolgte 1226, als die Brüder Otto und Ludwig den gesamten Besitz unter sich teilten.

An Otto II. von Ravensberg, verheiratet mit Sophie von Oldenburg und lange Zeit kinderlos, fielen unter anderem das Emsland, Vechta und die Burg Vlotho. Er ließ seine Gemahlin schon 1224 mit seinen Reichslehen belehnen, um ihr im Fall seines Todes die volle Verfügungsgewalt darüber zu sichern. Ebenso wichtig war die 1231 erfolgte Aussöhnung mit den Grafen von Tecklenburg, vorher die Hauptkonkurrenten. Sie wurde 1238 vertieft durch die Verlobung von Ottos einziger Tochter Jutta mit Heinrich von Tecklenburg. Bei der Heirat im Jahr 1242 erhielt Jutta als Morgengabe von den Tecklenburgern die Freigrafschaft auf dem Hümmling und den Haupthof Friesoythe. Im Jahr 1244, kurz vor seinem Tod, ließ sich Otto von Kaiser Friedrich II. die lebenslängliche Verfügungsgewalt über seinen Besitz für Frau und Tochter zusichern. Juttas Gemahl Heinrich von Tecklenburg starb bereits 1248, sodass sie schon mit circa 17 Jahren Witwe geworden war. Aber schon drei Jahre später heiratete sie erneut, nämlich den Edelherren Walram von Montjoie (Monschau) aus dem Geschlecht der Herzöge von Limburg, residierend in der Eifel.

Da die Ausübung und Sicherung der Herrschaft im Emsland rund um Meppen und in Vechta aus der Ferne nur schwer möglich erschien, entschlossen sich die Gräfinnen Sophie und Jutta 1252, den gesamten Besitz zu verkaufen. Für 40000 Mark erwarb ihn Bischof Otto II. von Münster, wobei er sich das Geld aus verschiedenen Quellen leihen musste, zum Beispiel beim münsterschen Domkapitel. Dieser Kauf war die erste Etappe zur Bildung des Niederstifts Münster (mit Meppen als Mittelpunkt des Emslandes), diese wurde im Jahr 1400 abgeschlossen, als die Tecklenburger das Gebiet um Cloppenburg und den Hümmling an den Bischof von Münster abtreten mussten; im Emsland verblieb ihnen allerdings die Grafschaft Lingen.

Im Emsland blieb die Erinnerung an Jutta lebendig, und zwar an sie als die Frau von Mundelo, die sich in ihrer Residenz auf der Herrschwiese in Meppen der Angriffe des Raubritters Schwarzburg erwehren muss und sich in ihrer Not entschließt, ihre Besitzungen dem Bischof von Münster zu verkaufen. Dabei soll sie gesagt haben: „Will Peter (Patron des Bistums Osnabrück) nicht, so wird Paul (Münster) wollen.“


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