Kreis will Schulgesetzreform abwarten Neue Förderschule für das Emsland bleibt ungewiss

Mit den Auswirkungen der Inklusion hat sich der Kreisschulausschuss beschäftigt. Foto: Tim GallandiMit den Auswirkungen der Inklusion hat sich der Kreisschulausschuss beschäftigt. Foto: Tim Gallandi

Meppen. Ob das Emsland eine Förderschule für Geistige Entwicklung erhält, bleibt unabsehbar. Im Schulausschuss des Landkreises berichtete Erster Kreisrat Martin Gerenkamp über den Stand der Dinge zu diesem Thema. Außerdem beschäftigte sich das Gremium mit der Umsetzung der inklusiven Beschulung.

Den Bericht zur Förderschule für Geistige Entwicklung hatte die SPD-Kreistagsfraktion beantragt, von der auch im Juni 2012 die Anregung gekommen war, eine solche Schule einzurichten. Seit Juni 2013 wiederum habe in den politischen Gremien Funkstille zu diesem Thema geherrscht, monierten die Sozialdemokraten. Nun aber werde im Entwurf des neuen Schulgesetzes der Fortbestand dieser Förderschulen formuliert.

Erster Kreisrat Martin Gerenkamp wies darauf hin, dass die inklusive Beschulung laut Gesetzentwurf weitergehen soll. Generell entscheiden dabei die Eltern der Kinder mit Förderbedarf, ob ihr Nachwuchs eine Regel- oder Förderschule besuchen soll. Eine Ausnahme gibt es für die Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen, an denen keine Erstklässler mehr aufgenommen werden und die langfristig auslaufen sollen. „Im Emsland wären neun Standorte betroffen“, erläuterte Gerenkamp. „Damit verbunden wäre die Frage, wie viele Schüler noch an den einzelnen Orten unterrichtet werden.“ Zusätzlich, so der Erste Kreisrat, besuchen aktuell 443 Kinder und Jugendliche die Tagesbildungsstätten im Landkreis.

Für das Emsland ist es laut Gerenkamp denkbar, entweder eine Förderschule Geistige Entwicklung an einem der leerlaufenden Standorte einzurichten oder etwa die Jakob-Muth-Schule des Meppener St.-Vitus-Werks in eine reguläre Förderschule dieser Art umzuwandeln. Im Zuge der Schulgesetzreform seien jedoch weitere Veränderungen denkbar. „Daher sollten wir die Entwicklungen abwarten“, sagte Gerenkamp.

„Klares Bekenntnis fehlt“

Die SPD-Fraktion äußerte sich unzufrieden mit dem Standpunkt des Landkreises . „Uns fehlt ein klares Bekenntnis zur Förderschule Geistige Entwicklung“, kritisierte Heinz Schwarte. Entsprechende Anträge würden „stiefmütterlich behandelt“. Sein Fraktionskollege Rolf Hopster betonte: „Die Arbeit der Tagesbildungsstätten ist nicht infrage zu stellen.“ Dennoch müsse es Wahlmöglichkeiten geben. Heiner Reinert (CDU) erinnerte daran, dass es außerhalb des parlamentarischen Bereichs Diskussionen mit betroffenen Eltern gegeben habe: „Die Eltern haben sehr unterschiedliche Interessen. Es ist nicht ausgemacht, dass es für eine Förderschule Geistige Entwicklung genügend Interessenten gibt.“

Darüber hinaus betrachtete der Schulausschuss die Umsetzung der inklusiven Beschulung im Emsland. 2014 wurde erstmals die Zahl der Schüler mit Förderbedarf an den allgemeinen Schulen erfragt. Dort werden laut Erster Kreisrat Gerenkamp zurzeit 306 Kinder und Jugendliche unterrichtet, die sonderpädagogische Unterstützung brauchen. 1101 Schüler besuchen die emsländischen Förderschulen, allerdings ist diese Zahl durch die Inklusion rückläufig. Jede Grundschule erhält zwei Stunden pro Klasse und Woche als sonderpädagogische Basisversorgung; die weiterführenden Schulen erhalten je nach Bedarf Extra-Stunden. Von dieser Regelung erfasst sind zurzeit die ersten und zweiten sowie fünften und sechsten Klassen.


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