Zuhören und Hinterfragen Seit 25 Jahren Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim

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Mit dem Anrufer einen Lösungsansatz finden, darin sieht Ingrid Höppener die Hauptaufgabe der Telefonseelsorge. Foto: Iris KroehnertMit dem Anrufer einen Lösungsansatz finden, darin sieht Ingrid Höppener die Hauptaufgabe der Telefonseelsorge. Foto: Iris Kroehnert

Meppen. Eigentlich wäre sie gerne Sängerin geworden, stattdessen stellte sie ein großes Stück ihres Lebens in den Dienst der Schwachen, der Sozialbenachteiligten, der Menschen, die Hilfe bedürfen. Die Meppenerin und Trägerin der Emsland-Medaille Ingrid Höppener gründete vor ziemlich genau 25 Jahren die Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim.

Noch heute kann sich die jetzt 80-Jährige gut daran erinnern, wie sie 1989 ein erstes Gespräch in Passau führte, um eine entsprechende Einrichtung für das Emsland auf den Weg zu bringen. „Das war bei den Maristen“, erinnert sie sich. Die dortigen Patres hatten bereits Ende der 1970er-Jahre einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf den Dienst am Hörer gelegt. Die examinierte Krankenschwester hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine zweijährige Ausbildung in Gesprächsführung in Quakenbrück absolviert.

Gemeindearbeit

Zurück im Emsland suchte sie Mitstreiter für ihr Anliegen. „Ich bin an die Politik und die Kirche herangetreten“, berichtet Höppener, „und ich habe soziale Einrichtungen eingeladen.“ Zusammen mit ihrem Ehemann und den beiden Töchtern war sie 1972 nach Meppen gezogen. Seit Anfang der 1980er-Jahre engagierte sie sich für die Gemeindearbeit bei St. Maria zum Frieden. „Wahrscheinlich wurde in dieser Zeit der Grundstein für mein späteres Engagement gelegt“, vermutet sie. „Ich habe dort viele alleinerziehende Frauen getroffen, viele Geschiedene“, erinnert sich Höppener und fügt hinzu, „sie standen abseits“.

Damals sei in ihr die Idee gereift, dass diese, aber auch andere Menschen ein niederschwelliges Angebot benötigen, um sich einmal auszusprechen. Schon während ihrer Gemeindearbeit hätte sie viele Anrufe erhalten – insbesondere von Frauen –, die das Bedürfnis hatten, sich jemanden anzuvertrauen. Sie gründete zunächst den Initiativkreis Telefonseelsorge , bevor 1991 daraus ein eingetragener Verein entstand, dessen Vorsitz Höppener übernahm.

Sie berichtet über ihr Leben, über ihre Kindheit im Ruhrgebiet. „Ich hatte Gesangsunterricht und wäre am liebsten Sängerin geworden.“ Dieser Wunsch muss sich offenbar auf ihre Töchter übertragen haben, denn beide studierten Musik. „Eine lebt heute in Köln und die andere in Schwelm“, sagt Höppener, die seit zwölf Jahren Witwe ist. „Über Langeweile konnte und kann ich mich eigentlich nicht beklagen“, fährt sie fort. Seit 1984 engagiert sie sich außerdem ehrenamtlich bei den „Grünen Schwestern“ im Ludmillenstift, deren Leitung sie 1993 übernahm. „Mein Mann hat meine soziale Arbeit unterstützt, und genau genommen stand meine ganze Familie hinter mir“, erklärt sie.

Als schließlich die Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim eingeweiht wurde, „war das einer der bewegendsten Momente in meinem Leben.“ Warum? Die Meppenerin antwortet: „Ich musste so viel Überzeugungsarbeit leisten, dass eine Telefonseelsorge auch im Emsland wichtig ist – und nun war ich am Ziel.“

Grüne Schwestern

Inzwischen hat sich Ingrid Höppener aus der Telefonseelsorge zurückgezogen, während sie für die Grünen Schwestern nach wie vor aktiv ist. „Das war damals ein tiefer Einschnitt für mich“, erinnert sich die Vereinsgründerin, „aber ich hatte irgendwann das Bild vor Augen, dass mein Kind groß geworden ist und sich entwickelt hat.“ Dabei wäre es gerade in der Anfangsphase manchmal nur schwer lebensfähig gewesen. „Jetzt ist es für mich ein tolles Gefühl, wenn ich sehe, was aus dem Verein geworden ist.“ Monatelang hätte sich Höppener auf den Schritt des Loslassens vorbereitet. Nachdem sie den Vereinsvorsitz abgegeben hatte, arbeitete sie noch weiter als Telefonseelsorgerin am Hörer. „Das kann man auch noch gut mit 65 oder mehr Jahren machen“, sagt die 80-Jährige. „Es zählt allein, wie fit man geistig ist.“

Heute freut sie sich, dass die Einrichtung 24 Stunden erreichbar ist. Die Hauptaufgabe der Telefonseelsorger sieht sie im Zuhören und Hinterfragen. „Wir versuchen, gemeinsam mit dem Anrufer einen Lösungsansatz zu finden.“


Die Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim hat eine 24-stündige Anrufbereitschaft. Die beiden Rufnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 sind für den Anrufer kostenfrei. Der Verein ist selbstständig in katholischer Trägerschaft und Mitglied im Diözesancaritasverband Osnabrück. Die Arbeit ist ökumenisch organisiert und richtet sich an alle Menschen in Lebenskrisen oder belastenden Situation. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Anrufer einer Konfession angehört. Die Anonymität genießt höchste Priorität. Zurzeit beraten rund 60 Mitarbeiter am Telefon, alle unterliegen der Schweigepflicht.

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