2004: Lückenschluss der A 31 Autobahn die Lebensader des Emslandes

Ein Meer von Fahnen symbolisierte vor zehn Jahren, dass das Gemeinschaftsprojekt Lückenschluss A 31 nur gelingen konnte, weil viele an einem Strang gezogen haben. Archivfoto: Hermann Penterman nEin Meer von Fahnen symbolisierte vor zehn Jahren, dass das Gemeinschaftsprojekt Lückenschluss A 31 nur gelingen konnte, weil viele an einem Strang gezogen haben. Archivfoto: Hermann Penterman n

Meppen. Vor fast genau zehn Jahren, am 19. Dezember 2004, wurde das letzte Teilstück der Autobahn 31 (Emslandautobahn) am Schüttorfer Kreuz für den Verkehr freigegeben. Während der Sitzung des Kreistages am Montag in Meppen erinnerte Landrat Reinhard Winter an das „Jahrhundertereignis“.

Tatsächlich flossen nach der deutschen Wiedervereinigung ab 1990 die meisten Gelder in die neuen Bundesländer. Der Bau der Autobahn im Emsland geriet immer mehr ins Stocken. Es war der damalige Oberkreisdirektor Hermann Bröring, der dann im November 1997 ein bis heute in Deutschland einmaliges Finanzierungsmodell ins Spiel brachte und damit schließlich den Widerstand des Bundes knackte. Darin verpflichtete sich die Region für den 41,9 Kilometer langen Lückenschluss von Lingen bis zur Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen einen Teil der Ausbaukosten von 420 Millionen Euro zu übernehmen. Unter Federführung von Bröring musste die Region schließlich Mittel von 105 Millionen DM aufbringen. Das Meisterstück gelang.

Auf der anderen Seite ergab schon damals ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Vorhabens der Universität Münster, dass ein Lückenschluss im Jahre 2015 statt 2005 einen volkswirtschaftlichen Verlust von 600 Millionen DM bedeutet hätte. Winter belegte diese These mit weiteren Fakten. So sank die Arbeitslosigkeit binnen zehn Jahren von 10,5 % auf 3,5 % im Emsland, während gleichzeitig die Zahl der soziaversicherungspflichtigen Arbeitnehmer von 90000 auf fast 120000 sprunghaft anstieg.

Der emsländische Landrat sagte: „Unser Selbstbewusstsein ist gewachsen.“ Jetzt wolle man mit dem vierspurigen Ausbau der Europastraße 233 von Meppen nach Emstek als West-Ost-Achse ein weiteres wichtiges Verkehrsprojekt realisieren.

CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd-Carsten Hiebing bezeichnete die Emslandautobahn als „Lebensader des Emslandes.“ Sie habe der wirtschaftlichen Entwicklung einen gehörigen Rückenwind verschafft. Motor und Ideengeber für die Realisierung dieses in Europa einzigartigen Finanzierungsmodells war Ehrenlandrat Hermann Bröring. Aber auch Rudolf Seiters habe als damaliger Bundesminister geholfen, dass die A 31 doch noch frühzeitig gebaut wurde. SPD-Fraktionssprecherin Karin Stief-Kreihe ergänzte: „Fast alle Menschen in der Region haben dieses Projekt damals mitgetragen.“ Vor dem Hintergrund der geplanten Mautgebühren auf Bundesautobahnen sei sie jedoch nicht sicher, ob die Niederländer ein solches Vorhaben ein zweites Mal mitfinanzieren würden. „Zum zehnjährigen Jubiläum des Lückenschlusses hätten wir jedoch auch einen richtigen Festakt feiern können“, so die Sozialdemokratin.

FDP-Kreistagsabgeordneter Michael Goldmann sprach sogar von einer „heroischen Leistung von Hermann Bröring“ sowie einer „großartigen gesamtgesellschaftlichen Leistung“. Hermann-Josef Abeln (UWG) hofft, dass auch die Europastraße 233 eine ähnliche Erfolgsgeschichte wird.

Norbert Knape von den Grünen bezweifelte hingegen, ob Autobahnbauten überhaupt „positive Effekte erzielen“.


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