Nematode hat sich festgesetzt Neuer Kartoffelschädling befällt Sorten im Emsland

Der Anbau von Kartoffeln ist im Emsland seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Foto: LandvolkDer Anbau von Kartoffeln ist im Emsland seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Foto: Landvolk

Meppen. Der Anbau von Kartoffeln hat jahrzehntelang die Äcker in weiten Teilen der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim bestimmt. Die Bauern lebten gut von der Knolle. Nun droht ein neuer, bisher nur im Emsland festgestellter Schädling ein ohnehin in der Krise befindliches Wirtschaftsmodell zu kippen: Auf einigen ersten Ackerflächen im Emsland dürfen zunächst sechs Jahre lang keine Kartoffeln mehr angebaut werden.

Der Grund: Ein sogenannter Kartoffelzystennematode hat sich hier festgesetzt, Nematoden sind kleine Fadenwürmer, die weltweit in mindestens 20000 Arten vorkommen und im Kartoffelbau rund um den Globus als Schaderreger gelten.

Gefährlich sind sie nicht für den Menschen – sie schädigen die Wurzeln der Kartoffelpflanzen. Diese können nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen, die Kartoffeln bleiben klein. Bei starkem Nematodenbefall ist ein wirtschaftlicher Kartoffelanbau nicht mehr möglich, schon gar nicht bei den derzeit hohen Pachtpreisen.

Bisher haben sich die Landwirte zum Teil mit dem Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel geholfen, vor allem aber mit der Verwendung von Kartoffelsorten, die durch Züchtung gegen den Befall mit Nematoden resistent sind. Nun aber ist bei Untersuchungen des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Fadenwurm entdeckt worden, der auch bisher resistente Pflanzen ungewöhnlich stark schädigt, also sehr virulent ist.

Auswirkungen erheblich

Karsten Osmers und Stefan Krüssel von der Landwirtschaftskammer sowie Björn Niere vom Julius-Kühn-Institut der Bundesrepublik haben den inzwischen Typ „Emsland“ genannten Schaderreger untersucht. Er gehört demnach zur weit verbreiteten Art „Weißer Kartoffelnematode“, befällt aber anders als seine engen Verwandten eben auch resistente Kartoffelsorten.

Für das Auftauchen des Schädlings gibt es zwei Theorien. Die erste: Auf vielen Äckern der Region wurde die Fruchtfolge entgegen der guten fachlichen Praxis nicht eingehalten und Kartoffeln nicht alle vier, sondern alle zwei Jahre oder sogar jedes Jahr angebaut. Unter diesen Bedingungen konnte sich dann ein neuer Fadenwurmtyp entwickeln, der die Resistenz der bisherigen Sorten durchbrach. Theorie zwei: Einschleppung aus Regionen, in denen Fadenwurmtypen mit anderem Schadpotenzial als in Europa auftreten – etwa aus Südamerika.

Woher der Schädling komme, sei für die Praxis am Ende aber egal, schreiben die drei Experten im „Journal für Kulturpflanzen“. Wichtig sei nun, dass der Typ „Emsland“ sich nicht weiter ausbreiten könne – eine ausreichend große Fruchtfolge und größtmögliche Vorsicht beim Umgang mit Kartoffeln oder auch nur verschmutzter Erde seien dafür nicht das einzige, aber derzeit das wichtigste Mittel.

Auf die Praxis der Kartoffelbauern hat das Auftreten des Fadenwurms bereits Auswirkungen. Erste Ackerflächen im Emsland sind für den Anbau von Kartoffeln gesperrt worden – sechs Jahre lang darf hier keine Knolle wachsen. Weitere Flächen könnten folgen, sollte der Erreger nicht in den Griff zu bekommen sein.

Und spätestens dann wird es für viele Landwirte mit dem Betriebszweig Stärkekartoffel schwierig. Sie leiden ohnehin unter den extrem gestiegenen Pachtpreisen und der Konkurrenz durch Mais- und Rübenanbau für Biogasanlagen. Außerdem hat Deutschland 2012 als Folge der EU-Agrarreform von 2005 die Förderung des Stärkekartoffelanbaus praktisch eingestellt, was die Wirtschaftlichkeit stark beeinträchtigt und Vermarkter wie die Emsland Group (Emsland Stärke) nach Alternativen in der Vermarktung suchen lässt. Waren 2005 noch 27711 Hektar emsländischer Ackerflächen mit Kartoffeln bestellt, registrierte die Landwirtschaftskammer 2014 nur noch 23048 Hektar – ein Rückgang von mehr als 15 Prozent.

Der neue Erreger vom Typ Emsland wird Thema beim Kartoffeltag der Landwirtschaftskammer und des Vereins Landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen am Freitag im Saal Hagen in Haren sein (10 Uhr).

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